Alles im grünen Bereich

Heute soll mal ein ruhiger Tag werden. Die Beine sind noch ein wenig schwer von der Eintages-Zweitagestour vorgestern. So beschliesse ich mich den örtlichen Attraktionen zuzuwenden. In Hotaka gibt es neben Reisfeldern auch eine berühmte Wasabifarm. Mein Host meinte "Hier kommt der beste Wasabi aus ganz Japan her." Vorteilhaft für mich: Ich kann ganz ohne Bus und Bahn einfach hin laufen und Eintritt kostet das Ganze auch keinen. Klingt nach einem billigen Tag in Japan.
Gedacht, getan. Der gestrige Regen ist Geschichte und der Wind macht die Schwüle Luft erträglich. Auf meinem Weg quere ich den gesamten Ort und schaue mir dabei gleich noch die Einkaufsstraße an. In einem kleinen Laden gibt es alles für den Bauern. Vom Strohhut, über Gartengeräte bis zum Notstromaggregat ist alles vertreten. - Nach ca. 5km Fußmarsch bin ich am Ziel angekommen. Es gibt einen großen Parkplatz und selbst Reisebusse fahren vor. Scheint eine echt angesagte Adresse zu sein.
Als erstes schaue ich mir den Flusslauf mit seinen Wasserrädern an. Leider sind die Räder nicht mehr so gut erhalten und einige gammeln vor sich hin. Offenbar ist die Farm nicht mehr auf sie angewiesen. Auf dem Kanal kann man mit dem Schlauchboot fahren. Aber das überlasse ich den Japanern und gehe weiter. Als ich die Felder sehe wird mir klar: Ich wusste gar nicht, wie Wasabi angebaut wird. Auf den ersten Blick ist klar, dass man eine Menge Wasser benötigt. Klar brauchen alle Pflanzen Wasser um zu gedeihen, aber der Wasabi hier steht quasi im fliessenden Flusswasser. Die Felder sind geschickt angelegt. Das Wasser wird aus dem Fluss abgezweigt über fischgrätenartig angelegte, immer kleinere Gräben zwischen den Pflanzen hindurch geleitet.

Eines der funktionierenden
So machen die das heute noch. Nur ist die Dame jetzt älter...

Soweit ich das mitbekomme, hat das Wasser eine immer gleiche Temperatur im einstelligen Bereich. Der Wasabi mag es also kühl. Da haben wir was gemeinsam. Dass das im warmen Japan gelingt, erstaunt mich. Das kühle Bergwasser macht es möglich. Zudem sind die Felder mit Netzen "überdacht", was wohl einerseits eine Erwärmung uns andererseits das Verschmutzen / Verstopfen der Kanäle verhindern soll. Diese Stoffbahnen lassen die Felder wie eine Asphaltbahn die sich durch die Landschaft windet, anmuten.
Nass und kühl...
Bis zum Horizont

Nach der ersten Runde durch die Felder ist es erst mal Zeit für ein Eis. Natürlich mit Wasabigeschmack. Ausgesehen hat es wie ein normales Vanille-Softeis. Geschmacklich war eine leichte Wasabinote dabei, allerdings nicht penetrant. Ansonsten gibt es hier so einiges mit Wasabi drin zu erwerben. Von Gebäck über Eingelegtes bis hin zur Pflanze an sich. Dass die Blätter ebenfalls verwertet werden wusste ich auch noch nicht. Natürlich gibt es auch die üblichen Ansichtskarten und Merchandise rund um den Wasabi zu erwerben. In mehreren Restaurants kann man Wasabimenüs inklusive Wasabigetränken zu sich nehmen. Ich bin leider ein wenig zu spät dran. Nach dem Mittag schliessen alle Restaurants. :(
War lecker
Geschmacklich fragwürdig

Also drehe ich noch eine Runde durch die weitläufige Anlage und freue mich, dass es dank der Wasserkühlung mal nicht über 25°C warm ist. Es gibt noch einen Teich in dem dank des klaren Flusswassers Forellen leben und den obligatorischen Tempel nebst Quelle. Schliesslich geht auch im Wasabigewerbe nichts ohne den göttlichen Beistand. Auf meinem Weg begegbe ich auch ein paar gestiefelten Japanern, die gerade eines der Felder abgeerntet haben und die Wasabiwurzeln zur Weiterverarbeitung vorbereiten. Den Blätterzupfenden und Wurzelschnibbelnden Japanern in der Waschküche kann man auch beim Aussortieren zuschauen. Nicht sonderlich spannend, aber echt authentisch. :) Auch hier werden die Pausenzeiten zentral über akustische Signale geregelt. Als die Sirene das erste mal ertönt glaube ich noch an einen Feuer- oder Katastrophenalarm. Beim zweiten mal wird klar, dass es sich lediglich um die "Pausenglocke" handelt.
Des Wasabibauerns Feierabendlatschen
Wasser der Weisheit (rechts)

Nach einem Tag rund um die kleine scharfe Wurzel ohne die in Japan so manches Gericht nur öde und fad schmecken würde mache ich mich auf den Rückweg und weiss nun erst so richtig zu schätzen wie viel Arbeit in der grünen Paste auf dem Teller steckt. - Vorrausgesetzt man bekommt keinen Wasabiersatz vorgesetzt...