Auf ein Neues

2018 bringt neue Herausforderungen. Ich mache mich auf den Weg in den Süden Japans, um dem Winter so weit es geht zu entkommen. Schließlich habe ich nur meine dünne Jacke dabei. Kyushu bietet neben milden Temperaturen auch eine neue Bleibe. Der Host wurde mir von Heloise empfohlen. Sie sprach von angenehmen Arbeitszeiten und familiärem Umfeld. Außerdem gibt es eine Backstube. Was will ich mehr? Weitere Arbeiten sind Englischschule und Cafe. Ich habe mich schon vor dem Jahreswechsel um den Platz beworben und vom 07. bis zum 30. Januar eine neue Heimat gefunden.
Auch hier bringt mich der Nachtbus zuverlässig ans Ziel. Diesmal verdanke ich die erfolgreiche Buchung Kaoru und dem Typen am Schalter in meiner Unterkunft. Er konnte zwar kein Englisch, aber mein schlechtes Japanisch hat genügt um ihn zu bitten mir das japanische Buchungsformular im Webbrowser zu erklären. Immer wieder schön. Helfen tun hier zum Glück alle gern. :) So komme ich zum Sonntag Morgen in Omura an. Der Ort liegt in der nähe von Nagasaki und direkt am Meer. Mein Host Yasuko holt mich zwischen zwei Backdurchgängen am Bahnhof ab. Sie weist mich, daheim angekommen, nur kurz in die Örtlichkeiten ein und verschwindet wieder in der Backstube. Ich soll es mir gemütlich machen, Mittag gibt es bald. So verstaue ich die Taschen in meinem geräumigen Zimmer und versuche es mir auf dem Sofa im Wohnzimmer gemütlich zu machen. Der erste Eindruck vom Haus ist: Kühlschrank. Meine Jacke habe ich gar nicht erst ausgezogen. Ein Heizlüfter in der Ecke zeigt die Raumtemperatur an: 10°C. Er ist ausgeschaltet. Auf dem Sofa sitzend lässt es sich aushalten, aber ich kühle beim Nichtstuen schnell aus. Die Japaner bauen einfach keine Zentralheizungen in ihre Häuser ein. Stattdessen holt man sich für die Zimmer wo man es warm haben will einen Heizlüfter, der mit Kerosin betrieben wird. Zur Mittagszeit frage ich nach Hausschuhen und bekome tatsächlich welche. Außerdem schaltet Yasuko den Heizlüfter im Wohnzimmer ein. Meinen Schnupfen habe ich trotzdem abgefasst. Die nächsten Tage werde ich also immer in der nähe einer Taschentuchbox verbringen.

Hauskatze Mini macht es sich gleich auf dem Heizer bequem

Hilfe, es schneit!

Wenn im südlichen Japan ein paar Flocken vom Himmel fallen und das Termometer nach unten schnellt, kommt das öffentliche Leben schnell zum erliegen. Die Japaner hier glauben zum Beispiel nicht an Winterreifen. Zwar sehe ich an einigen Tankstellen Stapel mit Reifen im Angebot, aber gekauft werden die nach Aussage von Yasuko eher selten. Sie erzählt mir wie es vor ein paar Jahren war. Über Nacht fielen Unmengen des weissen Zeugs vom Himmel und es hat sich auf bis zu 40 Zentimeter aufgetürmt. Sie mussten Schippen um die paar Meter bis zur Backstube oder zum Auto zurückzulegen. Unglaublich. Bei zu viel Schnee geht der Japaner nur vor die Tür, wenn es wirklich Not tut. Wer kann, bleibt einfach daheim. Nach ein paar Tagen ist der Spuk eh meisst vorbei. Tendenziell werden auch hier die Winter immer milder... Ausnahmen gibts trotzdem. Im Fernsehen sehe ich, dass es dieses Jahr Tokyo recht hart getroffen hat. In der Großstadt ist Schnee selten. Bahnlinien stellen den Betrieb ein, Fahrgäste müssen in eingeschneiten Zügen ausharren... Schneechaos ab 3 Zentimetern. :) Um Japan nicht gar so schlecht dastehen zu lassen: In Hokkaido und in den Bergregionen gibt es Winterdienst, Leute die auch bei Schnee rausgehen und in einigen Gebäuden sogar Zentralheizung!
Schnee fällt während meines Aufenthaltes in Omura ein paar mal. Dass er liegen bleibt, erlebe ich nur an zwei aufeinander folgenden Tagen. Wirklich nichts, was man einen Winter nennen kann. Yasuko ist trotzdem besorgt. Schnell stehen ein paar Fahrzeuge auf den Straßen quer und schon kommen wir weder in die Schule noch zum Supermarkt. Sowas wie einen Winterdienst gibt es hier nicht. Ich sehe allerdings, dass die Polizei gerüstet ist. Klappernd fahren die Einsatzfahrzeuge mit aufgezogenen Schneeketten auf schneefreien Straßen an mir vorüber. Vorschrift ist Vorschrift.
Die weisse Pracht erinnert mich an den Winter daheim
Wir riskieren Kopf und Kragen um zur Schule zu kommen

