Urlaub auf Japanisch

Urlaub geht in Japan anders. Der wird hier nur zögerlich genutzt. Wer zu oft von der Arbeit fern bleibt, fällt auf und "belastet seine Kollegen". So geniert sich der durchschnittliche Büroangestellte mehr Urlaub zu nehmen als seine Kollegen. Im Endeffekt musste der Gesetzgeber einschreiten und die Arbeitnehmer dazu verpflichten mindestens die Hälfte des Jahresurlaubes zu nehmen. Der ist übrigens nicht mal so knapp wie man immer hört. An die 20 Tage im Jahr sind schon drin. Abseits der Urlaubstage ist Japan mit 16 gesetzlichen Feiertagen pro Jahr sehr spendabel. Hier gibts übrigens eine nette Regelung die einen auf ein Wochenende fallenden Feiertag nicht verlorengehen lässt. Dieser wird einfach auf den nächsten Montag verschoben. Einzelne Arbeitstage die zwischen zwei Feiertage fallen, werden ebenfalls wie ein Feiertag gewertet - und sind somit frei. Echt fair. Sowas wünsche ich mir auch für Deutschland. :)
Wie dem auch sei. Wenn dann mal aus unerfindlichen Gründen ein paar Tage frei zusammen kommen, macht der Japaner gern einen Kurzurlaub. Das kann man wörtlich nehmen. Mehr als eine Woche wird es, nach dem was ich so gehört habe, selten. Selbst Reisen ins Ausland werden kurz gehalten. Für mich wäre das nichts - und ich kenne so einige Leute, die "erst mal eine Woche brauchen um anzukommen". Japaner müssen da spontaner sein.
Wenn man den Reisesendungen im japanischen TV glauben schenken kann, sind die beliebtesten "Fernziele" die benachbarten asiatischen Länder. Von Kaoru weiss ich, dass es unter den "jungen Leuten" angesagt ist übers Wochenende nach Südkorea zu fliegen. Wenn man billig bucht, kommt man schon für 10000 Yen hin und zurück. Da ist ein Inlandsflug in Deutschland oft teurer... China ist ebenfalls billig, aber nicht so beliebt. Inselstaaten wie die Phillipinen sind OK. Hawaii hat sich mittlerweile als beliebtes nicht-asiatisches Ziel für die Flitterwochen etabliert. Viel weiter reisen die wenigsten. Europa ist beliebt, aber oftmals ein unerfüllter Traum. Eine große Rolle bei der Wahl des Reisezieles spielt immer die "Sicherheit". Japan ist was das angeht ein Musterbeispiel. Hier kommt keine Brieftasche weg und man wird auf der Straße nirgends abgezockt. Auf diesen Komfort wollen viele nicht verzichten - und buchen einen Inlandflug. Vielleicht liegt das auch an Problemen wie schlechten Fremdsprachenkenntnisse. Zugegeben, Japan hat von Strand bis Berge sowieso eine Menge zu bieten. Daher ist es nachvollziehbar das viele in der Heimat bleiben.
Was soll das hier nun werden? Reiseempfehlungen für Japaner? Nein. Ich fasse einfach ein paar der Kurzurlaube, die ich zusammen mit Kaoru so unternommen habe, zusammenfassen. Ich packe euch ein paar Fakten und (besonders wichtig) ein paar Bilder zusammen und fertig ist ein weiterer Beitrag. Viel Spaß beim Lesen und Gucken.

