Überlebenstips für den Alltag im Land der aufgehenden Sonne

Wer zum ersten mal nach Japan kommt, kann hier und da schon mal auffallen. Besonders einfach ist das, wenn man über zwei Meter groß ist. Aber auch Otto Normalverbraucher aus DE kann schnell mal alle Blicke auf sich ziehen, wenn er sich einen kulturellen Fehltritt leistet. Hier sei ganz zu Anfang gesagt: Die Japaner erwarten ganz und gar nicht, dass ein "Bleichgesicht" ihre Benimmregeln kennt oder korrekt anwendet. Daher hat man immer den "Ausländerbonus" und niemand will einen gleich einen Kopf kürzer machen. Ausnutzen sollte man diesen Vorteil allerdings auch nicht. Hinter dem freundlichen Lächeln gibt es auch beim Japaner eine Toleranzgrenze.
Gehen wir es an. Alles was mir erwähnenswert erscheint (oder schlicht gerade einfällt) wird nachfolgend in einzelnen Themengebieten zum Nachschlagen aufgelistet. Per klick auf das kleine Dreieck neben der Überschrift, kann man den Artikel nebst Bildern aufklappen. Viel Spaß beim Blättern.


Zu Besuch

Komm'se nur herein

Für viele von uns wird es wohl nichts ungewöhnliches sein sich beim Betreten der Wohnung seiner Schuhe zu entleldigen und dann entweder in Hausschuhe zu wechseln oder in Socken durch das Fussbodenbeheizte Haus zu schlittern. Ich kann Entwarnung geben: In Japan ist das auch nicht anders. Man findet direkt hinter der Wohnungstür in 99% der Fälle einen kleinen Bereich in dem man sich mit Straßenschuhen noch bewegen darf. Dieser wird deutlich sichtbar von einer Stufe auf einen höhergelegenen Fussboden abgegrenz. Dort sollte man es tunlichst vermeiden sich mit Straßenschuhen erwischen zu lassen.
Es gilt also: Schuhe ausziehen und dann in Socken auf den höhergelegenen Boden der Wohnung umsteigen. Die Japaner machen das ganz geschickt. Sie steigen einfach mit einem Fuß aus dem Schuh und sofort in den Hauspantoffel um, ohne erst auf dem niederen Boden herum zu latschen. Der zweite Fuß folgt nach dem selben Prinzip. Ich brauche da immer ein wenig länger, weil ich Schuhe mit Schleifen trage. Die meissten Japaner tragen Schuhe aus denen man einfach heraussteigen kann. Normale Halbschuhe sind hinten oftmals heruntergelatscht und sitzen nur sehr lose. Die Schleife, wenn vorhanden, wird nie geöffnet. Viele tragen auch diese unsäglich hässlichen Gummilatschen, die ich höchstens für den Gang in den Garten nutzen würde. Zugegeben, die haben beim schnellen Wechsel ihre Vorteile.
Hat man es in den Flur geschafft, hat man je nach größe der Wohnung manchmal schon die Hälfte des Apartments gesehen. Was die Pantoffel angeht gibt es jedoch noch zwei weitere Stolpersteine, denen man in japanischen Haushalten begegnen kann.
Der erste wäre die Toilette. Sollte man beim öffnen der Toilettentür ein paar Pantoffel vorfinden - in denen niemand drin steckt - so gilt es hier die eigene Schuhtracht zu wechseln. Die Hauspantoffel werden vor der Tür zurückgelassen. Ein deutliches Indiz für alle anderen, dass gerade eine Sitzung stattfindet und man braucht nicht an der zu Tür rütteln um das festzustellen. Praktisch. Der schwierigste Part kommt nachdem das Geschäft abgewickelt ist: Man darf nicht vergessen wieder zurück zu wechseln. Mit einem Paar "Erinnerungslatschen" vor der Tür vergisst man das nicht so einfach, aber wenn man vorher nur in Socken unterwegs war, vergisst man die Pantoffel schnell mal. Es ist immer wieder ein Riesenspaß für alle Beteiligten, wenn man ins Wohnzimmer zurückkehrt und noch die Klopantoffel trägt. Solche Wechselpantoffel stehen übrigens meisst korrekt ausgerichtet und sauber nebeneinander da, wenn man sie vorfindet. So sollte man diese auch wieder hinterlassen. Etikette! ;)

Manchmal passen die Klopantoffel nicht wirklich...
Musterbild für korrekte Schuhausrichtung

Die zweite Gelegenheit für Fehltritte mit der Fußbekleidung bietet sich bei Räumen mit klassischem Tatamifußboden. Den Fußboden erkennt man schnell. Tatamimatten sind aus fest verwobenem Reisstroh gefertigt und mit einem Zierrand versehen. Ein deutlicher Kontrast zu Holz- oder Plastefußböden. Diese Matten findet man vornehmlich in traditionell gehaltenen Häusern. Wohnungen können ebenfalls in einem Raum mit Tatamimatten ausgestattet sein. Diese Räume werden meisst als Gäste- oder Schlafzimmer genutzt. Dieser Fussboden ist nicht so hart wie ein Holzboden und eignet sich daher besser zum Schlafen auf einem Futon. Die Matten sind zwar nicht sonderlich empfindlich, dennoch wird dieser Boden nur in Socken betreten. Schuhe jeglicher Art werden vor der Tür abgelegt.
Wie man im Hintergrund sehen kann, wird Gepäck in einem Extrabereich mit Holzfußboden abgestellt.

