Zurück auf Anfang

Meine zwei Wochen in den japanischen Nordalpen gehen zu Ende und ein weiteres mal muss ich mit all meinen Habseligkeiten umziehen. Freundlicherweise schafft mich meine Gastgeberin zum Bahnhof. Dort angekommen bietet sie mir sogar an mich nach Matsumoto zu fahren, wo ich diesmal mit dem Bus weiterreisen werde. Sie meint der frühe Bus wäre schneller. Ich beschwichtige sie, dass das so wie ich es geplant (und gebucht) habe schon in Ordnung geht. Schließlich bin ich ja nicht in Eile. So verabschieden wir uns und tauschen ausgiebig Dankesfloskeln aus.
In Matsumoto steige ich nach einer halben Stunde Bahnfahrt in den Bus um und kann sogleich einen großen Vorteil genießen: Ich muss das Gepäck nicht in das Gepäckfach über dem Sitz wuchten. Es gibt ja den Kofferraum. Die Sitze im Fernbus bieten genau so viel Beinfreiheit wie im Zug und mein Sitzplatz ist ebenfalls Reserviert. Bisher keine Nachteile. Der Bus fährt pünktlich ab und der Fahrer beginnt mit den Erklärungen. Wie ich heraushöre werden wir eine kurze Rast einlegen und innerhalb von drei Stunden Tokyo erreichen. - Das einzige was mir im Gegensatz zur Bahn mit dem Bus passieren könnte, wäre in den Stau zu kommen. Übrigens hat der Bus nur die Hälfte dessen gekostet was die Bahn mir auf dem Hinweg abgeknöpft hat. Man lernt eben jeden Tag dazu...
Da die Fahrt recht unspannend und planmäßig verläuft, bin ich zur Mittagszeit in Tokyo. Hier darf ich mich wieder bei Agnes und Lisa einquartieren. Ich werde über das Wochenende bleiben und Montag früh mit dem Flieger nach Hokkaido weiterreisen. Dazu aber später mehr. Erst einmal steht das große Feuerwerk an. Sommerzeit ist Festival- und Feuerwerkszeit in Japan. Ich bin gespannt auf "das größte Feuerwerk Japans". Vorher gilt es allerdings noch etwas zu erledigen. So beeile ich mich mein Gepäck bei meinen Gastgebern abliefern. Ich frage kurz wann sie zum Feuerwerk los wollen und stelle Fest, dass das schon in drei Stunden sein soll. Nichts wie in die Stadt.

Da ich das gefummel mit Handy und Tablet satt habe, wenn ich mal ein paar Texte für die Webseite verfassen oder Bilder von der SD-Karte des Fotoapparates laden will, muss ein einfacher Laptop her. Den bekommt man in Akihabara am günstigsten. Nach Akihabara fahre ich sowieso gern. Da gibt es alles was das Bastlerherz begehrt. Ein ganzer Stadtteil von Tokyo wie für mich gemacht. Wenn ich hier nichts finde, bekomme ich es im Rest von Japan auch nicht.
Leider ist Akihabara gerade genau am anderen Ende der Stadt. Da brauche ich mit der Bahn locker eine halbe Stunde. Wenigstens ist das Feuerwerk dann nur ein paar Stationen von Akihabara entfernt. Also lieber gleich alles nötige mitnehmen, was den Schirm mit einschließt, wenn ich mir den Himmel ansehe.
So verschaffe ich mir eine halbe Stunde später im Infocenter von Akihabara eine Karte und einen ersten Überblick. Freundlicherweise haben sich die entsprechenden Läden alle in einer Ecke angesiedelt. Die großen an der Hauptstraße und die kleineren eine Querstraße dahinter. Alles zu Fuß machbar. Im ersten großen Laden die Erkenntnis: Was neues wirds definitiv nicht - und auch nichts mit Apfel drauf. Das kostet beides mindestens 100000 Yen, nach oben keine Grenze. Der Witz ist, dass man dafür gerade mal einen schwachen Einteigerlaptop bekommt. Japan kann man als Billigeinkaufsland für Elektronik mittlerweile abschreiben. Also ab in die Abteilung mit den Gebrauchten. Glücklicherweise ist diese genau so reichhaltig wie die mit den Neugeräten. Die Preise bei den großen Läden sind allerdings auch hier eine Nummer zu Groß für mich.
In den kleinen Läden gibts endlich kleinere Preise. Aber man muss schon genau hin schauen was man da vor sich stehen hat. Es gibt Läden, da wird in allen Laptops konsequent nur 2GB RAM angeboten. Heutzutage ein Unding. Erstaunlich, dass das Windows 10 da drauf überhaupt läuft. In einem Läden stehen die Geräte ohne Preisschild und Angabe von technischen Daten in den Regalen. Dort bin ich leider nicht schnell genug wieder raus gegangen. Schon werde ich angesprochen und in ein "Verkaufsgespräch" verwickelt. Dass das Gerät was mir angeboten wird nicht startet, weil der Akku runter ist und der "Verkäufer" erst einmal bei einem anderen Gerät das Netzteil ausborgt um es wenigstens einschalten zu können spricht Bände. Dass dann auch noch das BIOS meldet, dass es alles vergessen hat... Ich verlasse den Laden so schnell es geht ohne unhöflich zu werden oder Gewalt anzuwenden. Nun kenne ich zumindest auch das unterste Ende der Skala. Da sind mir die Typen lieber, die ihre Ware auf den Bürgersteig stellen und nebst selbstgeschriebenem Schild mit den technischen Daten laut Videos abspielen lassen. Denen beim "Aufbauen" ihres Arrangements zuzuschauen ist eine wahre Freude. Am Anfang liegt alles lose aufeinander in dem kleinen Raum den sie haben um nachts alles abschliessen zu können.
Als die Zeit ran ist sich auf den Weg zum Feuerwerk zu machen, habe ich zwar noch keine Wahl getroffen aber immerhin schon einmal eine Vorstellung dessen was da finanziell auf mich zukommt. Am Sonntag gehts dann weiter. Praktisch, dass Sonntage hier in Japan kein Hindernis sind erst einmal gepflegt shoppen zu gehen. :)