Reif für die Insel

Vor einer Weile kam es, dass Kaoru zufällig ein wenig freie Zeit zur Hand hatte (Jobwechsel) und wir die Gelegenheit nutzen wollten mal weiter weg zu fahren als eine Stunde mit dem Zug. Etwas länger als ein Wochenende sollte es auch sein. So haben wir uns angeschaut wo es gerade schön ist und (ganz wichtig) was wir uns auch leisten können. Nicht dass ich knausern würde, aber ich musste schon ein paar mal miterleben wie nach anfänglichem Optimismus und erster Planung der Preis für Flug / Mietwagen und Unterkunft die Toleranzgrenze bei Kaoru überschritten hat und wir am Ende doch wieder nur einen Tagesausflug gemacht haben. :/
Diesmal sollte es aber anders laufen. Wir wollten für drei Tage nach Okinawa fliegen. Man merkt schnell: drei Tage für ein Ziel welches man nur mit dem Flieger erreichen kann? Ich würde mindestens eine Woche veranschlagen. Aber zu dem Thema hab ich lieber meinen Mund gehalten und im Stillen gehofft, dass die Reise nicht "zu teuer" wird, bevor alles gebucht ist. Positiv anzumerken ist, dass die Flüge im März nicht sonderlich teuer sind und die Flugzeit auch keine 2 Stunden beträgt. Was auch Not tut, schliesslich ist im Billigflieger von Beinfreiheit nicht viel zu merken. Für uns waren so der erste und der dritte Tag auch für Aktivitäten vor Ort nutzbar. Die Flüge wurden einfach zeitlich günstig gewählt. Nachdem nebst Mietwagen und Unterkunft noch immer kein "zu teuer" zu vernehmen war, konnte das Rahmenprogramm für die rund 2,5 Tage abgesteckt werden und schon bald hieß es "Ab in den Süden".
Zu Beginn noch die Anmerkung, dass wir Anfang März in Okinawa waren und dort schon mal einen ersten Eindruck vom Sommer bekamen. Als eine der südlichsten der japanischen Inseln kennen die Bewohner von Okinawa sowieso keinen Winter. Hier gibt es nur warm und weniger warm. Man befindet sich in tropischen Gefilden und das merkt man sofort, wenn man aus dem Flieger steigt. Es war nicht unerträglich heiss, aber die Jacke konnte im Rucksack bleiben. Über 20°C hatten wir durchgehend und nach einem Regenguss war die Luft nur schwül und nicht kalt. Die Landschaft um den Flughafen hat mich gleich an meine Teneriffareise vor ein paar Jahren erinnert. Die Straßen werden zu beiden Seiten von Palmen gesäumt und man sieht dem Rasen an, ob er bewässert wird oder nicht. Ich denke mal hier ist es im Sommer wie in Südteneriffa.
Als wir nach einem späten Mittag unser Vehikel ausgefasst hatten, stand der großen Freiheit nichts mehr im Wege. Vom ersten Tag blieb uns zwar nur der Nachmittag, aber wir fanden schnell zu einem der ersten Ziele auf unserer Liste. Es ging zu einer der vielen Höhlen, die die Insel zu bieten hat. Leider verpassten wir die letzte Führung, aber das Cafe bat einen guten Eindruck was man hier unter Höhlen versteht. Sehr geräumig für japanische Verhältnisse. :) Ein Park in der Nähe stand auch auf der Liste. So hatten wir ein schnelles Ausweichziel zur Hand. Nebenan konnten wir uns einen ersten Eindruck verschaffen was auf Okinawa an Souvenirs angesagt ist. Viele Produkte sind mit Süßkartoffelgeschmack und sehen violett aus. Ich musste gleich erst mal ein Eis mit dem Geschmack probieren. Ansonsten ist hier auch die Ananas ganz groß im Angebot.
Die Ananas was es auch, die uns zu unserem ersten Ziel am nächsten Tag führte. Im Pineapple-Land (Ananasland) konnte man sich anschauen wie die Früchte wachsen, geerntet und anschließend verarbeitet werden. Den tropischen Garten mit allerlei Infos um die gelbe Frucht konnte man zu Fuss oder auch im selbstfahrenden Elektrofahrzeug erkunden. Was viele noch für Zukunftsmusik halten, kann man hier schon jetzt erleben. :)
Autonomes Fahren. Ich musste weder lenken, noch Pedale bedienen
So schaut das Ananas-Mobil von außen aus. Die Ananas verbessert die Aerodynamik

Ananasernter bei der Ananasernte. Ganz klassisch mit Strohhut und Korb. Alles Handarbeit hier
Diese "Hundefiguren" sieht man überall in Okinawa. Sie stehen oft an Eingängen wache

Hier sind die Blätter auffälliger als die Blüten
Hibiskus oder so. Manche trinken den hier als Tee

Nachdem wir ein kostenloses Ananaseis und jede Menge Kostproben im hauseigenen Ananasprodukteladen abstauben konnten, ging es weiter Richtung Strand. Wir wollten ein wenig Sommerstimmung mitnehmen. So ging es barfuß durch den weißen Sand. Die Sonne hat hier schon ordentlich Kraft und ich wage mich bis zu den Knien ins Wasser. Baden tut hier noch keiner. Schilder warnen vor irgendwelchen gefährlichen Kreaturen im Wasser. Offenbar ist gerade Quallensaison oder so. Ich hab nichts dergleichen im klaren Wasser entdecken können.
Nach dem Ausflug in den Sand haben wir uns noch die nähere Umgebung angeschaut. Es gibt hier so praktisch schattige Wege, die dank der beiderseits üppig wachsenden Bäume zu Tunneln werden. Das gibt tolle Effekte, wenn man durch die dunklen Gänge das Meer und den Sand schon von weitem erspähen kann. Das Spiel aus Licht und Schatten in seiner vollen Pracht auf Fotos zu bannen, gelang uns nicht.
Badestrand. Anfang März ist hier noch nichts los. Der Parkplatz kostet trotzdem schon
Es geht auch felsig. Ist spröde und kalkhaltig. Überall sieht man Korallenbruch am Strand

