Bitte ziehen sie eine Nummer...

Wer kennt es micht? Aus irgend einem unerfindlichen Grund muss man aufs Amt. Bürokraten und ihre Formulare sind ja so schon immer eine wahre Freude. Aber das nun in einem fremden Land, wo man mit der Sprache und den Gepflogenheiten an sich noch nicht so recht sattelfest ist? Klingt nach Spaß! Im Nachhinein kann man drüber lachen...
Aber der Reihe nach. Ich habe meine Bleibe nahe der Station "Fudomae". Damit gehöre ich zum Distrikt "Shinagawa-ku" des Großraumes Tokyo. Zu dessen Gemeindebüro mache ich mich also auf den Weg. Weit habe ich es nicht. Die ungeführe Lage habe ich mir über das Internet (w-LAN in der Unterkunf) herausgesucht und auf mein Wander-GPS übertragen. Handyinternet habe ich ja nicht - bzw. ist ja der Grund weshalb ich aufs Amt muss. ;)
Erfreulicherweise finde ich das Gebäude auf Anhieb. Ich betrete einen klimatisierten, offen gestalteten Raum. Es gibt eine lange Theke mit mit mehreren Schaltern, einen Wartebereich und einige Tische, die mit Vordrucken und Ausfüllhinweisen ausgestattet sind. - Inklusive der obligatorischen, angeleinten Kugelschreiber. Bisher also keine Überraschungen. Schön. Gleich wenn man herein kommt fällt einem der Automat mit dem Drucker für die Tickets zur geordneten Bearbeitung auf. Da vor mir schon Leute bearbeitet werden und der Zähler am Gerät auf "001" steht, denke ich mir "Gehste einfach an einen der freien Schalter und gut." Papier sparen und so... Am Schalter werde ich freundlich, aber bestimmt darauf hingewisen, dass ich bitte eine Nummer ziehen soll. - Gut. Spiel ich eben mit. Ich freue mich, dass kurz darauf meine Nummer aufgerufem wird. :)
Nun beginnt der Spaß. Ich gebe unter Zuhilfenahme meiner Registration-Card zu verstehen, dass ich die Eintragung eines Wohnsitzes wünsche. Routiniert hat die Sachbearbeiterin sofort das passende Formular zur Hand und ich freue mich, dass ich eine englische Ausfüllhilfe erhalte. Meine Papiernummer wird gegen eine in Folie eingeschweißte Nummer eingetauscht. Es ist die 934. Wieso ich das noch so genau weiss, ersdhließt sich später. Ich darf mich also an einen der Tische zurückziehen und in Ruhe ausfüllen. Wie ich so mein Formular überfliege, merke ich, dass mir die auf englisch verfasste Ausfüllhilfe nicht viel nützen wird. Vieles erschließt sich mir auch nach den zweiten lesen nicht... Von der klimatisierung ist nicht mehr viel zu merken. Zur Wahl stehen: kreatives Ausfüllen nach dem Kreuzworträtselprinzip oder langes hin- und her-Stammeln mit der dame am Schalter, worauf wir wohl beide keine Lust haben. Deswegen fällt meine Wahl auf den ersten Gedanken. Nach und nach sieht das Formular zumindest ausgefüllt aus. - Ich will gar nicht wissen wie die Reaktion der Bearbeiterin ausfüllt. Zu allem Überfluss trage ich auch noch etwas in eine verkehrte Zeile ein. Wildes Duchgestreiche macht die Sache nicht besser. Es wird immer wärmer im Raum...
Ich trete an den Schalter und sofort kommen kritische Fragen. Zwar in lückenhaftem Englisch, aber dennoch unangenehm. Natürlich betreffen die Fragen meine etwas kreativer ausgefüllten Stellen. Ich beteuere meine Unwissenheit und will doch eigentlich nur die von mir mühselig hingekritzelte Adresse auf die Rückseite meiner Registration-Card eingetragen bekommen. >_< Das sage ich zwar so nicht, aber da wir anderweitig auch nicht weiterkommen, nimmt die Dame am Schalter das Formular und ist im, Begriff sich zur weiteren Bearbeitung nach hinten zu empfehlen. Ich soll mich setzen und warten. - Puh...
So sitze ich mit meiner einlaminierten Nummer im Wartebereich und lausche gespannt den Aufrufen. Ich will ja nicht unangenehm auffallen und mehrmals ausgerufen werden müssen. Die Dame neben mir bemerkt das und versichert mir bei jeder neuen Durchsage, dass das noch nicht meine Nummer war. Als sie vom Schalter zurückkehrt richtet sie mir noch aus, dass sie die Dame am Schalter gebeten hat meine Nummer auf englisch auszurufen. "Na die wird sich freuen." denke ich mir und bedanke mich höflich.
Als ich schließlich aufgerufen werde, ertönt keine Nummer, sondern mein Name wird ausgerufen. "Geschickt ausgewichen..." :) Aber was will ich mich beschweren. Mein Japanisch ist auch nicht ausreichend. Als ich meine Registration-Card mit eingetragener Adresse bekomme ist die Freude groß. Sicher auf beiden Seiten. Dass ich nicht in die japanische Krankenversicherung eintreten will, verneine ich zwei mal. Dann werde ich tatsächlich mit einem dritten Dokument konfrontiert, allerdings wird mir nicht klar worum es sich dabei handelt. Noch bevor ich eine Rückfrage stellen kann, verschwindet das Formular wieder und wir beide belassen es dabei. Ich habe was ich wollte und wenn ich bald gehe wird es auch für die Dame hinter dem Schalter wieder ein entspannter Tag. So sehnen wir uns beide nach dem Moment wo die Tür hinter mir ins Schloss fällt und es bleibt lediglich ein paar Verabschiedungsfloskeln auszutauschen und es ist geschafft.
Wieder eine interessante Erfahrung mehr. Theoretisch muss ich mich jedes mal ummelden, wenn ich an einem Ort länger als 14 Tage bleibe. Ich nehme mir vor möglichst lang nur für kurze Zeit an einem Ort zu bleiben.