Der strenge Winter vor ein paar Jahren hat übrigens das Wasserrohr für das Trinkwasser an Yasukos Haus einfrieren und platzen lassen. Ganz so schlimm kommt es dieses mal nicht. Allerdings haben wir eines Morgens dank der -7°C draußen und der -1°C drinnen ebenfalls bis Mittag kein fliessend Wasser. Der Durchlauferhitzer für das Warmwasser (der in Japan samt Tank (Öl oder Gas) an der Aussenseite des Hauses montiert ist) ist ebenfalls eingefroren. Ironie... Wenigstens kann zum Abend wieder warm geduscht werden, weil tagsüber die Temperaturen gnädigerweise steigen.

Die Arbeit ruft

Mein Tagesablauf im Dienste von Yasuko und Chad (der gerade in China ist): Aufstehen gegen 7 Uhr, Frühstück, Vormittags in Haushalt, Garten oder Bäckerei helfen, Mittagessen und -ruhe bis 15 Uhr, Englischschule von 15:30 bis 20 Uhr (Abendessen gibts dort), Feierabend. Die Zeiten variieren gelegentlich. Einmal in der Woche öffnet z.B. das Cafe. Da sind wir schon eher außer Haus.
Zum Auftakt meines Aufenthaltes in Omura geht es gleich mal zu einem Termin außer der Reihe. Da der Montag ein Feiertag ist, findet kein Unterricht statt und wir werden auf einer kleinen Messe für lokale Produkte mit einem Stand die Bäckerei repräsentieren. Yasuko hat für den Termin die Tage zuvor schon Sonderschichten in der Bäckerei eingelegt. Sie verrät mir, dass sie sonst mehr backen, aber da Chad nicht da ist hat sie dieses mal das Pensum nicht geschafft.
Drei verschwommene Gestalten aus der Backstube (von links: Masako, Yasuko, ich)