Zum Schluss noch eine Anmerkung: Japaner haben, nach dem was ich bisher so gehört habe, fast nie Besuch bei sich daheim, abgesehen von der eigenen Familie. Arbeitskollegen treffen sich stets ausserhalb, Freunde tun das die meisste Zeit ebenfalls. Kinder bringen wohl hin und wieder Freunde mit nach Hause... Mein Einblick ist sehr beschränkt, aber das ist es was ich bisher so mitbekommen habe. Fühlt euch also geehrt, wenn ihr zu einem Japaner nach Hause eingeladen werdet - und verhaltet euch entsprechend. ;)


Badetag

Japaner baden gern. Ob in Gesellschaft oder allein, die Wanne muss sein. Deswegen hab ich auch in 99% meiner Unterkünfte eine Wanne vorgefunden. Man mag schon fast an einen Widerspruch denken. "Die Wohnungen sind klein, aber eine Wanne im Bad?" Ich hab nicht behauptet, dass die Wanne groß ist. Natürlich sind die Bäder klein - und demzufolge auch die Wannen. Ich komme in Japan übrigens nicht in den Genuss meine Beine in der Wanne auszustrecken. Der Fairness halber sei erwähnt, dass das daheim auch nicht wirklich klappt. Was der Wanne in der Länge fehlt, wird übrigens an Höhe wieder gut gemacht. Wo mir daheim der Überlauf den Spaß am Vollbad beschränkt, lässt die japanische Badeschüssel eine Befüllung bis zum Rand zu.
Die Wanne randvoll zu machen, macht natürlich keinen Sinn. Aber man braucht sich keine Gedanken zu machen, wenn man beim Einstieg ins heiße Nass feststellt, dass man sich geringfügig verschätzt hat, was das körpereigene Verdrängungsvermögen angeht. Alles was über den Rand schwappt findet seinen Weg in den Abfluss. Praktisch. Bäder sind hier derart ausgelegt, dass der gesamte Raum wie eine "Duschwanne" ausgelegt ist. Meisst ist der Boden aus Plastik und wie aus einem Guss. Die Wände tun es dem Boden gleich und die Decke hat bis auf die Lampe und den Lüfterauslass auch meisst einen Plasteüberzug. Hier bekommt das Wort Nasszelle eine sprichwörtliche bedeutung. Man könnte meinen, dass man sich in einer großen Tupperdose wäscht. (Ich komme mir zumindest oft so vor.)
Aber wozu der Aufwand? Tut es nicht auch ein Duschvorhang? Im Prinzip schon. Einige Wannen bieten diesen Spritzschutz und man kann wie gewohnt eine Dusche nehmen ohne das gesamte Bad zu bespränkeln. (Eine Dusche, so richtig mit Trennwand und außerhalb der Wanne hab ich hier übrigens nur gesehen, wenns keine Wanne gab.) Der Witz ist nun der, dass der Japaner selten, bis gar nicht in der Wanne duscht.
Um jetzt totale Verwirrung zu vermeiden, lassen wir die Wanne mal einen Augenblick aus den Spiel und fangen noch mal ganz von vorn an. Wir stehen vor der Tür ins Bad. Bevor man sich wäschen kann, muss man sich auch in Japan erst einmal ausziehen. Oft findet man vor dem Bad einen kleinen Vorraum mit Vorhang, der ebendies ermöglicht. So muss man seine Sachen nicht mit in die Nasszelle nehmen. Nun tritt man ins Bad ein und findet folgendes vor: Einen Duschkopf am Schlauch, der von einem Kombihahn abgeht, einen kleinen Hocker, mindestens eine Schüssel und natürlich eine Wanne. Je nach dem wie viele Leute im Haushalt leben, findet man mehr oder weniger Bürsten, Rasierer und Seifen zur Auswahl. Aber das soll mal nicht ablenken.

Was hinter dem Vorhang passier, bleibt hinter dem Vorhang
Hier kann man unbesorgt herumplantschen. Alles ist wasserdicht

Sollte Badetag sein, hat der Gastgeber schon die Wanne mit Wasser gefüllt. Jetzt darf man sich als Europäer nicht verleiten lassen einfach in die Wanne zu steigen, um einzuweichen und sich später waschen zu wollen. Das wäre nicht besonders nett gegenüber den Leuten, die danach zum Zuge kommen. Das warme Wasser teilen sich alle Bewohner (nacheinander) und das jedes mal zu wechslen wäre ruinös teuer. Dem Gast gebührt in Japan übrigens die Ehre als erster in den Bottich steigen zu dürfen. Man sollte es also tunlichst vermeiden Hinterlassenschaften jeglicher Art im Wasser zu hinterlassen. So gibt es nur eins: "Sauber in die Wanne." Nun kommt voll zum Tragen, dass man auch außerhalb der Wanne den Wasserhahn und die Duschbrause bedienen kann ohne alles zu überfluten. Zur gründlichen Reinigung setzt sich der Japaner übrigens gern auf den kleinen Hocker. Gerade die Frauen konsultieren bei der Reinigung gleich noch den Spiegel (fürs Gesicht...), der in stehender Haltung nur meine Knie zeigt... So benutzt man (sitzend oder auch nicht) reichlich Schampoo und Seife und spült sich genau so gründlich wieder ab. Schaum findet man in der Wanne nie. Manchmal wird ein Zusatz für einen angenehmen Duft zugegeben. Ansonsten bleibt das Wasser klar.
Bei der Bedienung des Wasserhahnes gibts noch ein paar Stolpersteine. Oftmals findet man statt zweier Hähne für "warm" und "kalt" einen Regler für die Temperatur und einen Hahn für "Wasser marsch" und "Stop" vor. Manchmal hat letzterer sogar drei mögliche Positionen. So Kann man in Mittelstellung den Wasserfluss stoppen und die beiden anderen Richtungen schicken das Wasser entweder in den Duschkopf oder den Wasserhahn. Hahn und Duschkopf reichen übrigens auch immer bis zur Wanne. Das klingt jetzt alles ein wenig kompliziert, aber mit ein wenig probieren findet man schnell heraus was Sache ist - und man muss sich ja zum Glück nie Gedanken machen, wenn es an der falschen Stelle im Bad nass wird.
Noch eine Anmerkung für "Alleinbader". Sollte man sich, wie ich es oft getan habe, allein in eine japanische Wohnung eingemietet haben, kann es sein, dass partout kein warmes Wasser aus dem Hahn kommen will. Das liegt nicht an unbeglichenen Rechnungen, sondern daran dass der Hauptschalter für die Warmwasserbereitung nicht eingeschaltet ist. Im Idealfall findet man das Bedienpanel dafür im Bad. Manchmal hängt das aber auch über der Spüle in der Küche. In dem Fall vergisst man das Einschalten lieber nicht, bevor man sich nackig (und nass) macht. Schaltet man die Warmwasserbereitung ein, kann man zum Glück gleich losduschen. Das warme Wasser kommt von einem Durchlauferhitzer, der mit Gas betrieben wird. Da gibt es keine Warmlaufphase. Am Panel kann man übrigens auch die Warmwassertemperatur einstellen. Meisst ist diese auf ca. 40°C gestellt. Wärmer braucht man es selten. Wenn man einen klassischen Wasserhahn vorfindet muss man hier nur die Heiss-Seite auf- und zudrehen. So spart man sich langes Rumgemische.
Hier ist es übrigens der Knopf oben rechts, der das Warmwasser ein- / ausschaltet

Tjoa. So ist das mit dem Baden in Japan. Ich hoffe ich hab nichts vergessen. Ich will nicht, dass nun wegen mir jemand nass und halb fertig im Bad steht und nicht weiter weiss...



