Das hat aber gedauert...

Da bin ich wieder. Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich mich mal wieder zu einem Eintrag überwinden können. Es liegt allerdings nur zum Teil an mir, dass es so lange gedauert hat... Aber dazu gleich mehr.
Mittlerweile ist der September Vergangenheit und ich hänge mit meinem Tagebuch noch immer im August. Ich hatte den gesamten September über gut zu tun. Anfang September habe ich die Art und Weise wie ich Japan erleben will drastisch umgestellt. Das lief folgendermaßen...

War's das schon?

Ende August lief mein Aufenthalt in Sapporo aus und nach vier Wochen Wohnheim ohne großartigen Kontakt zu anderen Menschen abseits von Restaurantbestellungen und meinen Zahnarztbesuchen war mir schon ein wenig die Lust an Japan vergangen. "Rumgammeln kann ich auch zu Hause" dachte ich mir. Keine guten Aussichten auf ein erfülltes Auszeiterlebnis, wenn grad mal zwei Monate vergangen sind... Etwas neues musste her. Nach reichlich Grübeln und Suchen im Internet fiel mir wieder ein, dass ich doch daheim schon auf so eine Plattform im Internet gestossen bin, wo arbeitswillige Reisende mit schmalem Budget einen Host (Gastgeber) finden können, der ihnen für die geleistete Arbeit Unterkunft und Verpflegung anbietet (nennt sich WWOOF - "World-Wide Opportunities on Organic Farms" erklärt mir Wikipedia). Die Plattform spricht von täglich ca. sechs Stunden Arbeit und einem freien Tag pro Woche. Klingt fair, meiner Ansicht nach. Erster Schritt war anmelden. Ein Jahr Mitgliedschaft kostet schlappe 5000 Yen. Zahlbar per Kreditkarte (Paypal - hab ich nicht). Alternativen neben Paypal gibts viele, überweisung geht auch. Nett. Also auf ins Onlinebanking. Erstes Problem: Ich soll nach Australien überweisen... Macht ja nix, gibt ja BIC und Co. Meine Bank sieht das anders. Um ins nichteuropäische Ausland zu überweisen muss ich einen Antrag stellen - schriftlich, so richtig mit Papier und zur Filiale gehen... Also wieder etwas was ich Abhaken kann und noch immer keine Mitgliedschaft. Aber die Liste der Zahlmethoden ist lang. Da ich mich in Japan aufhalte, kann ich auch per Post überweisen. Die schicken da kein Bargeld in Briefen umher, sondern bieten schlicht ebenfalls Bankingdienste an. Also alle Daten notiert und auf zur nächsten Postfiliale. Deren Netz ist zum Glück recht dicht und ich muss nicht weit laufen. Die freundliche Dame am Schalter erkennt dank meiner Notiz mit der Kontonummer des Empfängers gleich was ich von ihr will und ich bekomme einen Überweisungsschein ausgehändigt. Ganz klassisch zum Ausfüllen mit Stift auf Papier. Was freue ich mich, dass ich meine Adresse komplett in Schriftzeichen aufschreiben darf... Wenigstens kann sie alles lesen und Hilfe beim Ausfüllen bekomme ich auch. Als das "Kreuzworträtsel" komplettiert ist, werde ich vor die Wahl gestellt den Vorgang selbst am Automaten auszuführen oder (gegen eine geringe Gebühr) die Dame am Schalter die Arbeit machen zu lassen. Bei der Vostellung alle Kanji selbst eingeben zu müssen, wofür ich deren korrekte Lesung kennen müsste, ist die Wahl schnell getroffen und die paar hundert Yen sind gut angelegtes Geld. Damit ist das lästige Thema Überweisung im Ausland von Tisch und ich kann mich wieder dem eigentlichen Problem widmen. Da die Post Freitags meine Überweisung entgegennimmt, diese aber erst Anfang nächster Woche eingehen wird, darf ich die Plattform bis dahin nur eingeschränkt nutzen. - Soll heissen, ich darf Hosts suchen, aber nicht kontaktieren. Aber der Part mit der Suche ist sowieso der langwierigste. Wer die Wahl hat, hat die Qual...
Ein paar Impressionen, was so zur Wahl steht: Vielerorts wird man zur Arbeit auf Farmen herangezogen. Zum Glück gibt es eine Bewertungsecke wo man lesen kann was die Gäste so von den Gastgebern halten um nicht gar so sehr auf Sklaventreiber hereinzufallen. Farmen sind ja oft im Nirgendwo auf dem Land und man ist vollends dem Wohlwollen des Gastgebers ausgesetzt - also bis der nächste Bus kommt... Abseits der Farmarbeit finde ich noch Forstarbeit, Arbeit in Cafes oder Herbergen sowie Arbeit bei Familien, die sich gerade eine eigene Existenz aufbauen (Hausbau usw.). Interessant klang auch ein Inserat eines Outdoor-Tourenanbieters in Hokkaido, der Hilfe beim Finden von Bären brauchte... Von einem Imker bekam ich eine Absage. Schade. Da ich mir den Rücken nicht auf irgendeinem Acker krummarbeiten will, suche ich nach anderweitigen Angeboten. Bis zur Freischaltung habe ich auf meiner Liste (in der gennanten Reihenfolge absteigend in der Priorität) einen Zimmermann, eine Familie die Englischstunden im Communitycenter gibt, einen Forstbetrieb mit Hostel mitten im Nirgendwo und eine gut bewertete Farm. Nach ein paar Tagen und Nachrichten steht fest, dass mich alle gern hätten. Selbst die "Englischschule" meldet sich nach erster Absage mit "Ich würde dich doch gern nehmen. Ich bin an dir als Person sehr interessiert." Mein Profil scheint schon mal ansprechend zu sein. :) Da der Zimmermann auf der Liste ganz oben steht, nehme ich seine Zusage an und danke allen anderen für ihre Angebote. Ich halte mir einen Besuch zu späterer Zeit offen. Der nächste Winter kommt ja sicher.
Aber nun geht es erst einmal für vier Wochen in ein kleines Dorf das Miyama heisst, in einer Präfektur namens Nantan (nördlich von Kyoto). Der Flug da hin ist schnell gebucht und die Aufregung steigt. Schliesslich weiss ich außer den Standardinformationen aus dem Forum nichts über meinen Gastgeber und WWOOFe zum ersten Mal.
Den nächsten Tag verbringe ich bis in die Abendstunden damit an mein Ziel zu gelangen. Der Flieger hat mich zwar schon am frühen Nachmittag in Osaka abgesetzt, aber die Reise in die Provinz verläuft in einem ruhigeren Tempo. Als der Bummelzug mich irgendwann gegen fünf an der letzten Haltestelle rausschmeisst, entnehme ich dem Fahrplan, dass der nächste (und letzte Bus) in einer Stunde abfährt. Genug Zeit den richtigen "Bussteig" zu finden. Da hier nichts mehr in englischer Sprache ausgewiesen wird, suche ich eine Weile und vergleiche Zeichen für Zeichen. Da es mehrere Möglichkeiten gibt, vergewissere ich mich, indem ich einen Busfahrer frage. Der bedient zwar eine andere Linie, ist aber so freundlich und fragt sogar telefonisch für mich nach, ob die Linie die ich nehmen muss heute auch bedient wird, nachdem wir den korrekten Bushalt gefunden haben. Alsbald habe ich Gewissheit, dass der Bus heute auch fährt und ich erfahre, dass ich umsteigen muss um zu meiner Zielhaltestelle zu gelangen. Am Ende klappt alles ganz gut. Der Busfahrer weiss wann ich umsteigen muss und ich kann mich voll und ganz darauf konzentrieren mit meinen zwei Gepäckstücken im kleinen Regionalbus alles zu verstopfen. Sehr peinlich, aber was kann ich dafür, dass die Japaner so winzige Busse bauen... Am Ziel angekommen krame ich nach meiner Kopflampe, denn fünf Minuten Fussweg sind es noch bis zum Ziel - und in Japan wirds irgendwie immer schon um 6 dunkel. Ich will gerade das Licht einschalten, da werde ich gefragt ob ich der neue WWOOFer bin... Ich werde mit dem Auto abgeholt. :) Also zwänge ich ein zweites mal meine Taschen in einen kleinen Bus. Mein Host stellt sich während der Fahrt kurz auf Englisch vor. Nach einer Minute Fahrt sind wir auch schon an seinem traditionell japanisch gehaltenen Haus angekommen. Ich erhalte eine Schnelleinweisung in die wichtigsten Gegebenheiten auf Englisch, denn man ist in Eile. Termine warten. So sehe ich kurz meinen Host, seine Assistentin und einen weiteren Gast, bevor ich allein gelassen werde. :) Zum Glück gibts was warmes zu Essen und ich erfahre wo ich mich waschen und wo ich schlafen darf. So tue ich wie mir geheissen und gehe nach dem (Ab-)wasch früh zu Bett. Die lange Reise hat geschlaucht und außer mir ist ja doch keiner da. Ich werde nur noch einmal kurz geweckt, als der andere Gast die Hütte betritt, die wir uns die nächsten Wochen teilen werden. Die Schiebetür unserer Hütte ist Einbrechersicher. Lautlos in die Hütte schleichen ist nicht. Die scheppert so laut, weil sie mehr Klemmt als zu Gleiten... :)