Die Produkte aus ihrer Backstube werden allesamt mit Zutaten aus biologischem Anbau zubereitet. Vieles davon wird im Garten hinter dem Haus angebaut, der Rest zugekauft. So reicht die Auswahl von Brotsticks, Butterhörnchen, dem in Japan sehr beliebten "Melonpan" über verschiedene Brote, Zimtrollen und Kekse. Die Rezepte für Brote und Brotsticks enthalten Zutaten wie Sesam, Kräuter (Petersilie, Basilikum), Früchte (Erdbeeren, Orangen) oder Gemüse (Kürbis). So bekommen sie eine interessante Farbe und Geschmack. Allesamt sind die Rezepte auf Basis eines weissen Mehls. Roggenmehl verwendet man hier nicht. Zu teuer, da in Japan (fast) nicht angebaut. Damit die Brote und Brötchen auch aufgehen wird ein Sauerteig auf Basis von Reismehl verwendet. Ich schmecke keinen Unterschied zu Weizengebäck. Wie vieles in Japan sind auch die Brote kleiner als ich das aus Deutschland gewöhnt bin. Die Kekse werden in geradezu absurd kleinen Abpackungen und zu gehobenen Preisen verkauft - für 380 Yen (4 Stück). Dafür sind die wirklich gut und alles ist bio. Da genießt man jeden einzelnen Keks. :)
Meine Arbeit auf der Futtermesse beschränkt sich größtenteils auf lächeln, Brötchen in der Auslage nachfüllen und Tüten für den Verkauf bereitstellen. Kassieren ist Chefsache. Hin und wieder bleibt ein wenig Zeit sich auf der Messe umzuschauen. Da ich wie immer auffalle, komme ich an fast keinem Stand vorbei ohne eine Kostprobe angeboten zu bekommen. Einige Stände verkaufen Gemüse frisch aus dem Garten, andere haben eingelegtes, fermentiertes oder vergorenes im Angebot. Es gibt sogar ein paar Workshops. So lande ich an einem Stand, wo man sich seine eigenen Instant-Misosuppen-Bällchen zusammenmatschern kann. Man nimmt die konzentrierte Miso-Paste und fügt je nach Geschmack getrocknete Zutaten wie Shrimps oder Gemüse hinzu. Das ganze wird dann zu einer kleinen Kugel gerollt und kann dann bei bedarf mit ein wenig heissem Wasser aufgegossen werden.
Zum späten Nachmittag geht die Veranstaltung zu Ende. Unser Stand hat alle Waren an den Mann (und die Frau) gebracht und ich freue mich darauf nach Hause zu kommen. Meine Taschentücher sind lange alle und meine Nase kennt keine Gnade. Dauerlauf. :( Yasuko versorgt mich mit ausreichend Maßnahmen um der Erkältung alsbald Herr zu werden. Schon im eigenen Interesse, hantieren wir doch mit Lebensmitteln. Von den Schülern ganz zu schweigen. So gurgle ich kräftig Propolis, nehme immer mal eine Vitamintablette und der nächste Tee ist sowieso nie weit. Die heisse Wärmflasche bringt mich durch die ungeheizten Nächte. Zu den Mahlzeiten gibt es stets Essen aus gesunden und frischen Zutaten. Yasuko ist nicht nur überzeugt, dass gesundes Essen gesund macht. Sie und ihr Mann haben es am eigenen Leib erfahren. Beide haben sie mit chronischen Beschwerden und jahrelangem Pillenkonsum abgeschlossen nachdem sie ihre Ernährung umgestellt haben. Das muss übrigens nicht bedeuten, dass es fad schmeckt oder dass man auf Fleisch verzichten muss. Es schmeckt, auch wenn man sich ein wenig mehr Arbeit als "Deckel runter und heißes Wasser drüber" machen muss. Das ist es mir aber allemal wert. Nach wochenlangem Konsum von Konbini-Fertigessen spüre ich den Unterschied deutlich.

In des Bäckers Stube

Wie schon angemerkt, betreibt mein Host eine Backstube. Diese befindet sich in einem separaten "Gebäude" neben dem Wohnhaus. Viel größer als ein Baucontainer ist dieses allerdings nicht. Neben ein paar Edelstahlarbeitflächen, einer Spüle und Hängeregalen dominieren die Knetmaschine und der Ofen das Bild. Wenn zwei Personen Teig portionieren, ausrollen und zu Rohlingen zurechtkneten ist der restliche Platz schnell ausgefüllt. Da sich die Stückzahlen in Grenzen halten und auf den zwei Etagen die der Backofen bietet sowieso nur nacheinander gebacken werden kann, macht es nichts wenn man mal warten muss weil man grad nicht aneinander vorbeikommt. Meine Arbeiten in der Backstube fallen recht einfach aus. Ich darf die vorbereiteten Teige portionieren und abwiegen. So stückle ich den Teig mal in 34 und mal in 40 Gramm-Portiönchen. Da es nie glatt aufgeht fällt am Ende immer ein etwas kleineres Brötchen an, das ich dann verspeisen darf. :) Die fertigen Produkte werden dann für den Verkauf im regionalen Bioladen oder dem Hauseigenen Cafe abgepackt und mit Etiketten versehen. Etikettieren darf ich auch. Ansonsten habe ich an der Welt des Backens nicht viel Anteil. Da kann zu viel schief gehen, da darf der WWOOFer nicht ran.
Ich bei meiner Haupttätigkeit
Immer aufs Gramm genau