In der Keramikabteilung

Welcher Knopf war jetzt für die Spülung?

Dass uns die Japaner, was Toiletten angeht, um Welten voraus sind hört man ja immer wieder. Für den Alltagsgebrauch versuche ich hier mal einen kurzen Abriss zu bringen. Das Spektrum ist schon sehr breit.
Bei den öffentlichen Toiletten bemerkt man in Japan sehr schnell, dass es selten komisch riecht und dass man nirgends für die Benutzung zahlen muss! Ich nehme einfach mal an, dass die "Klofrau" schlicht vom Arbeitgeber ausreichend bezahlt wird. Oh und es gibt wirklich überall öffentliche Toiletten. Jede kleine Bahnstation hat eine, jeder Park, Einkaufszentren sowieso und sogar in den Bergen habe ich regelmäßig Bedürfnisanstalten gefunden. Falls es mal keine Toiletten an einer Wanderroute gibt, wird sogar davor gewarnt. "Achtung letzte Toilette vor dem Gipfel!" Japan ist also auch für blasenschwache Besucher geeignet.
Jetzt aber zu den verschiedenen Austattungsgraden, die die Latrinen zu bieten haben. Als ganz klassisch und unkompliziert wäre da zu aller erst die Hocktoilette zu erwähnen. Was für Bewohner der westlichen Welt ein Graus ist, ist für den Asiaten normal. Viele öffentliche Bedürfnisanstalten (vor allem abseits der Touristenzentren) bieten diese einfache Ausstattung. Auch in Zügen kleinerer Linien habe ich diese schon vorgefunden. Spaßig. Als Pluspunkt kann man hier bemerken, dass es keine tausend Knöpfe gibt und man sich über dreckige Toilettensitze keine Gedanken machen muss. ;) Denn wie der Name schon verrät, hockt man sich hier einfach über die kleine Porzellanwanne und verrichtet sein Geschäft ohne Backenkontakt mit dem Klo. Hierbei sollte man darauf achten, dass man richtig herum hockt. Die Füße kommen links und rechts neben die langen Seiten des Beckens und man schaut in Richtung der Seite auf der die Schüssel nach oben gewölbt ist. Persönlich mache ich mir immer sorgen um meine Beinbekleidung. Da ich nicht sonderlich viel Übung in der Benutzung der Hocktoilette habe, lege ich meine Hosen vorsorglich vorher ab. Nichts ist unschöner als nach verrichtetem Geschäft eine nasse oder anderweitig beschmutzte Hose zu haben. Oh und die Hocktoilette im stehen zu benutzen ist keine optimale Lösung (also falls man mal kein Pissbecken vorfindet). Vielleicht hält sich das Gespritze in Grenzen, wenn man kleiner ist als ich...

Mag nicht jeder... (Vielleicht, weils hier nicht so bequem ist während des Geschäftes Facebook upzudaten)
An den Pissiors gibts nicht viel zu sagen. Das längliche Design macht Längenunterschiede irrelevant

Ich vermeide es, wenn möglich, eine Hocktoilette besuchen zu müssen. Die meissten öffentlichen Klos bieten Hock- und Sitztoiletten an. Aber irgenwann erwischt es eben jeden mal und soo schlimm ist das dann auch nicht.
Die mittlere Stufe auf der Ausstattungsleiter wäre die einfache "westlich" gehaltene Schüssel. Aber da brauch ich nicht viel zu erklären. Also geht es nun ans eingemachte. Die Hightech-Toilette mit allem drum und dran. Viele Japaner haben so ein Schmuckstück übrigens auch daheim (Kostenpunkt mehrere hundert bis tausende Euro). Dem Reisenden wird dieser Komfort oft in Hotels und Restaurants begegnen. Auch größere Bahnstationen und Einkaufszentren bieten eine bessere Ausstattung.
Was fast alle dieser neumodischen Toiletten bieten - und was ich persönlich überhaupt nicht mag - sind beheizte Klobrillen. Das fühlt sich immer so eklig warm an, als hätte da gerade noch jemand drauf gesessen. :/ Nächstes Ausstattungsmerkmal ist die integrierte Waschstation für den Hintern (die Damen können sich auch vorn herum waschen lassen). So kann man sich viel Gewische sparen und braucht nur noch trocken zu tupfen. Das spart Papier. Und um ehrlich zu sein, das japanische Klopapier ist nicht gerade dafür bekannt, dass es dick und fluffig ist. Meisst kommt es eher wie einlagiges Papier daher. Einige Toiletten sollen sogar trocken föhnen können... Nie gesehen. Keine Angst vor kaltem Nass, das Waschwasser ist stets vorgewärmt. Da braucht man (oder Frau) sich also keine Sorgen zu machen. Die Sprühstärke für den Wasserstrahl kann man je nach plesir schwächer oder stärker einstellen... Manche mögens hart, hab ich gehört. Welcher Knopf für welche Waschdüse zuständig ist, verrät das kleine Piktogramm. Weniger offensichtlich ist oft die Stop-Taste. Diese ist mit einem 止 versehen. (Mein Fall ist die Backenwaschanlage übrigens nicht...)
Neben diesen offensichtlich sinnvollen Funktionen kann man manchmal noch auf verschiedene Extras wie Geräuschübertönungsmelodien zurückgreifen, wenn man sich auf dem Klo genieren sollte oder ein wenig Anregung benötigt. Mich nervt es immer, wenn das Pissoir oder die Schüssel auf einmal von allein zwischenspült, aber Japaner stehen offensichtlich drauf.
Die große Frage kommt dann nach der Vollendung des Geschäftes. "Wo muss ich für die Spülung drücken?" Erstaunlich ist, dass ich manchmal ewig nach dem richtigen Knopf am Panel gesucht habe und dann feststellen durfte, dass da hinter mir am Rohr für das Spülwasser ein Hebel war. :D Oder noch einfacher: die Toilette spült selbst, sobald man sein Hinterteil von der Brille bequemt.
Die meissten Klos mit Bedienpanel bieten allerdings einen Spülknopf. Aber aufgepasst, wenn es schon Spülknöpfe gibt, dann bitte gleich mehrere. 大 steht wörlich für "groß" und 小 für "klein". Das Zeigt uns, dass auch die Japaner Wasser sparen.
Schaltzentrale für die Schüsselsteuerung
Hinter dem Deckel verstecken sich noch mehr Tasten...