Die paar Stationen bis zum Festivalgelände sind schnell geschafft, denke ich mir während ich Lisa über Line schreibe um zu erfahren wo sie ankommen werden. Ich will sie am Zielbahnhof abpassen. Bin ja locker eher da. - Die Station, wo ich für meinen Anschluss hin muss, ist ein wenig abgelegen vom Tokyoter Ring den ich bis Akihabara nehmen konnte. So muss ich zu einer Nachbarstation laufen, weil diese Linie eine andere Bahngesellschat betreibt. Als ich den Bahnsteig finde auf dem ich zusteigen will, sehe ich nur eine lange, zweireihige Schlange vor der abgesperrten Rolltreppe. Offensichtlich will gerade ganz Tokyo in diese Richtung. Also kehrt Marsch und eine Umleitung finden. Es gibt eine andere Linie ein paar Stationen weiter, die auch ans Ziel führt. Dafür muss ich wieder ein wenig laufen. Passenderweise fängt es an zu regnen. :) Angekommen an der Ausweichstation freue ich mich über einen leeren Bahnsteig. Als allerdings der Zug einfährt, habe ich Not einen Stehplatz zu bekommen. Dass noch Leute nach mir einsteigen wollen ist mir unbegreiflich. So drücken und schieben alle so lange, bis die Türen sich endlich schließen. An allen Stationen um Asakusa, das ist der Stadtteil wo die Party steigt, stehen heute an den Zugtüren Aufpasser, damit es niemand übertriebt mit dem Drücken und Drängeln und damit der Zug nicht abfährt, wenn jemand in der Tür klemmt... Am Ziel angekommen wird es nicht besser. Nun wollen alle aus dem Zug raus und der Bahnsteig füllt sich. Offenbar kann er sich aber nicht schnell genug leeren. Das Wetter scheint ein Grund zu sein. Die Leute kommen nicht sonderlich schnell die Treppen hoch. Ich will mir nicht vorstellen was hier los ist, wenn jetzt Panik ausbricht. Immerhin behalte ich immer den Überblick und habe meine eigene Luftschicht zum Atmen. Nach nur Zehn Minuten kann ich die Straße sehen. Am Ende der Treppe versucht jeder seinen Schirm zu öffnen und die die keinen haben bleiben teils einfach stehen. Toll.
Auf der Straße gibts wieder frische Luft für alle, aber die Leute füllen auch hier jedes Bisschen Fußweg. Dass nun über fast jedem Passant auch noch ein Schirm schwebt macht das aneinander vorbei kommen nicht einfacher. Nach einer Weile sind aber fast alle in einer Richtung unterwegs. Da ich noch immer keine Antwort bekommen habe, wo man sich treffen könnte, folge ich ihnen. Dass ich richtig bin, erkenne ich daran, dass die Polizei mehr wird und die ersten Verkaufsstände in Sicht kommen. Jetzt fällt mir auch wieder ein, dass ich seit dem Mittag im Bus nicht mehr gegessen habe. Also gibts unter einem Vordach erst einmal eine Portion Bratnudeln.
Irgendwann komme ich in einen Bereich wo die Straßen für Fahrzeuge komplett gesperrt sind. Endlich Platz zum Laufen. Von den Anderen noch immer keine Nachricht. Mittlerweile muss ich in dem Bereich wo die Leute sich das Feuerwerk anschauen angekommen sein. Einige haben es sich schon auf Decken oder Sitzen bequem gemacht. Entlang eines Flussufers stehen Absperrungen und man kommt nur mit einem Armband mit ensprechender Farbe hinein. Das scheinen wohl die besseren Plätze zu sein. Da ich weder ein Armband noch eine Ahnung habe wo die anderen sich platzieren werden, schaue ich mich nach einem trockenen Platz zum Verweilen um. Wann das Feuerwerk los geht, weiss ich auch nicht. Die entsprechende Internetseite bleibt mir wegen Überlastung eine Auskunft schuldig.