Hier durfte ich den Teig selbst formen
Zum Anbeissen... Größer wurden die Brote übrigens nicht

Einer der teueren Kekse
Zu kleine oder einzelne Backstücke, die ich essen durfte

Ich ziehe ins Feld

Hinter Haus und Backstube schließt sogleich der Hauseigene Garten an. In ordentlichen Reihen wachsen hier auch im Januar Möhren, verschiedene Salate, Rettiche und anderes Vegetarierfutter. Das Problem ist nur, dass man in einigen Reihen vor lauter Unkraut kaum noch sieht was da eigentlich wächst. Aber das kenne ich ja von zu Hause. Mein geschultes Auge unterscheidet zuverlässig zwischen "kann weg" und "muss bleiben". Anfangs schaut mir Yasuko genau auf die Finger. Nach ein paar sauber entkrauteten Metern auf denen sogar noch das Nutzgrün erhalten geblieben ist, kann sie sich beruhigt anderen Arbeiten zuwenden. Nach der Arbeit lobt sie meine Unkrautzupfkünste und erzählt mir von WWOOFern, die einfach alles rausgerissen oder die armen Gemüsepflanzen achtlos niedergetrampelt haben.
Ich genieße die Gartenarbeit. Schliesslich kann man beim Zupfen prima Musik hören und über die wichtigen Dinge im Leben nachdenken. Andere zahlen viel Geld für Meditationskurse... Ich verbringe meinen Vormittag an der Frischen Luft und im Sonnenschein. Wenn es zu kalt oder das Wetter schlechter ist, muss ich übrigens nicht vor die Tür. Yasuko hat eine echt tolle Einstellung zur Arbeit.

Was lernen wir heute?

Mein Können als Englischlehrer kann ich am Nachmittag unter Beweis stellen. Ab 15:30 Uhr kommen Kinder verschiedenster Altersklassen (Grundschule bis Highschool) zum privaten Englischunterricht von Yasuko. Der Unterrichtsraum befindet sich in einem kleinen Haus ein wenig zentraler in Omura. Yasuko und ich packen alles was wir für den Tag brauchen in ihr kleines Auto und dann tuckern wir rüber ins "Schul-Cafe". (Der Unterrichtsraum wird einmal in der Woche zur Mittagszeit zum Cafe.) Nachmittags stehen die Tische allerdings wieder in Reihen und die Schüler können sich ganz wie in der Schule fühlen. Es gibt sogar eine Tafel und die Wände hängen voller Englischlernplakate. Die Knirpse kommen zu unterschiedlichsten Zeiten, was aber nicht stört, weil sowieso jeder einzeln abgefertigt wird. Jeder bleibt für die Dauer einer Stunde und wird anschließend abgeholt oder macht sich allein auf den Heimweg.
Die Grundschüler bekommen zuerst ein paar neue Zeilen mit aktuell relevanten Wörtern in ihr Schreiblernbuch eingetragen. Diese schreiben sie dann mehr oder minder schön nach. Ob sie sich dabei auch die Bedeutung der Wörter merken bleibt fraglich. Mir fällt jedenfalls auf, dass die jüngeren nicht oder nur schlecht lesen können, was Buchstaben angeht. Aber ich denke es kommt hier eher auf die Schreibübung an. Man sollte an dieser Stelle im Hinterkopf behalten, dass die Knirpse in der Schule kontinuierlich damit beschäftigt sind ihre eigene Sprache (in Schriftform) zu erlernen. Tausende Schriftzeichen machen dem Alphabet und dem Englisch Konkurrenz. Man kann sich denken was im Alltag relevanter ist. Danach werden Zusammen mit Yasuko eventuelle Hausaufgaben durchgegangen. Das beschränkt sich übrigens nicht nur auf englischbezogenes. Oft sehe ich die Schüler auch Matheaufgaben lösen. Sind die meissten mit den Schreibübungen fertig, wird spielerisch das Vokabular abgefragt. Karten mit Bildern und englischen Begriffen werden auf dem Tisch verteilt. Die Knirpse bilden Teams und der Lehrer fragt die Wörter ab. Das Team das die Karte als erster findet, darf sie seinem Stapel hinzufügen. Meisstens sind die Schüler mit Eifer dabei. Manchmal haben sie aber auch keine Lust und klopfen wahllos alle möglichen Karten ab, ohne auf deren Bedeutung zu achten. Auch japanische Kinder können mal keine Lust haben. Besonders die Montagsklasse ist so eine Gruppe, die lieber tobt, schläft oder sonstwelchen Blödsinn anstellt, anstatt zu lernen. Yasuko nennt sie "kleine Monster". Selbst ihre Anweisungen werden gelegentlich beim ersten mal ignoriert. Ich habe mit meinem mittelmäßigen Alltagsjapanisch keine Chance die Knirpse ordnungsgemäß zurecht zu weisen.
Besonders lustig ist es für die kurzen auch immer wieder meinen Namen zu hören. Da "Mirko" den Japanern naturgemäß nicht sonderlich leicht über die Lippen geht, stelle ich mich immer schon mit einem der Silbensprache angepassen "MiRuKo" vor. Das klingt erst einmal dem Work "MiRuKu" (milk - Milch) seeehr ähnlich und dann ist da noch die Tatsache, dass Namen, die auf "-ko" enden eigentlich Mädchennamen sind. Je nach Alterklasse und Anstand reicht die Reaktion von ungläubigem Grinsen bis Gelächter.
Unterrichtsraum - Der Halloweenschmuck hängt hier offenbar das ganze Jahr über
Eine der entspannteren Runden mit den Karten (das Foto ist wohl aus datenschutzgründen unscharf)