Es wird ernst

Am nächsten Morgen wird um sieben geweckt. Früstück muss auf den Tisch! Die erste meiner täglichen Pflichten von nun an. Zum Glück ist das Frühstück schnell vorbereitet: Wasser kochen für Tee, den fertigen Reis aus dem Reiskocher in Schüsseln portionieren und Natto (fermentierete Bohnen, deren Geschmack mich an den Geruch von Harzer Käse erinnert) für alle aus dem Kühlschrank holen. Mehr ist es nicht. So beginnt damit auch meine vierwöchige Natto-Reis-Diät. Weil jeden Tag Natto auch dem Normaljapaner irgendwann langweilig wird, gibts auf für die Feinschmecker ein rohes Ei mit rein. Ich lehne dankend ab. Beim Reis wird ebenfalls noch einer oben drauf gesetzt. Es gibt "Genmai" - braunen Reis, der noch einen Grossteil dessen behält (Teile der Schale und den Keim), was dem weissen, quasi auf den Stärkekern herunterpolierten, Reis fehlt. Mehr Mineralien, aber auch mehr Aufwand bei der Zubereitung. Nicht, dass man da nun besonders aufpassen muss beim Kochen, nein das macht der Reiskocher, aber man muss den Reis vor dem Kochen 6 - 12 Stunden im Wasser einweichen lassen. So wie ich das verstanden habe werden dabei "giftige" Inhaltsstoffe gelöst... Die Kunst besteht also darin immer früh genug an die nächste Reismahlzeit zu denken - und die sind drei mal am Tag der Fall. Zum Glück ermöglicht es der Reiskocher, dass man einmal für den kompletten Tag Reis kochen und dann zu allen drei Mahlzeiten warmen Reis entnehmen kann. Der hält gut warm ohne den Reis auszutrocknen. :) Übrigens ist Genmai bei den meissten Japanern nicht sonderlich beliebt. Alle reden immer darüber als wäre es mehr notwendiges Übel, als lecker. Weisser Reis ist eben schmackhafter und leichter bekömmlich. Ich hadere eher mit dem Natto - esse es aber trotzdem jeden Morgen.
Morgendliche Frühstücksaussicht
Gemeinschaftsraum klassisch japanisch

Nach dem Frühstück wird Geschirr gespült und es werden Reisbällchen (Nigiri) für die Kollegen die zum Mittag nicht rein kommen vorbereitet. Es ist eine wahre Freude, den heissen Reis in den Händen zu formen. Da beeilt man sich von ganz allein. Es muss eh alles schnell gehen, denn halb 8 soll ich umgezogen zur Arbeit bereit stehen.
Da ich noch immer nicht weiss was mich erwartet, bereite ich mich auf einen vollen Tag draussen vor. Schliesslich baut mein Host ja Häuser aus Holz - meisstens draussen - und die Sonne scheint als wäre Hochsommer. Also Sonnenschutz, lange und kurze Klamotten, eine Flasche Wasser. Als Arbeitshosen müssen ab sofort meine Wanderhosen herhalten. Zu glauben mein japanischer Host hätte Arbeitssachen in meiner Grösse für mich da, wäre wohl genau so realistisch wie die Vorstellung, dass ich hier vier Wochen all-inklusive-Urlaub machen könnte...
Als ich meine Arbeit für den Tag zugewiesen bekomme ist klar: ich werde heute keine Häuser bauen. Ich bleibe auf dem Betriebsgelände. Dieses besteht neben den drei Hütten für die Gäste, einem Gemeinschaftshaus mit Cafe und Büro, sowie dem Wohnhaus des Chefs, aus jeder Menge gelagertem Holz, einem Stellplatz für Arbeitsmaschinen und einer Art offenen Werkstatt mit einer großen Bandsäge für Stämme. Hier darf ich ein paar der bereits ihrer Äste beraubten und auf 4m gekürzten Baumstämme grob entrinden, bevor diese in der Bandsäge mit viel Getöse zu Brettern und Sägemehl verarbeitet werden. Ich sehe zu wie der andere Gast an der Säge eingewiesen wird und lerne sogleich worauf man alles achten muss - also ich sehe und verstehe - Fachjapanisch ist dem Fachchinesich sehr ähnlich... Als ich genug gesehen habe und mein Chef zurück ist, bekomme ich eine eigene Arbeit zugewiesen. Im weitesten Sinne ist es für mich nicht mal eine fachfremde Arbeit. Ich soll das Hauseigene "Wasserkraftwerk" erneuern. Dabei handelt es sich um eine Eigenkonstruktion des Hausherrn, welche im Bewässerungskanal vor dem Haus versenkt wird und dann dem Wasser an die 60W Energie abringt. Also nichts zu grosses. Meine Aufgabe ist es die Schaufelräder mit einem neuen Material zu bespannen. Das bisherige Material hängt nur noch in Fetzen an der Unterkonstruktion. Später erfahre ich, dass das Kraftwerk Ende der Woche von einem Fernsehteam in Augenschein genommen werden soll. Also besser sorfältig arbeiten... So verbringe ich meine ersten beiden Arbeitstage mit diesem interessanten Projekt.
Frisch bespannt mit transparentem Klebeband - welches nicht lang halten wird... :(

