Die Stadt, die einfach laufen lässt...

Mein zweiter Tag in der Präfektur Nagano gilt noch nicht den Bergen, sondern der nächstgroesseren Stadt. Matsumoto ist wohl mal strategisch von Bedeutung gewesen, denn hier wurde vor über 500 Jahren eine Burg errichtet, die noch im Originalzustand erhalten ist. Da ich schon ein paar Burgen in Japan gesehen habe, die von aussen total original und von innen nach Museum des 21. Jahrhunderts aussahen, war mein Interesse an etwas authentischem natürlich gross.
Nach einer halben Stunde komme ich mit dem Bummelzug aus der Provinz an und kann die Stadt erkunden. Die Busse, die einen zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt bringen sollen, lasse ich links liegen. So gross ist Matsumoto dann auch wieder nicht. Nach einer viertel Stunde inklusive Beusch der Tourist-Information komme ich an der Burg an und weiss zudem, dass ich dem lokalen Kunstmuseum auch einen Besuch abstatten will. Denn da wird gerade japanische Animationsfilmkunst ausgestellt, aber dazu später mehr.
Am Eingang zum Park vor der Burg werde ich von einem Herrn mittleren Alters auf Englisch begruesst. Wie ich einer Werbetafel entnehmen kann, werden kostenlos geführte Touren in verschiedenen Sprachen angeboten. Eigentlich will ich mir alles in Ruhe allein anschauen, aber natürlich grüße ich zurück. Er fragt mich woher ich komme und spricht, nachdem ich ihm geantwortet habe, auf Deutsch mit mir weiter. Er kann noch ein paar Sprachen mehr und wir plaudern ein wenig. Wirklich erstaunlich, wie sich Japan wandelt...
Ich setze meinen Weg fort und für 600 Yen darf ich mir die Burg anschauen. Das Bauwerk wurde in den fünfzigern grundüberholt, aber wieder originalgetreu hergerichtet. Ein wunderbarer Holzbau in traditioneller Bauweise. Man sieht den original erhaltenen Teilen ihr Alter an. Die Holzdielen sind im Laufe der Zeit von all den Füssen blank poliert worden. - Im Inneren durften natuerlich keine Schuhe getragen werden. - Jeder Besucher darf hier in seinem eigenen Tempo die Etagen der Burg erklimmen und bestaunen. In den unteren Etagen stehen ein paar Vitrinen mit Handfeuerwaffen aus der aktiveren Zeit der Burg. Ansonsten kann man sich an der völlig unverbauten Architektur mit ihren Säulen und Balken erfreuen und staunen was da alles schon mit eingebaut wurde. Die Treppenstufen in einigen Etagen sind so hoch und kurz, dass selbst ich meine wahre freude habe sie zu erklimmen. Zugleich gilt es natürlich auf Balken zu achten, die man mit dem Kopf beschädigen koennte...

Eingerahmt in einen Park
Im Modell
In der Nahaufnahme
Wenn Erstechen nicht reicht...
Mehr Bumms
Sieht nicht sonderlich glücklich aus
Alles in Allem ein Gebäude nach meinem Geschmack. Wenn ich mal im Lotto gewinne, baue ich mir auch so eine Burg. ;) Anschliessend erkunde ich das Umfeld und den Park und finde den Weg in das Torhaus. Hier gibt es noch eine kleine Ausstellung zu architektonischen Besonderheiten, ein Video über die Restaurierung der Burg und ganz wichtig: eine riesige Trommel nebst Trommelstöcken. Deren Benutzung war es, die mich überhaupt erst auf das Torhaus hat aufmerksam werden lassen. Nun stellt sich mir nur die frage, ob da nur der Aufpasser am Eingang trommeln darf oder auch jeder 0815-Tourist? Als ich zu den Stöcken greife gibt es statt Lauten des Widerspruches zum Glück ein aufforderndes Nicken. Ich darf also selbst einmal Signal geben. So macht Geschichte Spass. Als ich das Gelände der Burg verlasse sehe ich, dass das Museum gleich daneben liegt. :) Im Eingangsbereich hängen allerdings nicht die Poster, die ich in der Tourist-Info gesehen hatte. Also lieber erst mal fragen. Kurz darauf ist klar: Es gibt noch ein Museum in Matsumoto und da wird auch ausgestellt was ich sehen will. Leider hat es an diesem Tag geschlossen. Es ist Feiertag. Schade, dass nur das "falsche" Museum an Feiertagen geöffnet hat. Also erkunde ich noch ein wenig die Stadt. Auch hier fliesst überall das klare (und eiskalte) Wasser aus den Bergen durch kleine Kanäle. Perfekt um sich ein wenig abzukühlen. Denn auch in Matsumoto ist der Sommer mit fast 30°C angekommen. Dass man sich auch ohne Bedenken von innen abkühlen kann, darauf macht mich ein Mann aufmerksam, der auf einer Bank neben einem kleinen Brunnen sitzt. Aus ihm (dem Brunnen) fliesst kontinuierlich frisches Wasser, welches man mit der bereitgelegten Schöpfkelle zum trinken auffangen kann. Die verbeulte Kelle zeugt von regem Ge- und Missbrauch. Schon ein wenig komisch sein Trinkgefäß mit allen zu teilen. Aber das frische Wasser wäscht ja alles sauber rede ich mir ein. Schliesslich will ich ihn (den Mann auf der Bank) ja nicht enttäuschen und das Wasser wenigstens mal probieren. Was soll ich sagen: Ich habs überlebt - und gleich noch meine leere Trnikflasche wieder aufgefüllt. Man muss ja sehen wo man bleibt. In Matsumoto muss zuminidest keiner verdursten. Komisch nach Chlor (wie das Leitungswasser in Japan mancherorts) hat es auch nicht geschmeckt.