Bis auf den Montag ist der Unterricht allerdings sehr entspannt. Ich helfe bei den oben erwähnten Kartenspielen und bei "komplexeren" Fragen. Manchmal fragt mich Yasuko wie ich diesen oder jenen Satz formulieren würde oder wie ich jenes Wort ausspreche. Eine Schülerin will bei mir sogar ein paar Worte Deutsch lernen. Sie will nach der Schule an eine Uni wo sie Deutsch studieren kann. Ich frage sie ob sie nach Deutschland gehen will und warum gerade Deutschland. Sie meint, dass sie später gern in Deutschland leben und arbeiten will. Sie findet das Land so interessant wegen der vielen Schlösser und alten Städte. Ich hoffe sie findet wonach sie sucht...
Einmal die Woche kommen auch zwei Erwachsene zum Unterricht. Der eine ist Messerschmied in Omura und möchte für seinen ausländischen Kundenstamm sein Englisch aufbessern. Der andere liebt deutsche Autos und ist stolzer BMW-Fahrer. Mit den beiden darf ich ein wenig Konversation betreiben. Die meisst einfachen Sätze werden dann bei Bedarf analysiert und zum zu Hause Lernen niedergeschrieben. Den Messerschmied darf ich eines Tages sogar in seiner Werkstatt besuchen. Er zeigt mir sein Reich und ein Messer zum Super-sonder-Freundschaftspreis ist auch drin, natürlich mit Namensgravur. :)
So vergeht der Schulnachmittag und es wird ein Schulabend. Wenn mir wie hungrig werden ist, darf ich mir mein mitgebrachtes Abendessen warm machen. Die Schüler tun mir dann immer ein wenig leid, wenn ich essen darf und sie noch lernen müssen. :)