Was manche daheim im Blumentopf haben wächst hier wild am Strand
Die Tunnel bieten einen tollen Kontrast zwischen dem Grün der Bäume und dem blau-weiß des Strandes

Da der zweite Tag unser einziger voller Tag war, ging es nach dem Sonnenspaziergang am Strand ohne Mittagessen eilig weiter zum nächsten Tagesordnungspunkt. Schließlich haben wir diesmal reserviert. Es geht endlich in eine Höhle. Meine Sonnengeplagte haut freut sich. Okinawa scheint nur so von Höhlen durchlöchert zu sein. Man findet die hier überall. Das hat ausnahmsweise mal nichts mit Krieg oder Bergbau zu tun, sondern liegt mehr an vulkanischer Aktivität und Erosion. Im Nachhinein bereuhe ich es ein wenig, dass ich meine Kamera nicht mit hinab in die feuchten Tiefen genommen habe, weil man mich vor hoher Luftfeuchtigkeit gewarnt hat. Die Bilder, die unsere Führerin gemacht hat, sind allesamt ein wenig verwackelt oder unscharf, aber besser als nichts.
Nachdem wir in uns Overalls gezwängt und ein paar gerade so passende Stiefel erhalten haben (das gilt wohl nur für mich), geht es 10 Minuten zu Fuß zum Höhleneingang. Unsere Führerin erklärt schon auf dem Weg munter dies und das - auf Japanisch. Ich bekomme hin und wieder was mit, bzw. von Kaoru übersetzt. Wir sind übrigens die einzigen Gäste der Führung. So wird das ganze eine private Veranstaltung. :)
Nachem wir eine Treppe und ein paar Leitern hinabgestiegen sind, geht es immer entlang eines Baches hinab in die Tiefen von Okinawa. Wirklich tief steigen wir nicht hinab, aber es braucht hier keine 1000m um es warm und feucht haben zu können. Ich bin froh, dass immer mal ein Luftzug zu spüren ist und ganz so schlimm wie angekündigt ist es dann doch nicht mit Wärme und Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit kommt hier nicht nur vom Bach, sondern auch vom Wasser welches aus allen Richtungen in die Hohlräume zu tropfen scheint. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man überall Tropfsteine von teils beachtlicher Größe im Licht der Lampe erblicken kann. Der Allgegenwärtige Tau glänzt mal silbern, mal golden. Die natürlichen Ablagerungen bilden interessante Muster.
Mal mit dem Kopf durch die Wand...
mal mit den Füßen voran

Unsere Führerin macht uns auf Dreckflecken aufmerksam, die nicht vom Wasser in die Höhle getragen wurden. Schwarze Flecken auf dem Boden, die sich teils zu kleien Hügeln anhäufen markieren die Kackecken der Fledermäuse, die hier gerade nicht sehr zahlreich anzutreffen sind. Im Sommer sollen sie wohl wieder in großen Zahlen tiefer in die Höhle kommen. Dann ist es hier angenehmer als in der Sommerhitze vor der Tür... Ansonsten finden an den Höhlenwänden immer wieder Insekten, die wie kleine Grillen aussehen, aber viel längere Fühler haben (und blind sind) und Tausendfüßler. Ein paar Wasserbewohner finden sich ebenfalls. In einer Wasserlache mitten auf dem Weg versteckt sich eine Krabbe. Im Sommer soll der Bach in der Höhle auch Schrimps und kleinen Fischen eine Heimat bieten.
Einer der Höhlenbewohner
Nicht mehr lang bis zur Vereinignug

Jetzt bloß nichts abbrechen
Selbst Bäume finden in die Höhle (Wurzeln)