Zum Schluss noch die Bemerkung, dass auf den öffentlichen Toiletten (vor allem auf den Behinderten-WCs) nebem dem Spülknopf an der Wand auch ein (roter) Notrufknopf zu finden ist. Manchmal sehen die sich wirklich sehr ähnlich, was ich nicht wirklich toll finde. Man munkelt sich, dass genau deswegen hin und wieder ein Ausländer "falsch spült" und damit den weithin hörbaren Alarm auslöst... Peinlich, aber was soll man machen, wenn man nichts lesen kann.




Überleben auf der Straße

Warum hält hier keiner an?!

Wer kennt das nicht. Man möchte über die Straße und weit und breit ist keine Ampel zu sehen. Na immerhin gibt es einen Zebrastreifen. Vielleicht gelingt es mir ja hier den kontinuierlichen Strom von vorbeirollenden Fahrzeugen zu unterbrechen. Wie ich so warte fährt ein Auto nach dem anderen an mir vorbei. Ich sollte eigentlich weitihin gut zu sehen sein, aber niemand hält an...
Nachdem ich ein paar Tage später einen Japaner frage wie hier Zebrastreifen gehandhabt werden und ob ich eventuell ein Handzeichen geben muss um meinen "Überquerungswunsch" zu äußern, erklärt mir dieser nur dass am Zebrastreifen kein Fahrzeug anhalten muss. Die Dinger scheinen hier lediglich eine Art Markierung zu sein, damit der Fußgänger auf dem Weg über die Straße seine Richtung nicht verliert. Für die Statistiker: Während meiner 1300km Pilgerreise habe ich so manche Straße überqueren dürfen. Angehalten haben ganze drei Fahrzeuge für mich. Und das wäre manchmal nicht mal nötig gewesen, war an der Straße nicht viel los.
Man muss nun nicht denken, dass es in Japan wie in Indien zugeht, wo man vor dem Überqueren der Straße erst mal um göttlichen Beistand bitten sollte, um sicher drüben anzukommen. Nein, es gibt wirklich viele Ampeln und an den richtig gut befahrenen Straßen sogar Unter- oder Überquerungsmöglichkeiten in Form von Tunnels und Brücken. Alles gut soweit. Wie man eine Ampel benutzt muss ich hier auch nicht erklären, aber es gab für mich ein paar ungewohnte Situationen.
Zum Beispiel darf man nicht erwarten, dass sich jede Stadt so etwas die Bürgersteige leistet. Eine weisse Linie tut es allemal. Ich habe so einige male meinen Weg in der Innenstadt mit den Fahrzeugen geteilt. Zum Glück wechseln die Japaner immer schon rechtzeitig die Spur, wenn da einer am Straßenrand läuft, allerdings auch nur wenn gerade keiner entgegenkommt. Und wenn mir noch mal einer sagt, dass die Japaner keine Ironie verstehen, dann wüsste ich gern wieso ich an einer Straße ohne Fußwege einen Zebrastreifen vorgefunden habe? Der ging wirklich nur von einem Begrenzungsstreifen zum anderen und dann war da nichts weiter als ein halber Meter Asphalt bis zur nächsten Hauswand oder Hecke. :)

Ironisch, wenn man bedenkt, dass der Zebrastreifen sowieso keine Bedeutung hat und es an dessen Enden eh keine Fußwege gibt
Damit hier einer anhält, muss man den Knopf finden und drücken. Ein aufleuchtender Schriftzug bittet einen dann zu warten...

Ansonsten wäre noch erwähnenswert, dass an Kreuzungen wo es zwar eine Ampel für die Fahrzeuge, aber keine Fußgängerampel gibt, der Fußgänger einfach die Ampel für die Fahrzeuge mit verwendet. Das macht Sinn, will man nun wirklich nicht rüber gehen, wenn der Querverkehr gerade grün hat. Die abbiegenden Fahrzeuge nehmen meisst Rücksicht auf die Fußgänger und warten.
Sollte man auf eine Fußgängerampel treffen, die nicht an einer Kreuzung steht, ist die Wahrscheinlichkeit übrigens groß, dass es sich um eine Bedarfsampel handelt und man einen Knopf drücken muss. ;)