Ein Arbeitstag dauert bis halb 6 und wird von 2 kleinen Pausen und einer einstündigen Mittagspause unterbrochen. Mittag ist immer 12 Uhr, wenn im Ort die Sirenen aufheulen. Die Japaner lieben ihre Sirenen. Besonders auf dem Land wird man damit an den Tagesablauf erinnert. Gegen 5 Uhr Abends dudelt hier eine "Feierabendmelodie". Wenn hier zum Mittag was brennt machen sicher alle erst mal Pause. :) Aber hat alles seine Daseinsberechtigung. Die Lautsprecher sind in Katastropehengebeutelten Regionen wie Japan sinnvoll. Durchsagen, die vor dem nächsten Taifun oder einem Tsunami unabhängig von anfälligen Medien warnen braucht es.
Das Mittag- und Abendessen bereiten natürlich auch die Gastarbeiter zu. Mittags sind meisst die Rester vom Abendessen des Vortages fälllig. Weniger Arbeit am Herd, mehr Pause. Wenn nichts übrig war, gibts wieder Reis mit Natto. Also abends immer schön viel kochen. ;) Abgesehen davon gibt es noch mehr Dinge um die ich mich täglich kümmern darf - schon im eigenen Interesse. Warmes Wasser zum Duschen oder Baden gibts nämlich nur, wenn der Boiler angeheizt wurde. Das ist eine der ersten Arbeiten nach "Feierabend". Mich freut es, wenn ich ein schönes, großes Feuer machen darf. Ist das Wasser warm, wird im Badekessel das Wasser gewechselt, nachdem dieser geleert, geschrubbt und gespült wurde. Badewanne kann man es nicht nennen, weils wirklich ein grosser gusseiserner Kessel ist, in den man sich hineinhocken kann. Man kann sogar ein Feuer darunter machen. Zur Not kann man hier also auch für eine ganze Kompanie Kesselgulasch zubereiten...
Richtig Feierabend ist dann nach dem gemeinsamen Abendessen mit dem Host - nachdem der Abwasch durch ist. Zum Essen gibts aber immer schon mal einen Sake oder andere Spirituosen. Mein Chef, Oseki-san trinkt abends gerne einen Hochprozenter, mit Wasser verdünnt und mit Eis aus einem 0,4er Glas und lädt zum Mittrinken ein. Er ist erfreut, dass ich sein Angebot annehme, wundert sich aber, dass ich meinen Whisky nur mit Eis und ohne Wasser trinke. :) Nach ein paar Tagen bekomme ich meine eigene Sakeflasche als Ration für die vier Wochen geschenkt. Es ist eine 2l-Flasche mit 25%igem Reiswein.
Feierabend...

Wenn man gut zu tun hat, gehen die Tage schnell vorbei. Meine "Freizeit" verbringe ich am liebsten mit Schlafen und die Arbeiten werden von Tag zu Tag anspruchsvoller - geistig wie körperlich. So arbeite ich mich vom Ausbessern des Generators über Rasenmäharbeiten mit der Motorsense (Hoho!) zu den Arbeiten an Holz hoch. Was ich mir ebenfalls Schritt für Schritt aneigne, sind die Namen meiner Kollegen und Mitmenschen im näheren Umfeld. Natürlich stellen sich alle vor und ich erfahre ihre Namen, aber irgendwie fällt es mir bei japanischen Namen doppelt schwer sie nicht zu vergessen. Da man sich nicht mit "du" oder "sie", sodern stets mit dem Namen anspricht, wirds aber bei den meissten nach einem Tag Zusammenarbeit. :)
Nach der ersten Arbeitswoche habe ich am Sonntag meinen ersten freien Tag. Nachdem ich mal ausschlafen konnte, will ich die Gegend erkunden. Im Ort gibt es außer einem Gemischtwarenladen nicht viel zu sehen. Wandern kann man zwar, aber die umliegenden Berge werden alle für Holz bewirtschaftet. Das ist alles mehr oder weniger Privatland. Also frage ich Ryoko-san, die Assistentin vom Chef, die irgendwie immer im Büro ist (auch Sonntags), was man hier noch so sehen kann. Da sie sehr gut Englisch spricht, kann sie mir eine Wegbeschreibung zum nächstgrößeren Ort geben, wo es sogar einen richtigen Supermarkt geben soll. Damit ich nicht laufen muss, darf ich eines der Mountainbikes nutzen, die sonst als Fortbewegungsmittel für die Waldarbeiter auf dem Berg genutzt werden. Das grössere von beiden ist noch immer zu klein für mich, aber immer noch besser als Laufen. :) So kann ich zum ersten Mal am japanischen Linksverkehr teilnehmen und ein wenig für später üben. Schon komisch, wenn man beim rechts Abbiegen auf den Gegenverkehr aufpassen muss oder man immer erst mal zur falschen Seite schaut, wenn man die Straße überqueren will. Die hälfte der Strecke kann ich über kleine Strassen zurücklegen. Diese bieten wenig bis keinen Verkehr und beste Aussicht auf das Dorfleben. Die Strecke führt mich immer im Tal entlang. Eingeschlossen in Berge zu beiden Seiten wird das Tal ausgefüllt mit Feldern und vereinzelt ein paar Häusern. Neben wenigen Obstbäumen werden hier nur Reis oder Zwiebeln im großen Stil angebaut. Eine Menge Zwiebeln. Man nimmt es im Vorbeifahren deutlich wahr. :) Am Ausflugsziel angekommen ist der "Supermarkt" nicht mehr als ein kleiner Landmarkt, der regoinale Produkte anbietet. Gegenüber gibts frische Milch aus der Region und Eis. Der große Parkplatz lockt eine Menge Biker an - größtenteils die motorisierten. Von der Rennmaschine, über Harley bis zum Tuktuk ist hier alles vertreten. :) Man Rastet und zeigt was man hat. Sonntags haben selbst die Japaner mal Freizeit.
Fährt so durch Japan...
Das Dutzend im Netz. Wieso auch nicht