Einmal die Nummer 4 mit extra Majo

Donnerstags ist Cafe. Da wird der Schulraum ein wenig umgeräumt und ich kehre die Krümel die die Schüler die Woche über so hinterlassen weg. Alles wird aufgehübscht und die Menüs werden vorbereitet. Das Cafe dient hauptsächlich der Mittagsversorgung. Man kann sich aber auch mit Backwaren aus der hauseigenen Bäckerei eindecken. Wie der Kundenstamm zustande kommt weiss ich nicht. Jedenfalls finden sich eine Menge ältere Leute und Kundschaft aus der arbeitenden Bevölkerungsschicht zum Mittagessen ein, einmal die Woche. Ich finde es ein wenig seltsam nur einmal die Woche zu öffnen, aber das Geschöftsmodell funktioniert offensichtlich.
Ich bekomme am Cafetag auch immer mein Menü. Ich esse stets zeitig, damit ich zum großen Ansturm gesättigt bereit stehe. Nicht, dass ich nasche... Wenn es dann so richtig los geht, werden die Körbchen mit dem Besteck und den Servietten zusammen mit einem Tee für jeden ausgeteilt. Bestellungen muss ich keine entgegennehmen, weil alle das selbe Menü bekommen. Ein paar der Häppchen darf ich vorbereiten. Der Rest ist Chefsache. Yasuko hat neben mir noch eine weitere Küchenhilfe für das Cafe. Sie kümmert sich haupsächlich um die Brotangelegenheiten. Die Menüs beinhalten immer getoastete Backwaren aus dem Sortiment des Bäckerei. Wenn das mal keine Marketingstrategie ist...
Der Unterrichtsraum im Cafe-Modus
Mustermenü (zugleich auch meine Mittagsmahlzeit)

Die Ecke mit all den Leckereien

Auch hier wird der Großputz mit kleinem Besen erledigt - Wenigstens der Mob ist Rückenschonend
Der Staubsauger sieht aus als hätte ihn ein deutscher Handcreme-Hersteller designt

Wie alles in dieser Welt befindet sich auch das Geschirr des Cafes im stetigen Kreislauf. Soll heissen: Irgendwann ist der erste Aufwasch fällig. Und so lange Gäste speisen hört das auch nicht auf. So bin ich die meisste Zeit am Spülbecken eingeteilt und helfe lediglich wo anders aus, wenn grad keiner fertig mit essen ist. Es ist nicht der aufregendste Job, aber auch hier kann ich mich nebenbei wieder den wichtigen Fragen des Lebens widmen, wie zum Beispiel: "Was stelle ich eigentlich mit meinem Leben an?" oder "Wieso ist mit dem letzten Satz Teller eine ungerade Anzahl Stäbchen zurückgekommen?" (Keine Sorge. Das Stäbchen hat sich wieder angefunden. Keiner hat Besteck geklaut und ich habe meinen Seelenfrieden wiedererlangt.)

Jenseits des Feierabends

Wie immer, wenn man gut beschäftigt ist und Freude hat an dem was man tut, scheint die Zeit geradezu zu verfliegen. So ist der Feierabend schnell ran und es geht von der Schule ab nach Hause. Dort angekommen darf ich mir meinen Abend frei gestalten. Zu tun gibt es für mich nach der Schule nichts mehr. Yasuko bereitet oftmals noch Teig oder andere Dinge für den nächsten Tag vor. Helfen ist dabei nicht erlaubt. So verdrücke ich mich nach einer heißen Dusche auf mein Zimmer und wärme mich unter mehreren Decken an der Wärmflasche. Der Laptop bespaßt mich mit Videos oder ich texte mit Freunden. Das Internet machts möglich.
Manchmal geht es nach der Arbeit noch in ein Restaurant zum Sushi oder so. Yasuko lädt mich und Masami-san, die einmal in der Woche in der Bäckerei hilft, ein. Beim Bezahlen ist sie rigoros und lässt nicht zu, dass wir was dazugeben. So bleibt uns nur, uns ausgiebig zu bedanken. So lässt es sich als WWOOFer aushalten.

