Die Feste feiern wie sie fallen...

In Japan wird Tanabata gefeiert. Wie Wikipedia mir verraten hat, findet das Fest eigentlich am siebten Tag des siebten Monats des Mondkalenders statt. Mittlerweile ist der siebte Juli daraus geworden. Und weil sich so ein Fest am besten gleich übers gesamte Wochenende feiert, gehts eben bis zum neunten weiter. Wir haben uns für den Sonnabend entschieden. Aber erst mal noch ein wenig Hintergrund zum Fest:
Am siebten Tag des siebten Monats also treffen sich am Himmel zwei Sterne (Wega aus dem Sternbild der Leier) und Altair (aus dem Sternbild des Adlers). Laut der Überlieferung aus China stellen die beiden ein Liebespaar dar, dass sich an diesem Abend trifft und den Rest des Jahres durch die Milchstraße getrennt ist. Beide wurden an die beiden Enden der Milchstraße verbannt, weil ihre Liebe zueinander ihren Fleiß zu sehr beeinträchtigte... Da der Kummer in Folge der Trennung auch nicht produktiver machte, wurde als "Kompromiss" ein Besuchstag pro Jahr vereinbart. Die Details kann man auf Wikipedia nachlesen. Für mich klingts sehr nach Asien. "Arbeit geht vor. Urlaub darf nicht übertrieben werden." ;)
Was die Japaner nun daraus machen ist: Zu Tanabata werden überall Bambuszweige aufgestellt, an deren Ästen Zettel mit Wünschen aufgehängt werden. Diese sollen sich natürlich erfüllen. Eigentlich wollte ich auch einen Zettel verfassen, aber irgendwie ist das dann nichts mehr geworden. :(
Da Tanabata eine gute Gelegenheit ist sich in traditionellen Kleidern zu zeigen, und ich weiss, dass Lisa, Ke-chan und die anderen die wir treffen werden das vor haben, will ich natürlich nicht der einzige ohne Yukata sein und mache ich mich auf die Suche nach etwas passendem. Lisa hatte mir eine Adresse geschickt. Leider lies mich google ohne ein bestimmtes Update seiner Dienste die Kartenansicht nicht öffnen. Dass sich das Update beim Herunterladen auch noch quer stellt, macht es nicht besser. Danke. Also auf die altmodische Art: Ich weiss noch, dass Lisa meinte ich soll mich an der Bahnhaltestelle orientieren, dann der Straße an dem Bushaltestellen vorbei folgen. Da wäre dann ein Kleidungsgeschäft... Gefunden habe ich nach viel Gelaufe und Gegucke nichts. Also gibts erst mal Mittag. Das empfohlene Sushilokal finde ich wenigstens. Als Lisa aus der Stadt wieder kommt, meldet sie sich bei mir und wir verabreden uns an der nächsten Bahnstation zum gemeinsamen Shoppen. Als sie mir dann noch einmal erklärt, wie wir zu dem Laden finden wird mir klar, dass ich die falsche Bahnstation als Ausgangspunkt genommen habe. :( Nach und nach klappern wir also alle in frage kommenden Geschäfte im Umkreis ab. Fazit: Ich bin zu groß und was Maßangefertigtes wird teuer. Später gehe ich den Kompromiss ein mir ein Modell, dass eigentlich für Frauen geschnitten ist zu holen. Da bei Frauen das Gewand ein mal auf höhe des Gürtels (Obi) umgeschlagen wird, kann ich hier in der Länge was gut machen. Bei den Ärmeln sieht es anders aus, aber die sind sowieso kurz.
Also geht es kurz vor knapp zur Station. Nicht zuletzt wegen mir sind wir eine Stunde später dran. Besonders schnell komme ich in meinem "Nachthemd" sowieso nicht voran. Der Yukata ist im Prinzip ein Gewand mit kurzen Ärmeln, das bis zu den Füssen reicht und auf der Vorderseite zusammengeschlagen wird. Gehalten wird das ganze dann lediglich von einem breiten, auf Hüfthöhe eng gebundenen "Gürtel". Darunter trägt man am besten so wenig wie möglich. Es ist schließlich warm. Große Schritte machen oder gar Treppen steigen wird da zur wahren Freude. Immer wieder zupfe ich alles zurecht. Ich will ja auch nicht zu viel Ausschnitt zeigen... Was passiert, wenn mein Obi sich löst, daran will ich nicht denken. Ein weiterer Nachteil ist, dass dieses Kleidungsstück keine Taschen hat. (Ok, man kann sein Portmonaie im Ärmel verstauen, aber ich stecke in meine kurzen Ärmelchen lieber nichts wichtiges rein. So werde ich den ganzen Abend eine Tragetasche mit mir herumtragen. Handtaschen sind bei Männern in Japan aber sowieso normal...