Wie wir so durch die Höhle stapfen gilt es hin und wieder einen kleinen Fels zu überqueren oder den Bach trockenen Fußes zu überqueren. Alles keine unmöglichen Aufgaben, allerdings ist der Boden oft mit einer feuchten Schicht Matsch überzogen und man sollte sich gut überlegen wo man hintritt. Besonders viel Spaß machen mir die Engstellen. Teils muss man sich entscheiden ob man nun mit dem Kopf oder den Füßen zu erst hindurch schlüpfen will. Die Höhle wäre eine gute Übungsstrecke für die Grubenwehr.
Allen in Allem war es in der feuchten Unterwelt Okinawas schön. Aber nach einer Stunde war es genug des Kriechens und Aufpassens nichts abzubrechen - und der Magen fing an sich nach ausgefallenen Mittag zu beschweren. Zum Glück gabs nach der Höhlenführung eine Gratis-Mandarine und Tee. Natürlich aus regionalem Anbau.
Da wir uns noch das "Amerikanische Viertel" anschauen wollten, mussten wir uns keine Sorgen machen zu verhungern. Pünktlich zum Einbruch der Dunkelheit fanden wir uns zu einem gepflegt "unjapanischen" Abendessen ein. Es gab Fleisch. Erst kamen mir drei "spare ribs" ein bisschen wenig vor, aber die Sorge war unbegründet. Sehr zart und extra groß. Dass Okinawa so amerikanisch geprägt ist, liegt daran, dass hier nach dem Krieg die amerikanischen Besatzer eine größere Basis aufgebaut haben. Und die haben offenbar nicht viel von der japanischen Küche gehalten und ihre eigene Esskultur mitgebracht. Was mir im amerikanischen Viertel noch aufgefallen ist, sind die Bettler. Bisher hat mich in Japan noch keiner um Geld angebettelt. Obdachlose hab ich schon gesehen, aber die haben nie was gefordet - die weisen einen im Zweifelsfall eher ab, wenn man gedenkt was zu spendieren. Hier ist dem nicht so. Die Herren, die Pasanten um "einen Dollar" anquatschen sehen allerdings auch nicht japanisch aus...
Amerikanische Rippen sind groß...

Der letzte (halbe) Tag wird für einen Besuch im Park genutzt. Der Park ist nicht nur irgendein Flecken grüner Erde in der Stadt. Nein hier hat sich zu Zeiten des zweiten Weltkrieges das Oberkommando der japanischen Marine auf Okinawa verschanzt. Der Bunkerkomplex ist nun ein Museum und neben ein paar (niedrigen) Gängen und leeren Räumen gibts neben Tafeln mit Erklärungen nicht viel zu sehen. Jegliche Einrichtung ist verschwunden, bis auf die Möbel im Raum des Kommandanten. Ansonsten kann man sich nur anhand alter Fotos und Zeichnungen vorstellen wie hier alle auf engstem Raum, eingekesselt die letzten Tage des zweiten Weltkrieges zugebracht haben, bevor kapituliert wurde. Viele Soldaten haben den Bunker nicht lebend verlassen. In einem Raum kann man in der Wand noch die Löcher sehen, die die Splitter einer Granate hinterlassen haben. Hier wurde nicht gekämpft. Jemand hat sich selbst in die Luft gesprengt...
Hinab geht es in die Tiefen des Okinawas des zweiten Weltkrieges
Zimmer des Kommandanten mit Abschiedsbotschaft an der Wand

Ansonsten nur niedrige, leere Gänge
Die Löcher, die die Splitter gerissen haben, sagen alles

Abschließend kann ich sagen: Okinawa ist ein geschichtsträchtiger Ort. Die Insel war ein hart umkämpfter Ort gegen Ende des zweiten Weltkieges. Zum Glück ist das alles Geschichte und man hat sich wieder vertragen. Jetzt kann hier jeder das milde Klima bei einem Glas Ananassaft am Strand genießen - oder so. Ich wäre gern länger geblieben, schließlich gibt es noch eine Menge zu sehen. Okinawa ist ein ganz anderes Japan als das "Festland". Aber wir haben das Beste aus unserem japanischen Urlaub gemacht und das Budget nicht gesprengt und vielleicht mach ich in Zukunft öfter mal einen Kurztrip anstatt immer auf den Jahresurlaub zu warten. Das hat was für sich.