In der kommenden Arbeitswoche darf ich zum ersten mal mit einem der Bagger arbeiten. Zwar geht es nur darum den Arm selbst wieder anzuheben, nachdem er sich abgesenkt hat, weil die Last, die daran hängt ihn stetig nach unten zieht, während ich daran (und darunter) arbeite... Aber immerhin weiss ich nun wie man die Maschine startet und bewegt. Mein Können als Baggerfahrer darf ich bald unter Beweis stellen, als ich das erste mal mit den Kollegen auf dem Berg arbeite. Geschlagenes Holz liegt lose am Wegesrand und muss verladen werden. Die 4m langen Stämme (schon auf Maß geschnitten) von Hand zu verladen wäre im bergigen Gelände ein Unding. Also darf einer den Bagger bedienen, wärend der andere die Zange an den Stämmen ansetzt. Dabei sollte man günstigerweise den Schwerpunkt erwischen, damit nach dem Anheben auch der komplette Stamm in der Luft hängt und nicht nur ein Ende. ;) Der Baggerfahrer darf dann mit dem Stamm "an der Angel" beweisen, dass er diesen möglichst ohne Kollisionen auf den Transporter laden kann. Man kann schon beim Anheben viel falsch machen und manchmal sollte man es tunlichst vermeiden den Hebel in die falsche Richtung zu drücken, führt doch immer einer der Kollegen den Stamm, da dieser sonst unkontrolliert ein der Gegend herumrotieren würde. Ich hab nie gegelaubt wie gefühlvoll man den Bagger bedienen kann und muss. Bei den Profis sehen die Bewegungen immer so flüssig aus. Wenn ich einen Stamm unsanft anhebe fängt der Bagger fast an zu Springen, genau wie der arme Kollege der den Stamm führt... :) Aber Übung macht den Meister - und dazu bekomme ich genügend Gelegenheiten. Im laufe der Zeit bin ich mit jedem der drei Bagger gefahren und hab so dies und das damit durch die Gegend befördert. Eine Herausforderung war es immer wieder die breiten Maschinen auf den schmalen Waldwegen den Berg hoch und runter zu bewegen. Da sind 6km/h auf einmal wirklich schnell, wenn man sich beim "Lenken" im Hebel vergreift... Das passiert schneller als man denkt, wenn man den Bagger mal vorwärts und mal rückwärts fährt. An den Kurven der Serpentinen wird nämlich nur der obere Teil des Baggers gedreht und die Ketten bleiben nahezu gleich ausgerichtet. (Fahrtrichtung korrigieren ist erlaubt) In den Kurven wenden ist für die Kettenfahrzeuge verboten, da diese den Waldweg zu sehr aufwühlen würden.
Mit den benzinbetriebenen Werkzeugen durfte ich ebenfalls Freundschaft schliessen. Mal wurde einfach nur Kaminholz benötigt, ein ander mal wurde mit der Kettensäge regelrecht geschnitzt, wenn ein Stamm eine passende Rundung am Ende brauchte um als Stütze zu dienen. Alles in Allem ein richtiger Männerspielplatz, dieser Zimmermannsbetrieb. Jeden Tag darf ich wo anders ranklotzen, große Maschinen oder gefährliche Werkzeuge benutzen. Aus einem Stamm wird so in kürzester Zeit ein Brett und anschließend ein Mäbelstück. Am meisten Spaß hat es in der Tat gemacht, wenn am Ende des Tages was da stand und auch stehen blieb, was am Tag zuvor noch ein schnöder Haufen Stämme auf dem Holzplatz war. Nach so einem Tag fällt man abends nicht nur müde, sondern auch zufrieden ins Bett. Das ist bei weitem besser als tagelanges Rumgammeln. :D

Der Rasenmähermann

Eine meiner ersten Arbeiten in Miyama ist es den Rasen um das Haus und das kleine Reisfeld zu kürzen. Ich werde kurz von einem Kollegen in die Handhabung der Motorsense eingewiesen und nach einer Runde über das Gelände weiss ich was alles stehen bleiben muss und was weg kann. Ich bekomme einen "Lendenschurz" und ein "Fliegengitter" fürs Gesicht. Der Lendenschurz soll eigentlich meine Beine schützen, tut das aber nur oben herum da dessen Länge ist für Japaner bemessen ist. So sehe ich nach kurzer Zeit herrlich grün aus. Meine braune Outdoorhose ist zum Glück recht Fleckenresisitent durch die Beschichtung die eigentlich Wasser abhalten soll. Nach dem Waschen war sie wieder braun. :)
Die Wiese lebt. Und in Japan leben teils ganz andere Wiesenbewohner. Dass man in der Nähe von Teichen immer mal einen Frosch antrifft ist ja nichts ungewöhnliches, aber hier treiben sich massenweise kleine rote Krebse herum. Anfangs denke ich noch ich habe etwas total seltenes gefunden und passe tierisch auf, dass ich nicht aus Versehen drauf trete. Über den Tag begegnen mir die kleinen Scherenträger immer wieder. Zum Glück halten sich diese so nah am Boden auf, dass ich über sie hinweg sense. Dafür fühle ich mich immer wieder schuldig, wenn ich einen Schritt mache und etwas knirscht unter dem Schuh. Ansonsten treffe ich noch ein paar Reptilien an, darunter auch eine (giftige?) Schlange. Zum Glück erwische ich sie nicht mit der Sense und sie hat genau so wenig Interesse an Kontrontation wie ich. Sie schlängelt unter eines der dickeren Gewächse, das ich sowieso nicht umgesenst bekomme. Auch immer wieder schön sind die Begegnungen mit den Gottesanbeterinnen. Die kenne ich ja bisher nur aus dem Zoo(laden). Man denkt ja an nichts böses, wenn was am Bein Krabbelt. Sicher nur ein Grashalm oder so. Da ist die Überraschung groß, wenn man ein Insekt dieses Formates vorfindet. Ich mag solche Überraschungen gar nicht. :/
Ansonsten hat es die Arbeit mit der Motorsense schon in sich. Vor allem wenn man am Hang arbeitet oder man entlang eines Zaunes mähen darf. Der Zaun um das Reisfeld ist leider nur so ein Netz, welches mit Schnüren an Stangen befestigt ist. Da frist die Sense, wenn sie einmal Geschmack an der Schnur gefunden hat, munter in den Zaun hinein und ich hab Not sie daran zu hindern. :) Zum Glück passiert das nur einmal und der Schaden hält sich in Grenzen. Abgesehen davon, dass man sich wunderbar die Arme grün macht, wenn man kurzärmelig trägt (weil es warm ist), bin ich froh dass ich mir von zu Hause eine Packung Ohrenstöpsel mitgenommen habe. Nach einem vollen Tag Arbeit mit der Sense brummt sonst der Schädel auch hinterher noch weiter. Kein Wunder, wenn man dann nur noch "Hoho!" macht... Respekt vor denen, die das täglich machen.

Stürmische Nächte auf der Hütte

Zum zweiten Wochende in Miyama kündigt sich einer der im Herbst in Japan üblichen Taifune an. Ich darf zum Sonnabend, nachdem alles wetterfest gemacht ist, eher Feierabend machen. Das Wetter ist zwar nicht für Ausflüge geeignet, aber Freizeit ist immer willkommen. So backe ich zur Abwechslung und zur Freude aller einen Kuchen im Holzbakofen.
Wie ist das wenn ein so Herbststurm anrollt? Der gemeine Taifun kommt immer vom offenen Meer herangerollt und sammelt dort Kraft. Die meissten kennen sicher den "Hurricane", den die Amerikaner so fürchten. Ein Taifun ist dem ähnlich. Ein großer Wirbelwind, der von Meer herüberrollt und eine Menge Wasser mit sich bringt. Interessanterweise wird der Sturm stärker, wenn er auf das Festland trifft. Dort kündigt er sich übrigens schon an die drei Tage zuvor mit Dauerregen an. Der Regen wird immer stärker, wie auch der Wind. Befindet man sich im dierekten Einflussbereich des Sturmes bekommt man das volle Sturmerlebnis geboten. Das Paket besteht aus Gewittern, Starkregen und Windgeschwindigkeiten bei denen man nicht vor die Tür gehen will.
Hier nun mein persönlicher Eindruck: Da der Sturm zum Sonntag Abend gegen 9 Uhr unsere Region treffen wird, sehe ich zu dass ich rechtzeitig fertig bin mit Duschen und sonst alle Wege erledige, sodass ich meine Hütte bis zum nächsten Morgen nicht mehr verlassen muss. In der Voraussicht, dass es eine unruhige Nacht wird bette ich mich rechtzeitig um ein wenig Schlaf zu bekommen, bevor es haarig wird. Die Fenster und die Tür scheppern auch jetzt schon laut genug im Wind. Irgendwann finde ich dennoch Schlaf...
Meine Bleibe
links: drei Hütten für Gäste, rechts: Wohnhaus von Oseki-san