Des WWOOFers freier Tag

Zum Sonntag darf ich machen was ich will. Yasuko liegt viel daran, dass ich mal was anderes sehe und schlägt mir regionale Ausflugsziele vor. Außerdem bringt sie mich zur Bahnstation und holt mich wieder ab. So brauche ich mich nur darum zu kümmern morgens rechtzeitig zur Abfahrt aufzustehen.
So geht es mal nach Shimabara, Sasebo oder Ureshino. Die Orte liegen alle im weiteren Umfeld von Omura, sind aber mit der Bahn oder dem Bus allesamt als Tagestour erreichbar. In Shimabara gibt es eine erhaltene Altstadt und ein Schloss zu sehen. Anschliessend geht es ins heisse Bad. Die ganze Stadt ist um einen aktiven Vulkan gebaut. Immer wieder treffe ich in der Stadt auf sprudelnde Quellen. Einige sind zum kostenlosen Fussbad ausgebaut, an anderen holen die Anwohner kanisterweise Trinkwasser.
Ausblick von der örtlichen Burg
Eine Taikogruppe beschallt den Eingangsbereich des Bahnhofes

Ein Kanal trennt die Straße durch ein altes Wohnviertel der Kriegerklasse
Ein anderer Graben, der sogar warmes Wasser führt. Praktisch im Winter

In Sasebo lasse ich mich in der Stadt ein wenig treiben und folge immer der Küste bis ich an einem Meeresmuseum nebst Schiffrundfahrtsanleger angekomme. Das Museum lasse ich links liegen, weils nicht viel zu sehen gibt. Zum Mittag gibts einen der berühmten Sasebo-Burger und anschliessend wird die Rundfahrt genossen. In der Sonne (und im Windschatten) lässt es sich aushalten. Zu sehen gibts viele kleine Inselchen in verschiedenen Formen. Nach einer Stunde auf dem Wasser geht es zurück an Land und wieder der Küste nach. Diesmal auf einem höhergelegenen Pfad. Da kann man die Inselwelt noch einmal gut überblicken.
Rundfahrt auf dem "Piratenschiff"
Auf Kaperfahrt von Insel zu Insel

Auf Augenhöhe mit dem unbewohnten Eiland
Von weiter oben betrachtet

Inselwelt von noch weiter oben

Der dritte Sonntag ist der frostigste und weniger dem Sightseeing gewidmet. Ureshino ist einer der drei berühmtesten Orte Japans mit dem besten Wasser in den heissen Quellen. Mit dem Bus angekommen geht es erst einmal auf eine kurze Wanderung (vom Busterminal in die Stadt). Am Wegesrand gibt immer wieder Teeplantagen zu bewundern. Die Region vermarktet neben ihrem heissen Wasser gleich noch den Tee dazu. Macht sinn. Das frostige Wetter treibt mich schon zur Mittagszeit in eines der heissen Bäder. Die Badeanstalt ist nichts besonderes. Nur zwei verschiedene Becken und keine Sauna. Das besondere Wasser macht hier wohl den Unterschied. Der Laden ist gut besucht.
Der Name des Bades meint in etwa "Hundertjähriges Wasser". Klingt arg abgestanden
Dahinter wird das überschüssige heisse Wasser zu Werbezwecken laufen gelassen

Katze im Fussbad
Hecken, die man sogar in heissem Wasser aufgiessen kann...

Von zwei meiner Ausflüge bringe ich Yasuko ein Souvenir mit. Schliesslich investiert sie viel Zeit und Mühe um mir meinen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Alles hat ein Ende...

Meine drei Wochen in Omura gehen schneller zu Ende als mir lieb ist. Auf der einen Seite freue ich mich darauf zurück nach Osaka zu fahren, auf der anderen Seite ist es schon schade, dass ich Chad nie persönlich angetroffen habe. Er wird erst zwei Wochen nach meiner Abreise aus China zurückkehren. Länger bleiben ist nicht, weil der nächste WWOOFer schon auf der Matte steht. Am Abend der Abreise treffe ich die Dame aus Südkorea, deren Namen ich vergessen habe, noch persönlich an. Sie ist sehr an Brot und sonstigen Backwaren interessiert. So erkläre ich ihr wie ich mein Mischbrot zu backen pflege und wir verpassen darüber beinahe aufzubrechen. Yasuko muss ganz schön drauftreten, dass wir rechtzeitig am Busterminal ankommen. :)