Frisch gezapft
Noch einer
Nach dieser Erfrischung geht es weiter auf die "Froschstrasse". Das ist eine kleine Strasse direkt am Fluss, der durch das Stadtzentrum fliesst, auf der es allerlei Leckereien und lokale Kleinigkeiten zu erwerben gibt. Ich gönne mir ein Schabeeis mit Zitronengeschmack und setze mich ein wenig in den Schatten.
Hier ist der Name Programm
Alles was der Frosch begehrt
Zum Abendessen gibt es noch eine Portion Sobanudeln (Buchweizennudeln), für die die Region so berühmt ist. Sommer ist sowieso Sobanudelsaison. Die werden einem da kalt serviert. Da an den Nudeln ansonsten nichts weiter dran ist, gibts noch eine Sauce auf Sojabasis zum dippen, welche mit Wasabi (zum selber frisch hineinreiben) abgeschmeckt werden kann. Dazu gab es einen kleinen Teller Tempura als Beilage. Tempura kann alles mögliche sein. Meisstens sind es frittierte Gemüsestücken (Lotuswurzel, Süsskartoffel, Aubergine, ...) und Meeresgetier. Zum Abschluss bekommt man dann das warme Wasser in dem die Nudeln gekocht worden sind zusammen mit der verbliebenen Dip-Sauce in einer Schüssel verrührt zum Trinken. Das Nudelwasser soll besonders gehaltvoll sein. Wäre ja eine Schande das einfach weg zu gießen. Hat nicht mal schlecht geschmeckt. So kommt doch noch was warmes zum Abend in den Magen. :)
In diesem Beitrag schummle ich mal ein wenig und füge gleich noch den nächsten Tag mit an. Schliesslich ging es wieder nach Matsumoto. Im Museum für Kunst durfte leider nicht fotografiert werden. Selbst meines Kaugummies wurde ich in der letzten Ausstellung beraubt.
Jedenfalls wurde ich durch ein Werbeposter hergelockt auf dem Bilder aus (zumindest mir) bekannten japanischen Animationsfilmklassikern des Studio Ghibli zu sehen waren. In der Ausstellung geht es allerdings um einen bestimmten freischaffenden Künstler, der für besagtes Studio diverse Motive gezeichnet hat. Yamamoto Nizo heisst der Herr. Bekanntere Werke, die auch immer mal im deustchen Fernsehen laufen, wären zum Beispiel "Prinzessin Mononoke", "Laputa, die Stadt im Himmel" oder ein neueres Werk "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang". In der Ausstellung durfte man sich nun die Originalhintergründe anschauen, die dann die Grundlage für die Trickfkilme boten. Erstaunlich wie detailliert da gearbeitet wird. Lustigerweise sind die Ränder der Bilder meisst nicht klar definiert und die Farbschichten laufen einfach da aus wo beim "Abfotografieren" für den Film sowieso keiner hin schaut. Zum einrahmen taugt da also höchstens ein Zuschnitt...
Aber geht es euch einfach selber anschauen. Leider standen ueberall Aufpasser. Es koennte ja wer ein Foto machen oder gar etwas anfassen. :( Also gibts hier nur noch ein paar Impressionen aus dem Fotofreibereich.
Unterwegs in anderen Welten
Museum von aussen