Praktische Läden und mehr

Der Laden für jede Lebenslage

Stell dir vor du bist auf Wanderschaft auf einmal merkst du, dass du dein Lunchpaket vergessen hast, dass das Wasser schon zu neige geht oder die Unterhosen alle schmutzing sind. Jetzt wieder umdrehen fällt aus. Was also tun? Was Getränke angeht, wird dir in Japan definitiv geholfen. Getränkeautomaten gibts fast überall. In Bahnstationen, Parks, den kleinsten Dörfern und in der Stadt sowieso an jeder Ecke.
Die Automaten bieten stets gekühlte und heisse Getränke. Was nun warm und was kalt aus dem Automaten kommt, verrät die rote oder blaue Färbung unter dem Getränk im Schaufenster. Das Angebot reicht von Wasser, Sportgetränken über Saft bis zu Kaffee und Kakao. Was was ist erkennt man oft schon an der Aufmachung. Wenns mal nicht klar ist musst du als Nichtjapaner eben ein wenig experimentierfreudig sein.
Um nun an das Getränk deiner Wahl zu kommen, wirfst du einfach so lange Münzen in den Münzschlitz ein, bis die Taste am gewünschten Getränk aufleuchtet. Solltest du keine Münzen dabei haben, darfst du meisst auch mit einem 1000-Yen-Schein bezahlen oder ganz modern die IC-Card benutzen. Das Feld für das kontaktlose Bezahlen mit so einer Karte ist (falls vorhanden) nicht zu übersehen.
Da es in Japan keinen Flaschenpfand gibt, musst du die erworbene Flasche übrigens nicht gesondert irgendwo abgeben. Der nächste Eimer tut es allemal. Oft steht ein solcher gleich neben dem Automaten. Tolle Sache, wo Mülleimer sonst eher Mangelware sind.
Verdursten musst du hier schon mal nicht. Solltest du nun an Hunger leiden, die Zahnbürste oder den Schirm vergessen haben, wirst du an einem Automaten nicht unbedingt glücklich. Ich habe zwar auch schon Automaten für Snacks, Eis und Nudelsuppen gesehen, aber die sind seltener als die allgegenwärtigen Getränkeautomaten. Für Hungergeplagte noch der Hinweis: In Japan kann man überall unbesorgt das Essen im Straßenverkauf erwerben. Das meisste ist sowieso frisch zubereitet und ich habe es bisher nie bereuht.
Nun aber zum wichtigsten Laden für vergessliche Touristen und Pilgerreisende. Der convinience-store oder "Konbini" wie ihn die Japaner nennen. Die Läden tragen Namen wie Lawson, Seven-Eleven oder Minimart und sind nicht zu übersehen. Sie sind im Prinzip die Miniaturausführung eines Supermarktes. Auf kleinstem Raum wird von Fertigmahlzeiten und Getränken jeglicher Art bis zu Lesestoff, Waschmittel und Wechselunterwäsche alles Erdenkliche angeboten was man täglich so gebrauchen kann. Natürlich bekommt man auch den anfangs erwähnten Schirm (oder Poncho).
Wer hier etwas zu futtern erwirbt, bekommt sein Essen bei Bedarf an der Kasse gleich noch aufgewärmt und die nötigen Stäbchen oder anderes Besteck mit in die Tüte. Für die Nudelsuppenfans gibts zum Aufgiesen gratis heisses Wasser und wenn man Glück hat gibt es sogar einen kleinen Bereich wo man seine eben erworbene Mahlzeit im sitzen zu sich nehmen kann. Und falls es mal nicht schmeckt oder man schlicht die Hände waschen will, gibts in 90% der Filialen gleich noch eine Toilette und Mülleimer. Oh und alle Konbinis bieten kostenloses w-LAN an, falls man beim Essen gern auf Hendy starrt.

Werbeschilder, deutlicher Schriftzug, Parkplatz. Nicht zu übersehen

Den Sparfüchsen sei hier verraten, dass der Konbini ein wenig teurer ist als ein "normaler" Supermarkt, dafür sind Supermärkte aber nicht so oft anzutreffen. Konbinis findet man in der Stadt im Prinzip alle hundert Meter. Ich hab mich schon manchmal gefragt wie das gehen kann, dass ein und die selbe Kette zwei Filialen nebeneinander haben kann (gegenüberliegende Straßenseiten) und die trotzdem Gewinn erwirtschaften.




Ob du wirklich richtig stehst...

Wer in Japan nicht anecken will schwimmt am besten immer mit dem Strom (oft hat man eh keine andere Wahl). Wer offenen Auges durch die Straßen geht, wird schnell feststellen, dass es im täglichen Gedränge oft geordneter zugeht als man meinen mag. Hin und wieder ordnen sich die Japaner plötzlich ein und aus dem Gedränge wird Ordnung. Es gibt viele ungeschriebene Gesetze für kollisionsfreies Gewimmel in der rushhour.

Mal links, mal rechts

Einer dieser Punkte wo aus dem breiten Strom auf einmal eine geordnete Reihe wird, ist die Rolltreppe. Die Japaner haben ein System entwickelt, dass es einem ermöglicht beim Betreten der Rolltreppe zu wählen ob man gemächlich mitrollen oder hastig hinaufsteigen will. Es ist denkbar einfach: Die Rolltreppe ist breit genug für zwei Personen nebeneinander. Also stellt man sich, wenn man einfach nur mitfahren will, auf die rechte Seite und lässt die linke Seite für die eiligen Peronen frei. Keiner wird zum laufen gedrängelt, keiner muss genervt warten. Eine einfache, wie effiziente Lösung.
Das System funktioniert erstaunlich gut. Wenns mal wieder klemmt, ist entweder ein breiter Kinderwagen involviert (die nehmen meisst den Fahrstuhl) oder ein Paar Touristen gönnt sich die volle Treppenbreite um nebeneinander fahren zu können. Mein Tip also: Lieber einspurig fahren und den sowieso schon hektischen Leuten auf der linken Spur nicht den Tag verderben. Denn für den Japaner ist nichts schlimmer als zu spät zur Arbeit zu erscheinen. Wenn man aus versehen mal auf der falschen Spur landet, kann man sich ja immer noch retten indem man wenigstens bis zur nächsten Lücke läuft.
Wichtiger Hinweis: In Osaka gilt das System wie eben beschrieben "links laufen", "rechts stehen". In Toyko ist es genau anders herum! Ansonsten bleibt alles beim alten. Die beste Hilfe hier ist sowieso "Augen auf beim Eierlauf". Gucken und Nachmachen. Dann kommts auch zu weniger (kulturellen) Kollisionen. :)
Oh und wer ein wenig sportlichen Ehrgeiz besitzt wird auf den sowieso immer vorhandenen (und breiteren) unbewegten Treppen mindestens genau so schnell nach oben oder unten kommen. Da viele Japaner auf die "Standspur" der Rolltreppe wollen, kommt es am Einstieg zur Rolltreppe nämlich schnell zur Schlangenbildung. Die nichtrollenden Treppen sind dagegen oftmals leer. In Bahnstationen gibt es hier übrigens auch oft Pfeile auf den Stufen, damit der Fußgänger kollisionsfrei ans Ziel kommt. Die Seiten für "hoch" und "runter" variieren von Station zu Station.

Schön zu erkennen: links wird gestiegen, rechts gestanden
Die Pfeile weisen den Weg

Tor eins, zwei oder drei?