Im Land der 88 Tempel

Einige haben es vielleicht schon gelesen. Es hat mich ein weiteres mal nach Shikoku verschlagen. Besser gesagt uns - bei einem Kurzuralub. Diesmal haben wir uns erlaubt ganze 4 Tage lang von zu Hause fern zu bleiben. Shikoku eignet sich perfekt für einen ruhigen Kurzurlaub. in der Provinz findet man weniger volle Städte und mehr Einsamkeit und Natur abseits der Touristenzentren. Was wir uns hier angeguckt haben folgt im nächsten Absatz. Also nix wie weiter gelesen!
Der erste Tag unseres Ausfluges war recht fahrlastig. Bis nach Shikoku hinein kann man von Osaka aus an die 300km zurücklegen. Am Wegesrand haben wir uns schon mal auf die lokale Küche eingestellt. Shikoku ist bekannt für seine Nudelsuppen. So lies die erste Nudelsuppe nicht lang auf sich warten. So eine Schüssel Udon ist die ideale Mahlzeit, wenn man bei einem kurzen Boxenstop den Hunger stillen möchte. Nach einer Menge Fahrerei haben wir es gegen fünf Uhr zum ersten Ziel geschafft. Die letzten Kilometer immer bergauf über schmale und verschlungene Straßen waren für mich eine tolle Gelegenheit mich mit den Vorzügen der Automatik vertraut zu machen. Mein Fahrerassistenzsystem auf der Beifahrerseite hat regelmäßig wegen zu geringem Abstand zum Abgrund Alarm gegeben. :)
Am Eingang zum Tempel Nr. 12 in den Bergen
Mächtige Zedern dominieren das Gelände und spenden Schatten

Auf diesem Weg bin ich damals hinauf gekomen
Beste Aussicht auf der Zielgeraden

Ich wollte in Shikoku unbedingt den Tempel Nummer 12 (焼山寺 - Shosanji) noch einmal besuchen. Dieser liegt herrlich inmitten der Natur in den Bergen gelegen. Bei meinem ersten Besuch bin ich allerdings auf einer anderen Route hier her gelangt - zu Fuß. Diesmal hat uns ein kleiner Spaziergang vor dem Abendessen genügt. An längere Touren muss ich Kaoru langsam heranführen. ;) Wie bei meinem ersten Besuch im letzten Herbst, wollte ich über Nacht bleiben. Schliesslich bieten viele Tempel auf der Pilgerroute kostengünstig Übernachtung inklusive Verpflegung an (6000 Yen). Außerdem war der Tempel für unseren Auflug wegtechnisch günstig gelegen. So gab es, wie im Tempel üblich, gegen sechs Abendessen, ein Bad in der großen Wanne und dann war Nachtruhe angesagt. Frühstück war übrigens kurz nach halb sechs am nächsten Morgen. Pilger verschwenden keine Zeit - und wir wollten ja auch weiter.
Der zweite Tag verschlug uns in einen Park, den Kaoru rausgesucht hatte. "Monet Garden" versprach malerische Ausblicke. Hier belasse ich es bei Bildern. Jeder weiss wie ein Park aussieht und was man da macht.
Malerische Ansichten
Libellen tummeln sich

Rotes Laub, ganz ohne Herbst
Rosen überall

Und zwischendrin Hühnergetier

Nach dem Spaziergang und einem Eis, ging es zurück auf die Straße. Wir hatten wieder Strecke zu machen. Der zweite Tagesordnungspunkt lag ein ganzes Stück weiter westlich. Bis dahin ging es immer am Meer entlang - und ich war verantworlich für die Meerblickbilder, denn Kaoru war mit fahren dran. (Nicht, dass ich nicht angeboten hätte zu tauschen...) Aber das sollte nicht die letzte Gelegenheit auf Meerblick gewesen sein. Am Ziel gab es noch genügend Meer um sich satt zu sehen (und zu fotografieren). Den kleinen Ort an der Südküste kannte ich ebenfalls schon aus meiner Pilgerzeit. Hier gibt es auf einem Berg hoch über dem Meer ein Hotel, dass aussieht als hätte es jemand direkt aus Griechenland importiert. Der Name "Santorini" bestätigt, dass es sich beim Design nicht um einen Zufall handelt. Da Kaoru gern Meerblickfotos macht und Griechenland noch ganz oben auf ihrer Urlaubswunschliste steht, war das der perfekte Ort für sie.
Weißer Sand, blaues Meer und Sonnenschein

Sieht echt aus. Ist es auch. Nur im falschen Land
Steilküste, die den Atem raubt. Manchem Besucher auch mehr...