Der Bambus
Passend gekleidet

Als wir uns alle auf der Festmeile in Asakusa treffen bleibt nur kurz Zeit für ein Gruppenfoto und schon gehen die ersten. Uns verbliebenen bleibt allerdings noch die komplette Festmeile auf der Kappabashi, einer traditionsträchtigen Straße voller Handwerks- und Haushaltwarenläden in Tokyo. Zu beiden Seiten werden für Straßenfeste typische Waren angeboten. Überall gibt es Stände mit Leckereien, Kinderspielzeug und Handwerkskunst. Leider komme ich in meiner Aufmachung nicht zum Fotos machen. Wir laufen stetig der Sonne entgegen, die lange Straße entlang. Die Sicht ist eingeschränkt und die einzige freie Hand bedient den Fächer. Zeit für eine Abkühlung. Zum Glück kann da Abhilfe geschaffen werden. An einem Stand gibt es Kakigōri. Man kann sich das wie folgt vorstellen: Eiswürfel werden in kleine Splitter gehächselt oder geschabt und dann mit Sirup übergossen, damit auch ein wenig Geschmack mit ins Spiel kommt. Dank Lisa gibt es davon auch ein Bild. :)
Endlich Eis
Umzug in vollem Gange

Irgendwann kommt noch eine Prozession von Tänzern an uns vorbei, ansonsten bleibt es für mich ein langer Marsch entlang der Festmeile in einem etwas zu eng geschnittenen Gewand. :) Irgendwie war ich die meisste Zeit damit beschäftigt irgendwas zurecht zu zupfen, zu fächern oder mit den anderen mitzuhalten.
Als wir die Festmeile abgegrast haben, entscheiden wir uns zum koreanischen Volksfest im Uenopark zu gehen, wenn wir schon mal in der Nähe sind. Zwar feiern die nicht im Yukata, aber was solls. Nach viel zu vielen Schritten in meinem Gewand suche ich nur noch eins: eine Sitzgelegenheit. Dass es dazu noch ein Kakigōri gibt, macht die Sache noch besser. Alles in Allem ist es auf dem (Süd-) Koeanischen Fest etwas lauter. Die Betreiber der Stände versuchen sich gegenseitig marktschreierisch zu überbieten. Nebem dem Rahmenprogramm gibt es hauptsächlich zu Essen und zu Trinken. Wer hätte das gedacht. :)
Weil wir uns einig sind, dass keiner mehr weit laufen will, nehmen wir uns ein Taxi und fahren zu einer Shisha-Bar. Für mich gibts keinen Vanille- oder Rosen-Rauch, aber nach all dem Eis endlich was richtiges zum Abendbrot. Die anderen ernähren sich kalorienärmer aus dem Schlauch. Wenn man grad nicht raucht, kann man sich auch am reichhaltigen Mangaangebot genüglich tun. Meisst blättere ich nur, weil die Schriftzeichen mir nichts sagen. Aber es gibt ja Bilder. Die entspannte Stimmung wird nur kurz gestört, als durchs offene Fenster eine Schabe hereingekrabbelt kommt. Im sommerlichen Japan kein seltener Gast. Im Yukata anständig auf dem Boden sitzen war schon eine Sache für sich. Aber plötzlich aufspringen (um der Dame mit dem Insektenspray Platz zu machen) ist auch spaßig. Jetzt weiss ich wenigstens wie die Mädels in ihren kurzen Röcken aufpassen müssen. :)
Zurück daheim bin ich froh wieder etwas bequemes tragen zu können, aber der Spaß war es mir mal wert. Nächste Gelegenheit für den Yukata wird wohl das große Feuerwerk in Tokyo sein. Übung macht den Meister...