Geweckt werde ich erst, als meine Hütte das erste mal einen Satz macht. Da ich im Prinzip auf dem Boden schlafe, spüre ich jede kleine Bewegung im Gebälk. Das macht das Erlebnis Sturm natürlich noch intensiver. Jedes mal, wenn eine Böe die Hütte erfasst fühlt es sich an als würde ich gleich samt meiner Behausung abheben. :) Das mit dem Sturm einhergehende Gewitter tobt draußen auch schon kräftig. Der Regen kommt nicht mehr nur von oben sondern abwechselnd von allen Seiten. Trotz des Lärmes und der Rüttelei durch den Wind versuche ich weiter zu schlafen. Hin und wieder wache ich auf, stelle aber nach einem kurzen Check fest, dass sich die Hütte noch auf festem Boden befdindet.
Gegen 1 Uhr morgens ist der Sturm am stärksten. Ich strecke kurz meine Hand aus und taste die dem Wetter zugewandte Wand ab, da der Regen schon recht hart gegen die Bretter drischt. Ein wenig feucht sind sie schon. Als ich den Boden neben meinem Futon abtaste finde ich mehr als nur ein wenig Feuchtigkeit vor. Da die Pfütze nicht warm ist, kann es sich nur um Regenwasser handeln. Zeit das Licht einzuschalten und nachzusehen wie schlimm es ist. Zu meiner Überraschung funktioniert das Licht noch. Die Steckdose Draußen scheint auf der Windabgewandten Seite überlebt zu haben. Im Schein der Lampe sehe ich wie sich das Regenwasser einen Weg duch die Fugen bahnt und die Pfütze am Kopfende meines Nachtlagers immer größer wird. Zeit meine Habseligkeiten zu sichern und eines der Handtücher zu opfern...
Außer des kleinen Wassereinbruches erleiden die Hütte (und meine Wenigkeit) keine weiteren Schäden. Der Sturm hat sich am Montag morgen verzogen und was bleibt ist der Regen danach, welcher erfahrungsgemäß bald verschwindet. Der Sturm lässt hinter sich kein Wasser für Wolken übrig. Schönes Wetter steht in Aussicht. Der Wind bleibt noch eine Weile...
Die Japaner sehen das Eintreffen eines Taifuns übrigens relativ "gelassen". Man bereitet sich vor und man baut von vornherein Wind und Wetterfeste Häuser. (Nicht so wie die Häuser in Amerika, wo nach jedem Sturm der Schaden und das Gejammer groß sind. - Vielleicht sind Hurricanes auch schlimmer?) Die Medien berichten hier jedenfalls ausführlich über die aktuelle Entwicklung und auch die Lautsprecheranlagen in der Gemeinde warnen mehrmals täglich ab wann man besser nicht mehr vor die Tür gehen sollte, wenn man denn japanisch spricht. ;)
Natürlich gehen dennoch hier und da ein paar Stromleitungen zu Bruch oder der Sturm fällt ein paar Baumreihen. Allerdings machen sich die Japaner schnell an die Beseitigung der Sturmschäden und bald geht wieder alles seinen geregelten Gang. Der nächste Taifun kommt bestimmt.
Zusatzinfo: Nach meiner Pilgerreise komme ich zurück nach Miyama um mein Gepäck abzuholen. Da erfahre ich, dass der Taifun - den ich in Shikoku sicher untergebracht im Hotel verbracht habe - hier das zum trocknen aufgestapelte Brennholz umgeschichtet hat. Die Häuser hats aber nicht zerlegt. Der Taifun Nr. 29 im Oktober war übrigens der stärkste bisher...

Komm' ich jetz ins Fernsehn?

Kurz gesagt: Ja.
Ausführlicher: Das Lokalfernsehen meldet sich regelmäßig bei Ozeki-sans Firma und dreht zu verschiedensten Themen Beiträge. Mal wird gezeigt wie bei ihm aus ein paar Stämmen ein Haus wird, mal wie er mit seinem Miniaturkraftwerk Strom gewinnt. Oft werden auch die Schulkinder oder andere Menschen aus der Region mit eingebunden, wenn zum Beispiel auf dem Feld vor dem Haus von Hand Reis angepflanzt wird. Das ganze soll die ländliche Region um Miyama und das traditionelle Handwerk bewerben. Ich habe im japanischen Fernsehen oft gesehen wie bekannte TV-Größen einen Ausflug in ländliche Regionen machen, um ein traditionell hergestelltes Produkt oder ein Ausflugsziel zu bewerben. Hier scheint es eine ganze Serie zu sein. Immer wieder kommen zwei Komiker vorbei um über das Jahr verteilt bestimmte Events für neue Beiträge zu verarbeiten. Einige der Betträge habe ich mir schon anschauen dürfen. Der Sender schickt jedes mal nach Ausstrahlung auch eine DVD mit dem neuen Beitrag nach Miyama.
Ich habe nun das Glück bei der Ernte des im Frühjahr von Hand angepflanzten Reises dabei sein zu dürfen. Die besagten Komiker, ein kleines Kamerateam und ein älterer Herr aus Miyama stellen die Hauptaktionäre. Damit die drei nicht das gesamte Feld allein abernten müssen, dürfen noch ein paar "Erntehelfer" mitmischen. Das ist meine Chance im japanischen TV ganz groß raus zu kommen. :)
v.l.: Katougi-san, ???, ich, Oseki-san (Bild © MBS Japan)
Fernsehteam bei der Arbeit (Bild © MBS Japan)

Ich werde für die Reisernte von meiner üblichen Arbeit freigstellt und bekomme sogar einen Hut und eine Art Sichel mit der ich die Halme ernten kann. Nach einer kurzen Vorstellrunde und einer Einweisung über die richtige Haltung beim Reis ernten geht es auch schon los. Wir arbeiten uns von einer Ecke des Feldes langsam von Reispflanze zu Reispflanze voran. Die Reispflanzen stehen alle fein säuberlich in einem Abstand von ca. 20cm in Reih und Glied. Was beim Pflanzen mal ein einzelner Setzling war ist mittlerweile ein Bündel aus einem Dutzend Halmen geworden. Mit der linken Hand packe ich eines dieser Bündel und mit der rechten werden knapp über dem Boden mit einem kurzen Ruck die Halme durchtrennt. Die Halme sind trocken und wie Stroh. Die Sichel hat grobe Zähne wie eine Säge. Der Reis hat keine Chance. Nachdem ich ein, zwei Bündel gekappt habe, lege ich diese hinter mir ab und bewege mich hockend zu den nächsten Pflanzen. Das nächste Bündel Halme landet 180° versetzt auf dem ersten, so dass diese sich kreuzen. Dass die Halme so liegen ist später wichtig. Doch vorerst säge ich mich weiter, immer leicht nach links und rechts ausschweifend, durch das Reisfeld. Nachdem wir uns am Anfang alle gegenseitig auf Hände und Füße getreten sind, hat so bald jeder seine eigene Spur gefunden und das Gedränge ist Geschichte.
Unser Werkzeug (Bild © MBS Japan)
Moderne Technik (Bild © MBS Japan)

