Kein Anschluss unter...

Wenn man schon in einem Land ist, wo das Handynetz sogar bis in die hinterste Ecke reicht, wäre man ja schön blöd, würde man sich das nicht zu Nutze machen. Immerhin kann ich dann überall schauen wo meine nächste Bahn fährt und wohin die Reise geht. Außerdem wäre es mit dem Internet in der Tasche einfacher mal seine eMails abzurufen. Man weiss ja nie, ob nicht grad irgendwer daheim ne Zahlungsaufforderung gegen einen aus der Post gezogen hat... ;)
Soweit die Theorie. Damit mir der Weg zur japanischen SIM-Karte nicht all zu steinig wird, habe ich mir vor Ort Hilfe besorgt. :) Ich habe mich gleich für den zweiten Tag in Tokyo mit Yuka verabredet. Zu meinem Glück spricht sie fließend deutsch und natürlich auch japanisch. Perfekt.
Da stehe ich nun am "Yodobashi Kamera"* am Ostausgang des Bahnhofs Shinuku in Tokyo und warte. Eigentlich war ja alles super eindeutig. Ort und Zeit stimmen. Hauptsache es ist nichts dazwischen gekommen. Das letzte mal haben wir ja geschrieben, da war ich noch in Deutschland. Während ich noch versuche mich mit meinem Handy in das freie w-LAN von Yodobashi zu hacken um im skype zu schauen, ob sich was geändert hat, werde ich schon angesprochen. Yuka muss mich aus irgend einem Grund gleich erkannt haben. Dabei haben wir nicht mal Bilder ausgetauscht...
Nach kurzer Begrüßung und großer Erleichterung, dass es nur 5 Minuten Verspätung der Bahn waren, kann es also los gehen. Wir finden die Handyecke schnell. Handies sind in Japan so dermaßen wichtig, dass man bei den Einkaufsmärkten immer erst mal durch die Abteilung mit den gebrauchten iPhones muss. Teiweilse bekommt man da ein 5S für knapp 100€ hinterher geschmissen (ist aber hundert pro mit SIM-lock eines japanischen Anbieters, bevor jetzt wer bestellen will). Das Regal mit den Handyverträgen (da hängen viele kleine Infokärtchen zum Durchlesen und mitnehnen) ist lang. Dank Mathias und Ai weiß ich, was ich nehmen kann. Es ist ein Vertrag, den man nach nur 6 Monaten monatlich kündigen kann. In Japan geht sonst unter 2 Jahren gar nichts. Da ich höchtens für ein Jahr bleiben kann ist das ideal.
Jetzt kommt der Part wo ich immer nur verständig dreinblickend und immer mal nickend neben Yuka stehe, während sie die Vertragsdetails beim freundlichen Verkäufer erfragt. Nachdem ich ein paar Fakten einwerfen darf, steht fest welcher Anbieter der beste ist. Wir begeben uns mit dem Verkäufer an eine lange Theke an der der Schriftkram geklärt wird. Als erstes wird mein nicht-iPhone** kritisch beäugt. Ich erkläre, dass es sich um ein weniger bekanntes Modell aus China handelt und der Verkäufer weist darauf hin, dass er nicht garantieren kann, dass die japanische SIM-Karte mein Handy akzeptieren wird. Alternativ kann ich gleich noch ein neues Smartphone erwerben. :) Kulanterweise dürfen wir vor Vertragsabschluss*** testen ob eine japanische SIM bei mir funktioniert. Leider müssen wir dafür in das Yodobashi am Westausgang des Bahnhofs. Man versichert uns zum Trost, dass dort die Klimatisierung noch besser wäre. Auf in die Hitze des unklimatisierten Shinyuku!
Drüben angekommen beginnen die Erklärungen von neuem und ich bin froh, dass ich nicht der Erklärende bin. Die Verkäuferin verpasst meinem Handy eine SIM-karte und kommt erstaunlich lang mit der deutschen Menüführung zurecht. Nachdem sie einen Menüpunkt nicht findet, stelle ich ihr die Systemsprache auf Japanisch um - später muss ich Yuka bitten wieder Deutsch einzustellen - und es funktioniert alles. Ich brauche also kein Zweithandy****. Endlich kann der Vertrag aufgesetzt werden und wir müssen dafür nicht mal in eine andere Filiale! Was kann da noch schiefgehen, denke ich mir...
Und stehe mit Yuka 5 Minuten später vor dem Laden - ohne Handyvertrag. Zwar wird meine Kreditkarte akzeptiert, aber ohne Wohnsitz in Japan gibts keine Telefonnummer. Wer mobil sein will muss sesshaft werden. Logisch.
Der Ausflug zum Communitycenter ist also unausweichlich. Die Story hat allerdings einen eigenen Eintrag verdient.
Damit es hier weiter geht, greife ich einfach mal vor. Am folgenden Tag geht es also (mit Adresseintragung in meiner Residence-Card) wieder nach Shinyuku, weil ich ja bei der selben Verkäuferin dort weiter machen möchte, wo ich am Vortag aufgehört habe - heute ohne Yuka - aber was soll schon noch sein. Der Witz ist diesmal, dass die Kollegin - die mir extra ihr Karte gegeben hat - frei hat. Trotz Klimatisierung wird es schlagartig ein paar Grad wärmer. Immerhin bekomme ich einen Ansprechpartner, der des Englischen mächtig sein soll. Mit Hand und Fuss klären wir also das wichtigste und eine aufregende halbe Stunde später habe ich meine SIM-Karte und die Gold-Points-Card von Yodobashi. :) So bindet man Kunden. Yuka gebe ich per SMS bescheid, dass alles geklappt hat. Sie hatte telefonische Hilfe angeboten und hätte zur Not eher Feierabend gemacht. Dass Japaner eigentlich keine SMS schreiben, erklärt man mir später. Freundlich wie immer, antwortet mir Yuka trotzdem.
Endlich wäre das erledigt. Nun kann ich mich beruhigt auf die Reise ins Ungewisse begeben. Zumindest so lang der Akku und der Empfang mitspielen. Zum Abschluss noch mal vielen Dank an Yuka, Ai und Mathias. :)



* Yodobashi ist sowas wie der Mediamark bei uns. Natürlich haben die auch einen großen Konkurrenten. "Big Kamera" heißen die. Ob die auch irgendwo das selbe sind wie bei und Mediamarkt und Saturn, könnt ihr selber nachgucken.
** Der Japaner ist sehr stolz auf sein Handy. Da kauft man nicht irgendwas. Die meißten haben entweder ein iPhone oder ein Modell von Sony. Huawei gibts auch, aber wenn man dann mit was aus Korea ankommt, ist man unten durch...
*** Sollte ich erst die SIM erwerben und dann doch ein neues Handy brauchen, wäre das teurer als ein Vertrag + Handy. Kombiniert müsste ich das aber von vornherein erwerben. Das Handy billig zum Vertrag zubuchen ist nicht.
**** Ich habe schon ein paar Japaner mit zwei Geräten gesehen. Das soll wohl mit den teilweise starken Geschwindigkeitsunterschieden, bzw. der Netzabdeckung einzelner Anbieter zu tun haben.