Der Japaner will am Bahnsteig schnell in den Zug kommen um möglichst noch einen Sitzplatz zu bekommen. Was tut er also? Er stellt sich exakt an die Stelle wo nach einfahren des Zuges die Tür sein wird. Was in Deutschland immer einem Lottospiel gleichkommt ist in Japan kein Problem. Jeder Zug hält immer exakt an der Markierung (und fährt pünktlich ein). So kann man besonders zu den geschäftigeren Zeiten beobachten wie sich alle Fahrgäste schon vor der Einfahrt des Zuges in zweier- oder dreier-Reihen an den richtigen Stellen anstellen.

Unverstellter Blick auf die Hilfslinie für den Bahnfahrgast
Und alle machen mit

Sollten schon Fahrgäste warten, hat man es einfach zu erraten an welcher Markierung der nächste Zug seine Türen öffnen wird. Sollte man allerdings der erste am Gleis sein, hat man die Qual der Wahl. Man findet Markierungen in verschiedenen Farben, mit verschiedenen Nummern und Formen vor. Großartig, dieses System, wenn man es denn versteht. Wer nun meint "Stelle ich mich eben einfach an irgendeine der Markierungen und gut ist. Bis zur Tür komme ich schon schnell genug, wenn der Zug einfährt." hat im Prinzip recht. Für die innerstädtischen Bahnen und U-Bahn funktioniert das. Es gibt allerdings einige Fälle in denen man tunlichst in den richtigen Waggon einsteigen sollte. Zum Beispiel fährt der Express zum Flughafen in Osaka nur mit den ersten vier Waggons bis zum Flughafen. Die hinteren vier werden abgekopplet und fahren nach Wakayama weiter (auch ein schönes Reiseziel). Ein anderer, ganz banaler Fall sind die "women-only"-Waggons. Die Damen reagieren teils recht empfindlich, wenn Herren einsteigen. Sowieso immer in den richtigen Waggon einsteigen sollte man bei den Fernzügen.
Was also tun um vorbereitet zu sein? Die Anzeigetafeln helfen weiter. Wenn man herausgefunden hat ob man am richtigen Gleis steht (was manchmal schon schwierig genug ist), schaut man nach der Farbe des Schriftzuges des angekündigten Zuges. So findet man die richtigen Markierungen. Desweiteren wird die Form der Markierungen angezeigt. Die nächste wichtige Information ist die Anzahl der Waggons. Es gibt nämlich lange und kurze Züge... Je nach Anzahl der Wagen gelten andere Markierungen für z.B. "Waggon 3". Ich weiss, das klingt total kompliziert und umständlich. Keine Sorge, das ist es auch, wenn man das zum ersten mal macht. Aber es lohnt sich zu üben. Besonders bei den Fernzügen erspart "richtiges Anstehen" eine Menge Arbeit und macht dann den Unterschied zwischen Sitz- und Stehplatz aus (wenn man sich keine Sitzplatzreservierung gegönnt hat). Und wer steht schon gern während einer langen Fahrt im Gang?
Schön zu erkennen: Farben, Form, Anzahl der Waggons
Eine der Markierungen am Bahnsteig: gelb, Kreis, Waggon Nr. 5




Fahrstuhlpilotenschein

Nächster Halt: Vierter Stock, Damenunterwäsche und Babybekleidung

Wer in Japan in einen Fahrstuhl einsteigt ist da selten allein. Alte Leute, Muttis mit Kinderwagen und Übergewichtige Touristen lieben Fahrstühle. So kommt es selten vor, dass man allein fährt. Manchmal fühle ich mich an die morgendliche Seilfahrt erinnert, wenn immer noch einer einsteigen muss. Japan halt, wenn noch ein wenig Platz zu finden ist, wird dieser auch genutzt. Wenn nicht, wird geschoben, bis es passt.
Wenn man als Mitfahrender in der Lage sein sollte die Person neben der Tür zu beobachten, fällt schnell auf, dass diese wie selbstverständlich das Tastenfeld für alle bedient. Wie soll man auch an die Tasten kommen, wenn man sich gerade rückwärts in den vollen Fahrstuhl gezwängt hat. Das Tastengedrücke geht allerdings über die Eingabe der gewünschten Etagen hinaus. Der "Fahrstuhlpilot" hält die "öffnen"-Taste so lange gedrückt, bis alle an der Tür den Bauch eingezogen haben, bzw. keiner mehr zu sehen ist, der einsteigen will. Hier drückt keiner panisch den "schließen"-Knopf nachdem er selbst eingestiegen ist, damit ja kein weiterer Fahrgast einsteigt...
Ich finde das System wieder einmal sehr praktisch und es zeigt, dass man hier Rücksicht aufeinander nimmt. Aber worum geht es in diesem Abschnitt eigentlich? Ja was passiert nun, wenn man als erster in einen leeren Fahrstuhl steigt und noch andere Leute zusteigen? Richtig: Man ist von nun an der "Fahrstuhlpilot". (Also nur bis man wieder aussteigt natürlich.) Keine Angst. Die meissten Japaner werden es einem sicher verzeihen, dass man sie nicht versteht und werden die gewünschte Etage selbst wählen, aber man kann ein wenig guten Willen Zeigen und die Türbedienung übernehmen. Soll heissen den entsprechenden Knopf drücken, bis alle eingestiegen sind. Im Zweifel hält man einfach eine Hand in die Tür. Die wenigsten Türen klemmen einen dann ein. Das hinterlässt einen guten Eindruck und man zeigt dass man Anstand besitzt. Alternativ lässt man einfach einem der erfahrenen Piloten den Vortritt. Guten Flug!