Viele wissen ja, dass es der Reis nass mag. Ich habe ja schon in den Beiträgen aus den Dörfern in den japanischen Alpen entsprechende Bilder gezeigt. Die Felder sind nichts anderes als kleine Teiche, die je nach Bedarf geflutet oder trockengelegt weider können. So ist beim Anpflanzen des Reises das Wasser schon da und auch bei der Pflege während der Wachstumsphase braucht es Stiefel oder man macht sich die Füße nass... Zum Glück ist das während der Ernte nicht nötig. Stiefel in meiner Größe hätte hier sowieso keiner. Die Halme stehen schon eine Weile im Trockenen. Trotzdem hat das Feld noch immer ein paar "feuchte Stellen"... Es dauert nicht lange bis der erste ein wenig weiter einsinkt als erwartet. Auch ich habe Spaß als meine Wanderschuhe zum ersten mal bis zur Hälfte im Matsch verschwinden. Zum Glück finden unsere beiden Hauptskteure Gefallen an den Matschigen Stellen und ich darf einen Bogen um die Feuchtgebiete machen. :)
Mit Reisstroh werden die Bündel verschnürt... (Bild © MBS Japan)
und dann so zum Trocknen aufgehängt. (Bild © MBS Japan)

Wie schon beim Rasenmähen treffen wir auch hier zwischen den Halmen immer wieder die Bewohner der Wiese an. Schlangen sind keine dabei, aber so eine Gottesanbeterin ist für mich schon groß genug... Hauptsächlich finden wir im feuchtwarmen "Unterholz" zwischen den Halmen allerdings kleine, rote Krabben. Diese sind für unsere TV-Stars ein willkommener Gast, denn man kann sich prima von diesen gepanzerten Wiesenbewohnern in den Finger zwicken lassen. Das bedient genau den Humor den die Japaner vor den Fernsehgeräten am liebsten zu konsumieren scheinen.
Er kann es nicht lassen... (Bild © MBS Japan)
und muss mit den Konsequenzen leben. (Bild © MBS Japan)

Als das letzte Bündel Reis gefallen ist wird für die Zuschauer daheim applaudiert und sich gefreut, dass es geschafft ist. Eigentlich ist gerade erst mal Halbzeit. Der Reis muss nach der Ernte nämlich noch zum Trocknen aufgehängt werden. Die Restfeuchte in den halmen ist noch immer zu hoch um den Reis jetzt in Säcke zu packen oder zu verarbeiten. So werden die sauber abgelegten Bündel verschnürt und auf ein Gestell gehängt, dass wir aus ein paar Stangen zusammengeschnürt haben. Das verschnüren der Bündel geschieht mit Hilfe von Reisstroh aus dem letzten Jahr. Wir bekommen gezeigt wie der Reis richtig verschnürt wird und dass die Bündel mit den Reiskörnern nach unten aufgehängt werden müssen. Ich stelle mir vor wie die ganzen Nährstoffe aus dem abgeschnittenen Halm fallen, wenn man diese falsch herum aufhängt. Apropos Nährstoffe: Der moderne Reisbauer erntet heute nicht mehr von Hand. Dafür hat er einen kleinen Mähdrescher, der wie der Name schon sagt auch gleich noch das Korn vom Halm trennt. Nun fragt sich der aufmerksame Leser natürlich "Was passiert nun mit der Restfeuchte im Korn?". Auch daran haben die Konstrukteure des Mähdreschers gedacht. Die Reiskörner werden schon in der Maschine mit heißer Luft getrocknet. Man kann sich vorstellen was da an Diesel verbrannt wird, damit Säckeweise Reiskörner in kurzer Zeit getrocknet werden können. Ich erfahre, dass bei dieser Schnelltrocknung viele Vitamine und Inhaltsstoffe gleich mit verloren gehen. Alles zu Gunsten der Zeitersparnis... Schade. Wir brauchen von Hand an die zwei Stunden.
Man versucht mit mir englisch zu sprechen (Bild © MBS Japan)
Die Auswertung im Studio (Bild © MBS Japan)

Als die letzten Bündel Reis auf das volle Gestell gehoben werden sollen, ist mein Moment gekommen. Ich kann meinen Größenvorteil voll ausnutzen und niemand muss erst nach einer Leiter suchen. :) Nach getaner Arbeit gibt es für TV-Team und Helfer ein kostenloses Mittagsmahl im Cafe und ich muss nicht mal kochen. Das können wir also gern mal wieder machen. Beinahe hätte ich es vergessen: Das kleine Reisfeld wird schätzungsweise 60kg Reis (drei Säcke) abwerfen. Da kommt men eine Weile hin...

Die Sache mit dem Strom.

