Auf zu neuen Ufern (nicht ans Andere)

Tokyo und die ständige Hitze lasse ich endlich hinter mir. Ab jetzt heisst es vier Wochen Hokkaido. Das bedeutet im Schnitt 5°C weniger. :) Wer es nicht weiss: Hokkaido ist die nördlichste der japanischen Hauptinseln. Hier ist das Klima eher europäisch. Es gibt sogar richtige Winter. Aber im Moment reichen mir die milderen Temperaturen. Ganz nebenbei gibt es hier genügend Grundlage für Wanderungen und Ausflüge in die Natur. Die Nordinsel Japans ist für japanische Verhältnisse sehr dünn besiedelt und es gibt eine Menge Naturschutzgebiete. Mich zieht es hier ausnahmsweise in die Hauptstadt der Präfektur. Außerhalb wird es nämlich deutlich schwieriger eine (bezahlbare) Unterkunft zu finden.
Meine neue Bleibe ist ein Studentenwohnheim. Hier darf ich für 20 Euro pro Tag wohnen und bekomme dazu noch ein Frühstück inklusive. Ich habe ein Zimmer ganz für mich allein. Ansonsten teile mir mit den anderen das Etagenklo, sowie den Waschsaal. Aber das macht mir nichts aus. Interet gibts im Internat auch aufs Zimmer. Der Laptop freut sich. Ich freue mich über einen kleinen Tisch und einen Stuhl. Bedeutend besser als mit dem Laptop auf dem Boden herum zu hocken.

Gleich am Eingang gibts die Raucherecke und die "Kochecke" für Schnellgerichte
Immer schön an den Schuhtausch denken! Man will ja nicht unangenehm auffallen

Die Anreise geschieht via Flugzeug. Sapporo und Tokyo haben beide hervorragenden Anschluss an das "japanische Inlandsflugnetz". Wer sich wundert, dass ich mich finanziell so weit raus lehne, dem sei versichert dass der Flieger die billigsste Variante für meine weite Reise war. Ich bin auch erst davon ausgegangen, dass ich einfach einen Nachtzug oder die Fähre nehmen kann und am nächsten Tag ausgeschlafen und weniger arm an Ziel ankomme. Aber ersteres wurde vor ein paar Jahren leider abgeschafft und die Fähren verlangen im Sommer derartige Aufpreise, dass selbst ein Flug mit Übergepäck preislich nicht viel teurer ist. Abgesehen davon wäre die Fähre gute 19 Stunden unterwegs (ohne Transfer zum und vom Hafen). Noch ein Vorteil beim Flieger: Hier darf ich mir sogar den Platz am Notausgang für nur 20 Euro mehr zubuchen. Nachteilig wäre noch zu erwähnen, dass ich mit meinem dicken Gepäck gut zuzahlen durfte. Eigentlich wäre das moderat ausgefallen, hätte ich mich bei der Gewichtsschätzung vorher nicht um 11kg vertan. :( Am Checkin darf man jedes Kilo was vorher nicht angegeben wurde mit 800 Yen abgelten... Zum Schluss noch die Anmerkung, dass der berühmte Shinkansen mich sicher auch innerhalb eines Tages an mein Ziel gebracht hätte, aber das wollte ich mir nicht leisten.
So komme ich schon nach einem halben Tag am Ziel an und finde auch sogleich meine neue Bleibe. Das Wohnheim befindet sich nämlich gleich gegenüber der Bahnstation. Mit nähe zum Schienenverkehr habe ich ja zum Glück keine Probleme. Die Station "Oasa" wird immer wieder mit "Gras" übersetzt. Passt ja zum Studentendasein denke ich mir, gerochen habe ich derartiges hier nie. - Mein Host erwartet mich schon in der "Lobby" und führt mich gleich auf mein Zimmer. Er zeigt mir alles wichtige. Sogar einen eigenen Waschsalon gibt es. Sehr bequem. Ich erkundige mich noch wo ich Einkaufen kann und erfahre, dass es alles in der Nähe gibt. Sogar ein Zahnartz residiert gleich im Nachbargebäude... ;)
Was habe ich hier für schöne Stunden verlebt...
Hätte ich besser mal gelesen: Wohnheimaushang

Die Umkleide mit den Ablagefächern für die Klamotten und Handtuch
Bissel wie auf Arbeit, nur anders. Die Wanne ist sonst voll. Hätte ich nur mal den Aushang studiert...