Große Wäsche

Alles dreht sich

Wer kennt das nicht. Man ist viel unterwegs, wechselt die Wäsche hin und wieder und irgendwie wird der Haufen mit den schmutzigen Klamotten immer größer. Spätestens wenn der letzte Schlüpper aus dem Koffer wandert, wird es zeit zu waschen. Zum Glück haben sich auch in Japan mittlerweile Waschmaschinen etabliert. Hier hätte sowieso keiner Zeit sich lange mit dreckiger Wäsche zu befassen...
Waschen ist in Japan zum Glück echt einfach, wenn man sich erst einmal mit den Eigenheiten der lokalen Waschmaschinen vertraut gemacht hat. Erste Erleichterung: Es wird immer mit kaltem Wasser gewaschen. Somit braucht man weder nach Temperaturen, noch nach Farben zu sortieren. Hier läuft nix ein oder wäscht aus. Ich finds klasse. Wer nun angesichts der niedrigen Temperaturen Bedenken bezüglich der Hygiene hat, dem sei versichert, dass die Waschmittel auf die niedrigen Temperaturen ausgelegt sind und ihre Arbeit anstandslos verrichten. Zweiter Komfortfaktor: Es gibt (auch im ländlichen Bereich) überall Waschsalons. So braucht es nur ein paar 100-Yen-Münzen und ein wenig Geduld und schon hat man wieder saubere Unterwäsche. Ich finde diese Option echt klasse. Ein Waschgang dauert 30-40 Minuten. Der Trockner erledigt seine Arbeit je nach Menge in 10-20 Minuten. So braucht es nicht mal eine Stunde und man ist wieder reisefertig. Zu den Trocknern hier eine Anmerkung: Die gasbetriebenen Geräte leisten wirklich gute Dienste. Die elektrisch "befeuerten" Geräte haben meine feuchten Klamotten nur angewärmt...
Wie funktioniert das nun mit dem Waschen im Waschsalon? Keine Sorge, sonderlich kompliziert ist das ganze nicht, aber man kann sich schon mal von den vielen (oft nur in japanisch gehaltenen) Instruktionen verunsichern lassen. Je nach Größe des Waschsalons bekommt man folgendes geboten: Waschmaschinen, Trockner, Automaten für Waschzusätze, Münzwechsler, Getränkeautomat, TV, Sitzecke, Lesematerial... Wir wollen uns allerdings auf das wesentliche konzentrieren, bevor wir uns vor den Fernseher setzen.
Die Waschmaschinen kommen stets in verschiedenen Größen daher. Man kann von 3-10kg Wäsche waschen. Größere Maschinen verlangen mehr Kleingeld für ihren Dienst als kleinere. Ich bin immer mit der kleinsten Maschinenklasse ausgekommen und habe hier 300-400 Yen einwerfen müssen. Die Trockner verlangen übrigens 100 Yen für 10 Minuten Trocknen, aber dazu später mehr.
Hat man sich eine sympathische Waschmaschine ausgesucht, kann man als erstes seine Wäsche hineinschmeißen. Die Waschmaschinen, die ich bisher in Japan gesehen habe, waren übrigens meisstens Toplader. Ich hab daheim auch eine solche Maschine, aber das japanische Modell eines Topladers ist anders konstruiert als ich das kannte. Die Rotationsachse der Trommel steht hier aufrecht. (Vereinfacht gesagt schaut man wie in einen großen Papierkorb, wenn man den Deckel anhebt). Aber das tut für die eigentliche Waschleistung nichts zur Sache.
Als nächstes wird man versucht sein irgendwo Waschmittel einzufüllen, bevor man den Deckel schließt. Hier kommt es zum ersten Stolperstein. In den meißten Waschsalons braucht man kein Waschmittel zuzugeben! (Das macht die Maschine) Die Anweisungen im Deckel bringen das auch zum Ausdruck (wenn man sie denn lesen kann). Sollte es also im Waschsalon keinen Waschmittelautomat geben, ist die Wahrscheinlichkeit schon mal groß, dass man keines zugeben muss. Oft gibt es dennoch einen Automaten, der kleine Pakete mit Pülverchen verkauft. Dabei handelt es sich allerdings oft um Weichspüler und anderes Duftgedöns. Als echter Kerl spüle ich natürlich niemals weich und spare mir die Kohle. Jeglicher Waschzusatz wird übrigens einfach auf die Wäsche in die Trommel gegeben. Es gibt hier keine extra Einfüllstutzen dafür.
Hat man die Sache mit der Frage nach dem Waschmittel klären können, kann man den Deckel zuklappen und sich dem Einwurf der Münzen widmen. Hier werden stets nur Münzen einer Art akzeptiert und die Maschine wechselt nicht. Es bietet sich also an, sich vor dem Gang zum Waschsalon einen ausreichenden Vorrat an 100-Yen-Münzen anzulegen. Einige der besser ausgestatteten Waschsalons bieten auch Münzwechsler. Ansonsten muss man eben noch mal schnell in den Konbini und sich was wechseln lassen (oder was kaufen). Hat man die erforderliche Menge an Münzen eingeworfen, sperrt die Maschine den Deckel und legt los. Die Maschine zeigt sogleich die Restwaschdauer an. So kann man sich, anstatt im Waschsalon Seifenopern zu gucken, auch auf einen Spaziergang begeben. Ich hab mich oft meinem Handy zugewandt und Videos geguckt oder auch mal was gehäkelt...
Nachdem die Waschmaschine ihren Dienst getan hat, bekommt man seine Wäsche mit geringer restfeuchte ordentlich geschleudert zurück. Bisher sind übrigens nie Socken verschwunden. Nächster Schritt ist nun die heimische Wäscheleine oder in meinem Fall (für eilige Wanderer), der Trockner. Der tut seinen Dienst in 10-Minuten-Schritten. Hier sei erwähnt, dass es oftmals zwei Durchgänge brauchte um meine Wäsche ausreichend trocken zu bekommen. Ich habe aber nie die vollen zwei Durchgänge mit einem mal gebucht. Der Grund ist ganz einfach der: Oft sind einige Wäschestücke (wie dünne Shirts) schneller trocken als der schwerere Kram (wie Jeans). Da tut man gut daran die trockenen Sachen nach den ersten 10 Minuten aus dem Trockner zu nehmen. So reduziert sich die Gesamtmenge im Trockner und die noch nassen Sachen bekommen effektiv mehr heisse Luft ab (soll heißen, die trocknen besser). Der zweite Vorteil ist der, dass man oft "Gratistrockenzeit" bekommt, wenn nach den 10 Minuten eines Durchganges die Maschine in "cooldown"-Modus geht und 1-2 Minuten weiter rotiert und bläßt. So bekommt man bei zwei mal 10 Minuten also an die 24 Minuten Trockenzeit, anstatt einmal 20 Minuten mit nur einmal 2 Minuten cooldown. Das läppert sich! Endlich macht sich der BWL-Lehrgang mal bezahlt. :) Noch eine Anmerkung zum Schluss: Man kann den Trockner übrigens jederzeit stoppen indem man die Tür öffnet. Das ist besonders nützlich, wenn man bemerkt, dass man eine Socke hat fallen lassen oder unbeabsichtigt Kleintiere in die Trommel geraten sind...
Fazit: Für circa 500 Yen kann man nach einer Stunde Pause frisch gewaschen weiter wandern. Ich finds klasse und soo schwierig ist es dann auch nicht.