Als ich das erste mal Stämme abhobeln durfte, wurde ich darauf hingewiesen, dass das Kabel der Maschine über der Schulter zu tragen ist. Wieso das so gehandhabt wird, erschloss sich mir auf den ersten Blick. Mehr oder weniger dicke Schichten von Isolierband legen sich um das Kabel. Die Schadstellen sind alle nicht all zu weit von dem Ende des Kabels entfernt, an dem der Hobel seine Arbeit verrichtet. Schnell ist der Hobel zurückgezogen und mitsamt der Strippe auf dem Werkstück aufgesetzt. :) Mir gefällt an der Sache nicht, dass die Schadstelle am Körper getragen werden soll und erste Kupferlitzen sich ihren Weg in die Freiheit zu bahnen scheinen. Nach einem Blick unter die letzte Schicht Band lächelt mich auch schon ein freiliegender Kupferdraht an. Da hier alle Maschinen und auch die elendig langen Verlängerungskabel an denen alles betrieben wird keinen Schutzleiter aufweisen fühle ich mich nicht sonderlich sicher. So bitte ich meinen Kusagi-san um ein neues Stück Isolierband. Kabel absetzen und neu einbinden wird hier niemand. Da mir das passende Werkzeug fehlt um derlei Reparaturen durchzuführen, begnüge ich mich mit der Isolierbandlösung und konzentriere mich wieder auf die Holzbearbeitung.
Ich finde immer wieder lose Steckdosen - ja, man soll beim ziehen des Steckers ja immer brav an der Dose gegenhalten - oder ohne Schutzrohr in grobem Kies verlegte Leitungen, die für den Innenraum gedacht sind. :( Prüfplaketten oder ähnliches findet man hier nicht. Ein FI würde ohne Schutzleiter nur bedingt Sinn machen und fehlt ebenfalls. Die Verteilerkästen sind recht übersichtlich und Selektivität braucht es keine, da eh alles an einer großen Sicherung zu hängen scheint. Über Kabelquerschnitte macht man sich keine Gedanken. Wenns funktioniert, reichts schon aus. Wenn z.B. im Cafe der Kühlschrank anspringt, flackern die Lichter im Haus. Dass viele daheim "die paar Drähte" selbst verlegen kennt man ja. Das ist hier auch nicht anders.
Mein Favorit ist die Stromversorgung für die Hütten. Außerhalb der Hütte hängt eine lose, nur von den beiden Drähten gehaltene, Unterputzdose in der Gegend herum an der das Haus mit einem Stecker angesteckt ist. Sicher braucht es für zwei Lampen und zwei Steckdosen im Inneren keinen Unterverteiler, aber dass die besagte Dose draußen so frei zugänglich auf den nächsten Regen wartet... Ich hab mich echt gewundertm dass beim Taifun mit einer Menge Regen von der Seite nichts passiert ist.
Nicht falsch verstehen: Mir ist im Prinzip egal wie ein Betrieb die Elektrosicherheit oder Elektroinstallation in Eigenregie handhabt. Ich weiss wo ich hinfassen kann und wo nicht. Aber ob das jeder tut? Da hängt eine Menge Verantwortung dran, wenn man so locker mit der Sicherheit seiner Gäste oder Mitarbeiter umgeht. Mir geht es hier nicht ums Schlecht machen. Den Zeigefinger strecke ich nur aus, wenn keiner guckt. Ich gebe lediglich wieder was ich vorfinde. :/ Vielleicht verstehe ich auch was verkehrt und in Japan kann dank der 110V AC nicht viel passieren. Das Problem mit der Elektrosicherheit ist vielerorts zu sehen. Da braucht sich also niemand persönlich angegriffen zu sehen. :)

Arbeitsimpressionen


Blank gehobelt und fertig zum darin spiegeln
Der für die grossen Späne - links der normalgroße Hobel

Und schon schmückt die neue Theke das Cafe (darunter kommt das Feuerholz)
Mit der "kleinen" gehts an die Feinheiten

Ikea-Bausatz in groß, statt Winkelsechskant gibts den dicken Holzhammer
Nach ner menge Gezirkel mit dem Bagger und Gehämmer mit dem großen Hammer (verzapfte Stämme)

Macht gerade den Feinschliff, kann aber auch ganze Baumstämme: die Bandsäge
Wenn das Holz rot ist, sieht's hinterher aus wie im Schlachthaus. Zum Glück lässt sich alles weg kehren

Backen ohne Zutaten

Meine Arbeitstage hier sind voller neuer Eindrücke und Tätigkeiten. Aber dennoch habe ich hin und wieder Lust mich gewohnten Hobbys zuzuwenden. Oft fehlt das Equipment oder die Zeit, aber hier habe ich wenigstens ersteres zur Hand. Und wenn ich verspreche Kuchen oder Brot zu backen, ist auch keiner böse, wenn ich das nachmittags gegen Ende der Arbeitszeit mache.
Der eigentliche Spaß beginnt, wenn man für einen einfachen Rührkuchen auf einmal Butter benötigt. Butter wird in Japan in Gold aufgewogen. Da bekommt man 100g für 300-400Yen. Ich weiss, dass Butter auch in Deutschland teurer geworden ist, aber da bekommt man immer noch die doppelte Menge für die Hälfte des Geldes... Weiter geht es bei der Milch. Japaner sind quasi alle laktoseintolerant (ich verallgemeinere hier stark!). Manche trinken hin und wieder Milch, aber die meissten vertragen sie schlicht nicht. Ich finde allerdings Sojamilch im Kühlschrank. Geht genau so, auch wenn ich nicht wissen will wie die armen Bohnen gemolken werden. Als ich meinen Blechkuchen mit Quark-Öl-Teig backen will stoße ich auf ein unerwartetes Problem: Japaner kennen keinen Quark! Den gibt es schlicht nirgends zu kaufen. Was ich auch lange nicht wusste ist: Quark ist nichts anderes als eine Vorstufe zum Käse. Ich dachte immer der ist dem Joghurt (den es in Japan wiederum gibt) ähnlich und sollte demnach erhältlich sein, aber nix da. Käse ist übrigens ein weiteres teures Produkt, ähnlich der Butter. Dass ich für meinen Blechkuchen mehrere Äpfel brauche schlägt noch mal ins Budget. Zum Glück ist gerade Apfelsaison und Royoko-san ergattert vier Äpfel für nur 400Yen! (Außerhalb der Saison kann ein Apfel so viel kosten.) Man merkt es vielleicht: ich muss an vielen Stellen improvisieren oder sparen. Butter wird durch Öl ersetzt, Quark durch Joghurt... Irgendwie wird trotzdem was drauß.
Was Brot angeht, backe ich nur Weissbrot. Roggenmehl ist wieder eine der schwer zu bekommenden Zutaten. Misch- oder Schwarzbrot habe ich bisher keins in den Lädan gesehen. Japaner denken bei "Brot" an Toast oder Baguettes. Japanische Bäckereien backen ofmals sogar mit einem weissen Mehl auf Reisbasis. Man kann es ihnen nicht verübeln. Schließlich ist Reis in ausreichender Menge erhältlich und macht Backwaren damit erschwinglicher. Meine Brotbackerfolge sehen allerdings recht bescheiden aus. Wenn man mit einem fremden Ofen bäckt und die Zutaten ebenfalls von bekanntem abweichen, wird der Backerfolg zum Lottospiel.
Was den Ofen angeht, habe ich hier übrigens einen echten Holzbackofen zur Hand. Für Brot gibt es eigentlich nichts besseres. Allerdings muss ich auf Grund der Bauart des Ofens ständig auf die Temperatur achten. Normal läuft das so ab: Der traditionelle Holzbackofen wird einmal angefeuert, der Ofen heizt sich auf und dann wird im selben Raum gebacken wo zuvor das Holzfeuer brannte. Die Temperatur im Ofen sinkt langsam, reicht aber für einen oder mehrere Backvorgänge aus. Hier habe ich einen kleinen Holzofen mit einer Brennkammer. Darüber befindet sich der Backraum und ganz oben kann man auf einer heißen Platte kochen. Der Vorteil ist, dass ich jederzeit Holz nachfeuern kann. Das ist allerdings zugleich mein größter Nachteil, da der Ofen selbst kaum Hitze speichert, muss das Feuer konstant brennen ohne, dass ich beim Nachlegen die Temperatur zu stark erhöhe... Ein Tanz auf des Messers Schneide. So stehe ich immer wieder mit dem IR-Thermometer vor dem Backofen und versuche möglichst ohne die Tür zum Backraum zu öffnen die aktuelle Temperatur zu schätzen. Spaßig wird es, wenn man die ganze Zeit denkt, dass es "echt warm im Ofen ist" und dann irgendwann feststellt, dass das blöde Thermometer irgendwie auf °F statt auf °C umgestellt worden ist. :)
Blechapfelkuchen mit Streusseln :P