Sehr bequem, dass es alles im Haus gibt. Die Trockner sind auch nicht weit
Hier kann man Speisen oder bei nem Glas Tee sitzen und Hausaufgaben machen

"Kochecke" im Vorraum zur Toilette
Blankgebohnert. Der Gang auf meiner Etage

Zu den Bildern noch ein paar Erläuterungen: Der Aushang hat es lange vorhergesagt und ich hab es nie gelesen (verstanden). Ab Mitte August schließt die Mensa wegen Ferien. Dass diese am Sonntag nich öffnet wusste ich ja. Aber was bin ich morgens aufgestanden um grad noch das Frühstück (von 7:30 - 9:30) zu schaffen und dann war da nichts... außer Frust. Das gleiche trifft leider für die "Badewanne" in der Dusche zu. Sonst ist die nur Sonntags geleert worden. In den Ferien bleibt sie die ganze Zeit leer. Schade. Was war das bequem, wenn man nach dem Duschen einfach noch mal ein paar Minuten in einer schönen großen Wanne entspannen konnte. Die Dusche hat übrigens von 19:30 bis 1:00 Uhr geöffnet. Man glaubt gar nicht was da kurz vor eins noch für ein Betrieb ist. ;)
Zur Waschecke nebst Kochplatte bei der Toilette sei noch gesagt, dass man da für 30 Yen 15 Minuten Gas bekommt und kochen kann. Da ich kein Kochgeschirr mit mir führe ist die Kochecke nix für mich. Interessant ist hier noch die Anbringung der Steckdosen gleich über den Waschbecken. Natürlich sind die alle ohne Schutzleiter, wie fast überall in Japan.
Auf dem Gang sind die Türen zu den Zimmern der anderen Mitbewohner oft nicht mal ganz geschlossen. So scheint die frische Luft besser ins Fenster zu ziehen. Man könnte also jederzeit einfach mal vorbeischauen. Abzuschliessen scheinen die Japaner auch nur, wenn sie die Zimmer für längere Zeit verlassen, mal vom Kram der auf dem Gang steht abgesehen. Schuhe, Schirme und Fahrräder scheint in Japan niemand zu klauen. :)
Mein erster Ausflug führt mich am Abend in die Innenstadt. Dauert ja nur eine viertel Stunde mit der Bahn. Nachdem ich meinem Laptop ein wenig Zubehör besorgt habe, geht es noch in ein Lokal, dass eine breite Auswahl an Speisen von der heissen Platte bietet. Soll heißen jeder Tisch hat eine eigene Platte. Dass man seine Speisen darauf selber zubereiten (können) muss, erfahre ich praktischer Weise erst als ich meine Bestellung bekomme. :) Der Kellner fragt mich, ob ich das schon mal gemacht habe. Da ich zumindest schon mal gesehen habe wie das Ganze von statten geht, will ich ihn nicht gar so ängstigen und bejahe die Frage. Nach ein wenig Umschauen und Erkunden was all die Zutaten sein könnten, finde ich sogar eine englische Anleitung, die mir alles Nötige in einfachen Schritten erklärt.
Nachdem ich alle Zutaten "verbraten" habe und das Endergebnis nicht wirklich dem entspricht was ich sonst auf den Teller bekomme, wenn ich Okunomiaki bestelle, begnüge ich mich mit der Erkenntnis, dass zumindest die Zutaten die selben sind und die Unterschiede nur optischer Natur sind. Das Auge isst heute mal auswärts. Leider habe ich keine Bilder gemacht. Aber ich habe mir fest vorgenommen noch einen Anlauf zu starten. Bilder werden also nachgereicht.