Wir waschen daheim

Wer, wie ich, öfter mal in einer privaten Unterkunft nächtigt, kommt oftmals auch in den Genuss einer "kostenlosen" Waschmaschine. Und manchmal hat man das Glück, dass man neben der Maschine sogar Waschmittel vorfindet. Was will man mehr?
Die Maschine in privaten Haushalten sieht ein wenig anders aus als das Modell aus dem Waschalon. Aber das muss nicht heißen, dass es unmöglich ist auch diese dazu zu überreden ihren Dienst zu verrichten. Sicher, man sieht eine Menge Knöpfe und Lichter aufleuchten, wenn mann es dann geschafft hat den Ein-Knopf zu finden, aber das soll nicht weiter stören.
Wir bleiben ganz ruhig und rufen uns in Erinnerung, dass auch japanische Waschmaschinen entworfen wurden möglichst einfach in der Bedienung zu sein. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Der erste Schritt ist auch hier: Rein in den Kübel mit der Wäsche. Danach geht es auf die Suche nach dem Ein-Knopf. Da die Japaner von rechts nach links lesen, wird sich auch bei der Waschmaschine von rechts nach links herangetastet. "Ein" wird in Japan mit folgendem Kanji symbolisiert: 入. "Aus" wäre übrigens: 切. Man weiss ja nie wann man das mal braucht.
Nun lämpelt die Maschine wild herum und piept gegebenenfalls auch. Wir bleiben aber ganz entspant. Passieren wird schließlich noch nichts. Nun haben wir erst mal die Qual der Wahl. Wir können zwischen vielen verwirrend aussehenden Optionen wählen. Das tolle ist: Das ganze ist optional. Die Maschine erwartet, dass wir waschen wollen, wenn wir sie einschalten und bietet uns das Standardprogramm automatisch an (Spülen, Waschen, Schleudern leuchten auf). Bevor wir den nächsten Schritt angehen, der zugegebenermaßen ein wenig gruselig sein kann, will ich anmerken was wir noch zu erledigen haben: Wir benötigen eine Angabe zur Waschmittelmenge. Dieses muss hier noch selbst dosiert und zugegeben werden. Dafür muss allerdings das Waschprogramm gestartet werden. Zugleich bleibt der Deckel aber vorerst geöffnet, da wir nur so das Waschmittel auf die Wäsche geben können. Es hat mir ein wenig widerstrebt, das zu tun. Aber ich durfte feststellen, dass mir weder Wäsche noch Wasser entgegengeflogen kamen. Also Augen auf und durch.

Mit dem Finger auf dem Knopf. Hier mit weniger tödlichen Konsequenzen als im weißen Haus
Das Wasser läuft bereits. Die Uhr tickt. Zeit herauszufinden wie viel Waschmittel wir brauchen

Die Angaben auf der Rückseite der Flaschen sind recht eindeutig. Der Deckel ist zugleich der Messbecher
Der Weichspüler gerät auf Umwegen zur Wäsche. Wohin die kleinen Löcher am Rand führen weiss keiner so genau

Wir finden den Knopf zum Programmstart ganz einfach ein wenig weiter rechts neben dem Einschaltknopf (der größte Knopf von allen!). Nachdem wir den drücken, fängt die Maschine an herum zu rödeln und die Wäsche hin und her zu schubsen. Nachdem sie eingeschätzt hat wie viel Wäsche wir in die Trommel gestopft haben, bekommen wir endlich die benötigte Angabe. Ganz auf der linken Seite leuchtet eine der LEDs mit einer Literangabe auf. Jetzt wissen wir wie viel Wasser der Waschvorgang benötigen wird und können das Waschmittel entsprechend dosieren. Die "Umrechnungstabelle" findet man auf der Flasche mit dem Waschmittel. Diese sollte man auch als Nichtjapaner verstehen können. Während wir noch mit dem Messbecher hantieren, fließt schon fleissig Wasser in die Trommel. Das ganze dauert allerdings lang genug, sodass man es schafft das Waschmittel über die Wäsche zu kippen und den Deckel zu schließen bevor der Waschvorgang beginnt. An alle Weichspüler da draußen: Dieser wird im Gegensatz zum Waschmittel, welches immer direkt auf die Wäsche gegeben wird, in ein kleines Extrafach am oberen Rand der Trommel eingefüllt. Jetzt noch den Deckel schliessen und den Rest macht die Maschine.


In Japan hängt man anders

Wenn man in Japan nach der Wäscheleine sucht, sucht man oftmals vergebens. Ich musste feststellen, dass Japaner offenbar keinen Platz für Leinen haben. Hier gibt es statt dessen Stangen, Miniwäschespinnen und Kleiderbügel. Oft hatte ich das Problem, dass ich mehr Wäsche hatte als die genannten Aufhängemöglichkeiten hergaben. Japaner waschen offenbar öfter und in kleinen Portionen.
Auf den Stangen wird die Wäsche entweder mit Bügeln aufgehängt oder man schmeisst große Wäschestücke einfach darüber. Fixiert werden diese dann mit übergroßen Klammern. Die Miniwäschespinnen (wie ich sie nenne) sind eher was für Socken, Schlüpper und andere kleine Wäschestücke. Allesamt sind die Aufhängemöglichkeiten daraus aufgelegt auf einem kleinen Balkon oder im Wohnzimmer zum Einsatz zu kommen. Für Leinen ist in Japan kein Platz...

Keine echte Spinne, aber mit vielen "Klauen"
Ein wenig wie im Schrank, nur draußen

Ich hoffe ich konnte ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Immer schön sauber bleiben.




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Hier kommt später sicher noch mehr... oder so.