Kuschelig und Trocken unter dem Vordach. Dank meiner Größe sehe ich einfach über die Schirme hinweg.
Immer im Dienst, egal wie das Wetter ist. Stand den ganzen Abend mit Blick vom Feuerwerk abgewandt. Pflichtbewusst...

Mittlerweile ist es gut dunkel geworden und ich habe mir einen Platz unter einem Vordach gesichert. Gleich um die Ecke gibt es einen Stand um sich mit allem was man so benötigt zu versorgen. Hin und wieder knallt es und ich gehe davon aus, dass das die Vorankündigungen zum Start des Feuerwerkes sind. Mich mit den anderen noch treffen zu wollen habe ich mittlerweile abgehakt und so warte ich auf den Beginn des Feuerwerks. Lange dauert es auch nicht mehr, bis das große Geballer losgeht. Hier in Textform erklären zu wollen wie es war, wäre wohl ein recht sinnlos. Ein paar wenige Bilder habe ich gemacht. Es bringt nicht wirklich rüber wie das Feuerwerk war, aber besser als gar nichts. Das Wetter hat die Bedingungen für Fotos auch nicht gerade besser gemacht.
Puff
Peng
Plopp

Was soll ich sagen. Es war ein klasse Feuerwerk. Das Wetter war nicht besonders, aber so waren eben nicht so viele Leute da. Ich habe mir im Nachhinein noch sagen lassen, dass es nicht besonders voll war. Normalerweise wäre man wohl schon eher nicht mehr in die Bahn gekommen... Also Glück gehabt. :) Auf meinem Weg nach Hause bekomme ich dann eine Nachrict von Lisa. Offenbar war der Nachrichtenübermittlungsdienst auch zum Feuerwerk und hat hinterher erst wieder seinen Dienst aufgenommen.
Zurück zur Unterkunft nehme ich den langen Weg. Schließlich hat der Regen sich ausgeregnet und außerdem will nicht vor verschlossener Tür stehen, sollte ich schneller sein als die anderen. ;) So bekomme ich am Eisstand noch ein Eis zum Abverkaufspreis und gucke beim Löffeln der Polizei bei der Arbeit zu. Immer wieder werden Auskünfte eingeholt und Kinder eingesammelt, die allein auf der Straße unterwegs sind. Die Wache füllt sich zusehends. Als es daran geht eine Bahnstation zu finden, lasse ich mich einfach in der Masse treiben und komme irgendwann an einer Haltestelle an. Schön, wenn man Zeit hat.
Am nächsten Tag kann ich mich dann dank der Vorauskundschaftung vom Sonnabend schon nach vier Stunden für einen Laptop entscheiden... Fündig werde ich in einem der kleinen Läden. Mit Hand und Fuß kann ich auch meine Sonderwünsche (auf japanisch) kommunizieren. Der Laden ist eben 100% authentisch. Nix für den "Steuerfreieinkaufs-Touri", dafür aber mit Steuer noch bezahlbar. Bisher gibts nichts zu beklagen und das Seitebasteln oder Onlinebanking geht angenehmer von der Hand als mit dem Minidisplay und der Touch-Tastatur. Oh und dass die Apps den Schreibvortschritt beim heraus- und wieder zurückwechseln war auch ein Riesenspaß. Wer mit dem Tablet produktiv arbeiten will braucht starke Nerven.
Endlich wieder ohne Fingerbruch arbeiten. Für die Technikfreaks: Thinkpad X230 mit i5-3360
Die Maus ist aus dem Hause Logicool. Eventuell kennt der eine oder andere das Logo