Gegessen habe ich alle meine Brote und auch die Rührkuchen, aber einige waren schon arg an der Grenze zu Zwieback oder Schliff. Meine Japaner haben allerdings immer gemeint, dass das total lecker war und ich ruhig wieder backen darf. :)

Die Currydiät

Abendbrotzeit ist Kochzeit für mich und meinen Mitstreiter Yusuke. Er ist zwar kein WWOOFer, aber er lebt wie ich für einen Monat hier in Miyama. So teilen wir uns in die täglichen Pflichten. Jeden Abend stehen wir vor der gleichen Frage: Was kochen wir heute? Da es bei mir mit den japanischen Rezepten nicht weit her ist, frage ich Yusuke ob er zufällig weiss wie man Curry kocht. Wie sich herausstellt ist Curry sein Lieblingsessen und er weiss genau was zu tun ist. So ist nach einem kurzen Blick in die Vorratskammer klar, dass wir alles für ein gescheites Curry da haben. Kann also losgehen.
Hier sei noch erwähnt, dass in Japan das Curry ein wenig anders schmeckt als beim Inder um die Ecke. Dennoch ist die Zusammensetzung ähnlich. Eine dickflüssige, würzige Soße mit großen Fleisch- und Gemüsestücken darin. Farblich geht es mehr ins braune, anststatt des gelb-orangen Farbtones den man so kennt. Dazu wird Reis gereicht. Der macht satt und hilft gegen die Schärfe.
Während Yusuke noch die Dosierungsanleitung auf der Verpackung des Currypulvers liest, darf ich schon einmal einen großen Topf Wasser aufsetzen und die ersten Zutaten schnibbeln. "Eine schöne große Portion Curry" ist unser Ziel. So kommt der größte Topf zum Einsatz den die Küche hergibt. Es muss ja nicht alles am selben Abend aufgegessen werden. Dass uns das zu gleich Arbeit für das nächste Mittag spart ist schon mit einkalkuliert. ;) Curry schmeckt schliesslich immer! Als ich die Kartoffeln schneide erklärt mir Yusuke, dass ich bloß keine zu kleinen Stückchen machen soll. Je größer, desto besser. Das gleiche gilt für Fleisch, Möhren und alles andere was an festen Bestandteilen in den Topf kommt. Als die Grundmixtur steht, wird es Zeit für das Currypulver. Laut der Anleitung müssen wir für unsere Menge Wasser 7 Portionen Currypulver mit dem kleinen Messbecher abmessen und in unsere Suppe geben. Klingt nach einer Menge, aber irgendwie muss das viele Wasser ja andicken, denke ich mir so. Gesagt, getan. Nicht viel später blubbert ein wunderbar dickes Curry im Topf. "Schaut super aus. Zeit zu probieren." Wie ich die warme Masse vom Löffel schlürfe, stelle ich fest, dass unser Curry echt würzig ausgefallen ist. Ich frage Yusuke nach seinem Urteil und auch er muss gestehen, dass es schon sehr kräftig ist. "Wie machen wir das jetzt milder?" steht uns in die Gesichter geschrieben. Ich denke an all die tollen Tips und Kniffe, die man so erzählt bekomm, wenn man was versalzen oder zu sehr gepfeffert hat. Von Zucker und Schokolade hinzugeben bis einfach verdünnen überzeugt mich nichts so richtig. Verdünnen würde schon der randvolle Topf nicht zulassen, außerdem würde man dann ja die herrliche Konsistenz einbüßen. Da wir ein wenig ratlos sind, hole ich eine Drittmeinung ein. Ryoko-san ist ja immer in rufweite, hat sie ihr Büro gleich über der Küche. Sie kommt uns zu Hilfe und probiert erst einmal und zweifelt danach keinesfalls an der Notwendigkeit die Schärfe zu reduzieren. Ihr Tip um die Lage zu retten lautet "Lasst uns einfach ein paar Bananen hinzugeben. Die fallen zerdrückt in der Masse nicht auf und geben dem Curry ein wenig Süße. Das neutralisiert." Gesagt, getan. Die Abendessenzeit rückt schließlich immer näher...
Als dann alle bei Tisch sitzen und das entschärfte Curry verspeist wird, steht fest: Man kann mit Bananen schärfetechnisch einiges retten, aber Bananencurry ist nicht Jedermanns Sache. Mich stört die fruchtige Note nicht, aber da zwei von vier Esser nach der ersten Portion passen, werden wir noch einige Tage zu jeder Mahlzeit auf unseren großen Topf zurückgreifen können. :)

Die liebe Gesundheit

Die Harte Arbeit hat an mir auch so einige Spuren hinterlassen. Als die Handschuhe so langsam durch sind, werden die Finger ein wenig zerkratzter und das (sowieso ohne Handschuhe oft einfachere) Entrinden beschert mir dauerhaft schwarze Finger(nägel). In der vierten Woche läuft es gesundheitlich nicht so optimal. Keine Ahnung, obs der konstante Muskelkater oder die vielen kleinen Schnitte hier und da sind. Heiss und kalt im Wechsel mit Schmerzen in Knochen und Muskeln inklusive Kraftlosigkeit vermiesen mir ein wenig die Freude an der Arbeit. Wenn man beim Starten der Kettensäge hofft nicht 4-5 mal ziehen zu müssen, weil man dann erst mal Durchatmen muss stimmt was nicht. Ein paar Tage hinlegen war nicht. Mein Host sieht zum Glück ein, dass ich langsamer arbeite, aber wenn ich nichts tun will, darf ich das wo anders machen. Klare, aber nachvollziehbare Worte. Irgendwie muss ich mir ja meine drei Mahlzeiten und das Bett verdienen. - Was solls, ich habs überlebt. Nachdem ich merke, dass es mir immer nach den Mahlzeiten deutlich besser geht, hebe ich mir einfach für die schwachen Momente zwischendrin was zu Futtern auf... :) Ich hab übrigens mittlerweile die 90kg hinter mir gelassen - also nach unten. Kann ich also nur empfehlen: drei mal täglich Reis und immer schön an der frischen Luft ranklotzen.

Mein Fazit:

In der Fremde für jemanden arbeiten gibt dem Leben neue würze. Man muss ja nicht den langweiligsten Job wählen. Ich werde es definitiv wieder tun. Am Ende hab ich sogar neue Freunde gewonnen, bei denen ich mein überschüssiges Gepäck für die Dauer der Pilgerrunde lassen darf. Ich weiß dass mittlerweile schon wieder ein Neuer an meine Stelle getreten ist und ich nur einer von vielen WWOOFern bin, aber wenn man gesagt bekommt das man so herrlich selbständig war und andere bei der und der Arbeit nicht annähernd so viel geschafft haben, kann es nicht verkehrt gewesen sein was ich abgeliefert hab. Oseki-san hat mich am Ende gefragt, ob ich nicht im November wieder kommen kann. Er will ein altes Haus renovieren und würde mich dabei das traditionelle japanische Zimmermannshandwerk lehren. Pilgern geht vor, aber alte Häuser zerleg ich eben auch gern... So stehe ich wieder einmal vor dem selben Problem: Wer die Wahl hat, hat die Qual.