Nach einer Übernachtung (8000 Yen) in einem "Nobelpilgerhotel" (mit Onsen und mehreren Schreinen im Haus) ging es über eine Route, die ich ebenfalls schon als Pilgerer abgelaufen bin, immer der Küste nach bis ans Kap Ashizuri. Auf dem Weg dahin haben wir uns einen kleinen Zwischenstop an einem Strand Namens "Okibeach" (wörtlich: "großer Strand") geleistet. Ein kleiner Strandspaziergang inklusive Muscheln sammeln am schönsten Strand, den ich bisher in Japan gesehen habe. Das Kap selbst liegt am südlichsten Punkt von Shikoku und ist berühmt-berüchtigt. Die steilen Klippen ziehen nicht nur Fotografierfreudige an. Einige Besucher nehmen sich hier das Leben. Als wir da waren ist keiner gesprungen...
Als es Nachmittag wurde musste eine neue Übernachtungsmöglichkeit her. Da wir am letzten Tag noch Matsuyama mitnehmen wollten, musste noch ein wenig Strecke überwunden werden. Also ging es an der Westküste der Insel entlang, gen Norden. Unser Weg führte uns über Straßen die teils nur Platz für eine Fahrzeugbreite hergaben. Shikoku ist Provinz pur.
Spannend war es für mich immer wieder Streckenanschnitte aus meiner Pilgerzeit wiederzuerkennen. Mit dem Auto sind ein paar hundert Kilometer am Tag kein Problem, aber wenn man die Etappen, die man in Tagen oder Wochen abgelaufen ist, innerhalb eines Nachmittags abfährt, dann rauschen die Erinnerungen nur so an einem vorbei. Trotzdem schön. Und da Kaoru vorher noch nicht im Süden von Shikoku war, konnte ich mal mit Infos und Ortskenntnis aushelfen. :)
Die Unterkunft an diesem Abend sollte die billigste auf der Reise sein. In einer Jugendherberge konnten wir für ca. 3000 Yen pro Person (ohne Mahlzeiten) in getrennten Zimmern nächtigen. Der Betreiber der Herberge beteurte, dass Paare verheiratet sein müssen um gemeinsam in einem Zimmer übernachten zu dürfen. Ich hatte von solchen Regelungen schon gehört. Kaoru war das völlig neu. Verständlich, wenn man bedenkt, dass man in Japan auch das genaue Gegenteil geboten bekommt. Lovehotels für "unverheiratete" (also nicht miteinander und so...), wo keine Fragen gestellt werden und der Parkplatz stets blickdichte Zäune bietet. Shikoku lebt eben noch nach den Regeln des Anstandes. :)
Abendessen mit lokalem Futter. Dieses Menü wäre wohl sonst ein traditionelles Hochtzeitsmahl...
Wie zu Schulzeiten. Hier hätten wir nicht mal zusammen in einem Bett schlafen können. Getrennte Zimmer waren trotzdem Pflicht

Matsuyama war am nächsten Morgen nicht mehr fern, hatten wir es doch schon bis in eine Stadt mit Highwayanbindung geschafft. Hier wurde als erstes die Burg besucht. Auch diese kannte ich schon von meiner Pilgerreise, aber so ein original erhaltenes Schmuckstück schaue ich mir auch mehrmals an. Anschließend ging es noch in den japanweit bekannten Onsen (Dogo-Onsen) von Matsuyama. Das Badehaus kann auf eine 3000-jahrealte Tradition zurückblicken. Wenn man den Informationen auf der Tafel neben dem Eingang trauen kann, handelt es sich hierbei um das erste japanische Badehaus überhaupt...
Postkartenansicht von außen
Blick auf die Stadt aus Burgherrensicht

Verwinkelter Innenhof. Angreifer oder Zeugen Jehovas müssen hier mehr als nur eine Tür überwinden
Wochen nach der Kirschblüte sieht es an einigen Kirschbäumen so aus

Der Dogo-Onsen. Hier soll das Baden erfunden worden sein...
Das alte Gebäude hebt sich deutlich vom modernen Stadtbild ab.

Frisch gebaded und genährt ging es nach dem Mittag auch schon wieder auf die Rückreise nach Osaka. Bei mal mehr oder weniger starkem Regen ging es durchgängig über Highways zurück. Gedauert hat die Fahrt trotzdem vier Stunden. Am Ende haben wir in den vier Tagen über 1200km zurückgelegt. Zum Glück hat die Autovermiertung lediglich auf einen vollen Tank bestanden und keine Kilometer berechnet. Gekostet haben Miete und Highway-Maut dennoch knappe 50000 Yen.
Lange Hängebrücken verbinden Shikoku mit der japanische Hauptinsel
Hier hat jemand eines der Tragenden Seile der Hängebrücke abgeschnitten und hübsch angemalt